Keine Platz für große Flüchtlingsgruppe in Gladbeck

Die ehemalige Haupzschule in Butendorf steht leer. Flüchtlinge können hier nicht untergebracht werden, da die nötige Infrastruktur fehlt.
Die ehemalige Haupzschule in Butendorf steht leer. Flüchtlinge können hier nicht untergebracht werden, da die nötige Infrastruktur fehlt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Stadtverwaltung sieht sich außerstande, kurzfristig 150 zusätzliche Plätze zu schaffen. Brandbrief des Innenministers sorgt für Aufregung.

Gladbeck..  Es gebe keine Einrichtungen, die für eine Notunterkunft unmittelbar zur Verfügung gestellt werden können, heißt es bei der Stadtverwaltung. „Über die Logistik, eine Großgruppe von etwa 150 Menschen unterzubringen, verfügen wir nicht“, sagt Sprecherin Christiane Schmidt.

Die aktuelle Problematik der unerwartet hohen Zuwanderung von Flüchtlingen aus dem Kosovo hat nun auch Gladbeck erreicht. In allen Städten des Kreises sorgt ein Brandbrief von Innenminister Ralf Jäger für Aufregung, zusätzliche Unterbringungskapazitäten für diese Menschen zu schaffen. Er spricht von „akutem Handlungsbedarf“ und „mehreren tausend Flüchtlingen“. Begleitet wird dieses Schreiben von einem Brief des Landrats Cay Süberkrüb, der hierin eine „dringende Bitte“ äußert, „geeignete Liegenschaften in städtischer und privater Hand“ zu nennen.

14 Flüchtlinge kommen am Montag

Er versucht sich sogar an der Quadratur des Kreises. „Ich weiß, dass die kommunale Finanzlage zum Zerreißen gespannt ist und Sie bei der Unterbringung von Flüchtlingen bereits enorm gefordert sind, hoffe aber dennoch, dass wir gemeinsam und in Solidarität mit den Menschen, die dringend unsere Hilfe benötigen, einen Lösungsvorschlag finden werden.“

Das Hilfeersuchen erreichte die Stadt am Donnerstag. Bis gestern Morgen 10 Uhr sollte eine Antwort erfolgen. Sozialdezernent Rainer Weichelt hielt die Frist ein, machte in seiner „Fehlanzeige“ aber deutlich, dass man dem Appell von Jäger nicht folgen könne. Christiane Schmidt: „Das ist derzeit von uns nicht zu stemmen. Wir haben keine geeigneten Großunterkünfte und wüssten nicht, wo wir eine Großgruppe unterbringen könnten.“

Zwar gebe es eine leerstehende Schule, die Hauptschule in Butendorf an der Straße Im Linnerott, doch deren Räumlichkeiten würden u.a. für Sport genutzt. Zudem sei dort keine Infrastruktur vorhanden. „Die Schule müsste umgebaut werden. Dies geht nicht von jetzt auf gleich.“

520 Flüchtlinge sind in der Stadt untergebracht

Im übrigen „schultern wir unseren Anteil“. 520 Flüchtlinge sind in der Stadt Gladbeck derzeit untergebracht, verteilt auf die Unterkunft an der Boy und auf Wohnungen, die man dezentral im Stadtgebiet anmietet, vor allem von der GWG. Diese Menschen werden vor Ort betreut, erhalten regelmäßig Besuch von Sozialarbeitern.

Das Konzept habe sich bewährt und funktioniere geräuschlos. Probleme mit der Nachbarschaft, die immer mit einbezogen werde, gebe es so gut wie gar nicht. „Wir tun das, wozu wir gesetzlich verpflichtet sind.“ Allein für den kommenden Montag „sind uns 14 neue Einzelflüchtlinge vom Regierungspräsidium Arnsberg zugewiesen worden“. Schmidt kann sich vorstellen, dass alle Kreisstädte mit einer „Fehlanzeige“ reagieren dürften. Schließlich werde das Unterbringungsproblem so „an die Schwächsten weitergegeben“. Sie sieht vielmehr Land und Bund bei der Unterbringung in der Pflicht, da gebe es beispielsweise leerstehende Kasernen.

Die aktuelle Bugwelle auffangen

Der Appell des Landes NRW zeigt Wirkung. Die für Flüchtlingsfragen zuständige Bezirksregierung Arnsberg spricht von positiven Rückmeldungen. Bis gestern Nachmittag konnten so landesweit 2300 Plätze geschaffen werden. Bezirksregierungssprecher Christoph Söbbeler: „Wichtig ist, dass wir damit die aktuelle Bugwelle auffangen können.“

Bevor weitere Maßnahmen ergriffen würden, wolle man sehen, wie sich die Lage entwickelt. Und die „Fehlanzeige“ aus Gladbeck, hat die irgendwelche Konsequenzen für die Stadt? Zieht sie vielleicht Zwangsmaßnahmen nach sich? Söbbeler hält sich da bedeckt, sagt nur: „Das nehmen wir erst mal zur Kenntnis.“