(K)eine Selbstverständlichkeit

Kenntnisreiches Podium-Team: Prof.Jörn Rüsen, Rainer Weichelt und Prof. Hans Jörg Sandkühler. Foto: Jung
Kenntnisreiches Podium-Team: Prof.Jörn Rüsen, Rainer Weichelt und Prof. Hans Jörg Sandkühler. Foto: Jung
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Gladbeck.. Es war ein eindrucksvolles Statement, das Prof. Dr. Jörn Rüsen zu Beginn der „Mehr Licht!“-Abschlussveranstaltung formulierte. Und es war ein eindrucksvoller Abend.

Bei Kriegsende war Rüsen sieben Jahre alt. „Es war meine Generation, die sich an der Last der nationalsozialistischen Verbrechen abarbeiten musste. Ja, die ganze Last der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die von den Nazis begangen wurden, landete auf den Schultern meiner Generation.“

Und diese Generation zog die Konsequenzen: Die universelle Gültigkeit der Menschen- und Bürgerrechte wurden für sie zu einem unverzichtbaren Teil der politischen Kultur der neu entstehenden Bundesrepublik. Prof. Rüsen mit Blick auf die Grundrechts-Artikel des Grundgesetzes: „Heute sind diese Menschenrechte für uns eine Selbstverständlichkeit; damals, unmittelbar nach dem Krieg, war das keineswegs der Fall.“

Der Abschluss

Menschenrechte, Bürgerrechte, Bill of Rights und Französische Revolution - die Besucher erlebten einen facettenreichen Diskussionsabend, der auch von den unterschiedlichen Akzentuierungen des Themas inspiriert wurde:

Der zweite Gesprächspartner, Prof. Dr. Hans Jörg Sandkühler, setzte als Philosoph, der gleichzeitig Jurist ist, deutlich andere Schwerpunkte als der Historiker Rüsen: Prof. Sandkühler wies vor allem auf die Bedeutung (und Durchsetzungsfähigkeit) internationaler Pakte und Rechtsnormen hin, etwa auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen im Jahr 1948. Prof. Rüsen stellte dagegen die Wichtigkeit nationaler Verfassungen und Verfassungsgerichte heraus, die erst die Gültigkeit von Menschenrechts-Normen in der Lebenspraxis garantierten.

Ein informativer, teils sogar unterhaltsamer Dialog

Moderator Rainer Weichelt zeigte viel Geschick und hielt sich - vor allem zu Beginn der Gesprächsrunde - mit Zwischenfragen auf wohltuende Weise zurück, so dass sich ein informativer und teils sogar vergnüglicher Dialog zwischen Rüsen und Sandkühler entwickeln konnte.

Manche Passagen dieses Gesprächs gehören in jedes Politik-Lehrbuch: „Es war und ist ein ungeheurer zivilisatorischer Fortschritt, die Macht des Staates mit Hilfe verfassungsrechtlich gültiger Menschenrechte einzuschränken“, sagte Prof. Rüsen, der auch darauf hinweis, wie wichtig und unverzichtbar seiner Ansicht nach die Trennung von Staat und Religion vor diesem Hintergrund sei. Er appellierte an die Muslime im Land, die Notwendigkeit einer solchen Trennung ausdrücklich anzuerkennen, damit jeder im Lande auf religiösem Gebiet das glauben könne und glauben dürfe, was er wolle.

Ja, das waren kluge Worte, die auf sympathisch-unaufgeregte Weise einen hörenswerten Beitrag zur jüngsten Integrationsdebatte bildeten.