Kehren vor der Haustür oft unbekannte Pflicht

Auch an der Kibitzheidestraße ist die Reinigung des Gehweges auf die Grundstückeigentümer übertragen.
Auch an der Kibitzheidestraße ist die Reinigung des Gehweges auf die Grundstückeigentümer übertragen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die wöchentliche Säuberung des Gehwegs ist beim Großteil der Straßen Aufgabe der Anwohner und in Neubaugebieten komplett auf diese übertragen.

Gladbeck..  Die Redensart – man solle lieber erst mal vor der eigenen Haustür kehren, bevor man andere kritisiert – kennen sicher viele Gladbecker. Weniger bekannt ist, dass fast alle Bürger auch tatsächlich verpflichtet sind, nicht nur sprichwörtlich zum Kehrbesen zu greifen. Denn für nahezu 80 Prozent der insgesamt 440 Straßen im Stadtgebiet gilt laut Straßensatzung: Die Reinigung der Gehwege einschließlich Winterwartung ist den Grundstückseigentümern übertragen. Eine Pflicht, die oft an die Mieter weiter gegeben wird.

Sicherlich eine Überraschung für den einen oder anderen Bürger, der Straßenreinigungsgebühren zahlt und sich damit vermeintlich aller Besen-Pflichten entledigt sieht. „Beim Großteil der Straßen übernimmt die Stadt lediglich die wöchentliche Reinigung der Fahrbahnen, die auch die Winterwartung umfasst“, erklärt ZBG-Kundenberaterin Brigitte Köhler. Den Komplettservice der Straßensäuberung bis hin zur täglichen Reinigung der Gehwege samt Winterdienst übernehme die Stadt nur für den näheren Innenstadtbereich inklusive der Fußgängerzone. „Diese Stadtmitte ist ein von Fußgängern stark frequentierter Bereich, in dem auch die Verkehrswegesicherung verlässlich garantiert sein muss“, erklärt Brigitte Köhler. Dortige Eigentümer von Haus und Grund müssen zwar nicht zum Besen greifen, dafür zahlen sie aber auch eine entsprechend höhere Reinigungsgebühr.

Der vor Jahrzehnten stadtweite Anblick von ganz selbstverständlich „ihren“ Gehweg kehrenden Anwohnern ist nur noch in den alten Wohnkolonien regelmäßig zu sehen – und in den meisten Gladbecker Neubaugebieten. Denn letztere sind zumeist als verkehrsberuhigte Bereiche mit Anlieger- und Spielstraßen konzipiert, für deren Reinigung (wie in anderen Städten auch) die Anwohner selbst zuständig sind. „Die Reinigung der Gehwege, Fahrbahnen und des Straßenbegleitgrüns ist den Grundstückseigentümern übertragen, die auch die Winterwartung umfasst“, sagt dazu die Straßenreinigungssatzung. Die Liste umfasst mittlerweile 54 Straßen und Wege, da zum Jahreswechsel auch die Neubaugebiete Bertholt-Brecht-, Heinrich-Böll- und Wilhelm-Olejnik-Straße sowie Im Papengatt und Flözweg hinzugekommen sind. „Die schmalen Spielstraßen, auf denen auch mal ein Kinderrad liegen bleibt, sind mit Kehrmaschinen nur schwer oder aufwändig zu reinigen“, erklärt Köhler. Zudem sei hier quasi der Fahrweg zugleich Gehweg.

Zu guter Letzt: Wer vorsätzlich oder fahrlässig seiner Kehrpflicht vor der Haustür nicht nachkommt, handelt ordnungswidrig. Dieses Vergehen kann laut Satzung „mit einer Geldbuße bis zu 500 Euro geahndet werden“.