Kinderhospiz schenkt Familien Zeit

Der ambulante Kinderhospizdienst Emscher-Lippe lädt zum Neujahrsempfang ins Fritz-Lange-Haus.
Der ambulante Kinderhospizdienst Emscher-Lippe lädt zum Neujahrsempfang ins Fritz-Lange-Haus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit zwei jahren gibt es den ambulanten Kinderhospizdienst in Gladbeck. Die Bilanz ist äußerst positiv.

Gladbeck.. Von „einer guten Entscheidung“ spricht Kinderhospizdienst-Koordinatorin Gisela Ewert-Kolodziej und ergänzt: „Wir fühlen uns in Gladbeck sehr wohl.“ Zwei Jahre gibt es die Dependance des ambulanten Kinderhospizdienstes Emscher-Lippe am Kirchplatz 5. Damals platzte das Recklinghäuser Zentrum mit rund 50 zu betreuenden Familien aus allen Nähten. Der Einzugsbereich musste aufgeteilt werden. Seitdem ist die Gladbecker Filiale für die Städte Dorsten, Bottrop, Oberhausen, Gelsenkirchen und Gladbeck zuständig. Hier finden Familien mit Kindern, die an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden, Rat, Hilfe und Unterstützung. Ewert-Kolodziej: „Wir starteten mit sieben Familien, sind nun für 16 Familien die Anlaufstelle.“

Lebensverkürzende Erkrankungen

Fürs große Engagement fand Sozialdezernent Rainer Weichelt beim Treffen im Fritz--Lange-Haus lobende Worte an Haupt- und Ehrenamtliche. „Sie leisten eine tolle, funktionierende Arbeit, die in der Stadt und Region gebraucht wird.“ Für ihn ist dieser Einsatz „gelebte Nächstenliebe“. Die Stadt sei froh darüber, dass sich der ambulante Kinderhospizdienst hier angesiedelt hat, um Familien mit einem besonderen Schicksal zu helfen. „Sie schenken den Familien Zeit. Team und Ehrenamtliche sind da, wenn sie gebraucht werden.“

Die meisten der vom ambulanten Hospizdienst betreuten Kinder und Jugendlichen, die aktuell zwischen zehn Monaten und 23 Jahren alt sind, leiden an einer Stoffwechselerkrankung. Mehr Jungs als Mädchen sind von diesen lebensverkürzenden Erkrankungen betroffen. Für die im letzten Jahr verstorbenen zwei Kinder im Alter von sechs Monaten und acht Jahren brennt eine Kerze. „Wir denken an sie“, sagt Ewert-Kolodziej, die vor allem die Arbeit der Ehrenamtler – im Schnitt 50 Jahre alt – lobt. „Ohne sie könnten wir die Arbeit hier nicht leisten.“

Neuer Befähigungkurs gestartet

Frischer „Nachwuchs“steht in der Startlöchern. Am 13. Januar startete der jährliche Befähigungskurs mit 14 neuen Ehrenamtlern, die nach Beendigung ihrer Ausbildung in den Familien eingesetzt werden. „Wir sind da, kommen so lange in die Familien wie sie es wünschen, auch wenn das Kind verstorben ist.“

Und sie werden dringend benötigt. Susanne Gregorius, Pflegemutter des zehnjährigen Claudio: „Ich bin dankbar für die Entlastung, die ich bekomme, und der Junge freut sich.“ Und wie. Claudio liegt selig in den Armen seiner ehrenamtlichen Helferin Ulrike Lenz, die ihn zwei Stunden in der Woche betreut. „Ihn kennengelernt zu haben ist ein Geschenk, das ich nicht missen möchte. Wenn ich bei ihm bin, lasse ich alles andere zurück, habe nur Freude und Ruhe.“ Ihren ehrenamtlichen Einsatz hat sie nie bereut. „Ich bin mit gemischten Gefühlen angefangen, doch die Hospizarbeit ist bunt und fröhlich. Wir gehen alle sehr nett miteinander um.“

Zu tun gibt es genug, weiß Ewert-Kolodziej. „Die Eltern der Gladbecker Anlaufstelle sind sehr engagiert. Sie ermutigen andere Eltern, unsere Dienste in Anspruch zu nehmen.“ So werden in Kürze vier weitere Familien hinzukommen, wobei jede Familie ihr eigenes Tempo hat, erst das Schicksal akzeptieren muss. Ewert-Kolodziej macht Mut. „Nach der Diagnose geht es darum, gemeinsam eine möglichst gute Zeit zu haben.“

Gesund an Körper, Geist und Seele

Seit Mai 2013 gibt es den ambulanten Kinderhospizdienst Emscher-Lippe. Erreichbar ist er in den seinen Räumen am Kirchplatz 5. Hier wird regelmäßig ein Elternfrühstück und ein Familiencafé als Austauschmöglichkeit für betroffene Familien angeboten.

Doch nicht jeder ist für diesen Job geeignet. Wer sich dafür interessiert, muss stabil, „gesund an Körper, Geist und Seele sein“, so die Koordinatorin Gisela Ewert-Kolodziej. Er darf „keine eigenen Baustellen im Leben haben, um nicht am Leid der Familien zu zerbrechen“. Gefragt sind zudem Verlässlichkeit und das Mitbringen von viel Zeit. Der nächste Befähigungskurs startet 2016.

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit hat, kann sich zu den Bürozeiten melden: Montag und Mittwoch 9 bis 12 Uhr und Donnerstag 15 bis 17 Uhr sowie nach vorheriger Vereinbarung unter 9 87 27 40.