„Kinder müssen die bittere Pille schlucken“

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Gladbeck erhält Auszeichnungen für familienfreundliche Politik, zuletzt das Zertifikat „Familiengerechte Kommune“ (WAZ-Ausgabe von Samstag, 13. Juni)? Bei solchen Nachrichten kann sich Rolf Koch, selbst Vater von zwei Kindern, nur ein bitteres Lachen abringen. Das Aus für den offenen Treff im „Karo“ an der Schachtstraße (wir berichteten) erbost den Butendorfer – und nach eigener Aussage nicht nur ihn: „In meinem Umkreis sind auch Menschen für den Erhalt, die selbst keine Kinder haben.“ Seinem Unmut habe er per Telefon im Rathaus Ausdruck verleihen wollen, aber er habe keinen Erfolg gehabt: „Vom Bürgermeisterbüro habe ich gehört, dass Herr Roland zur Zeit nicht zu sprechen sei.“

Also wandte er sich an die WAZ. Sein Sohn und seine Tochter seien immer gerne ins Karo gegangen. Er lobt die Karo-Mitarbeiter: „Auf die konnte man sich immer verlassen. Das ist heutzutage extrem wichtig.“ Und jetzt das Ende des niederschwelligen Angebotes. Geplant ist, dass die Jugendkunstschule mit ihrem kostenpflichtigen Programm vom Mikado ins Karo umzieht.

„Das kann nicht wahr sein“

Er als Bottroper sei gerade deswegen in die Nachbarstadt gezogen, weil Gladbeck mit Familienfreundlichkeit geworben habe, erzählt Koch. Und andere hätten ähnlich entschieden. „Es sind ja ganz, ganz viele junge Familien hierher gezogen“, weiß der Anwohner der Phoenixstraße. Und nun das. Rolf Koch: „Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein.“ Er fragt sich: „Sieht so Politik für Familien trotzt knapper Kassen aus?“ Wohin sollte der Butendorfer Nachwuchs denn jetzt in seiner Freizeit gehen? – „Sollen wir unsere Kinder etwa auf den Weg über die B224 in die Innenstadt schicken?“

Der Kritiker: „Wenn unsere Stadtspitze von einer bitteren Pille spricht, muss sie sich schon fragen, wer hier eigentlich die Pille schlucken muss.“ Sicher, „250 000 Euro, das ist viel Geld“. Aber könne man nicht woanders sparen? Oder: „Das Karo nur mit halber Kraft führen? Hat man das gar nicht geprüft?“