Jutta Bünten sagt ihrer Tanke adé

Jutta Bünten (41), die Brandmeisterin bei der freiwilligen Feuerwehr Löschzug Mitte und ehemalige Motorradrennfahrerin gibt nach 17 Jahren ihre OIL! - Tankstelle an der Feldhauser Straße ab.
Jutta Bünten (41), die Brandmeisterin bei der freiwilligen Feuerwehr Löschzug Mitte und ehemalige Motorradrennfahrerin gibt nach 17 Jahren ihre OIL! - Tankstelle an der Feldhauser Straße ab.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach 17 Jahren wagt Jutta Bünten einen Neuanfang. Zum 31. Januar endet ihr Arbeitsleben als Tankstellenpächterin.

Gladbeck..  Sie ist eine taffe Frau, äußerst beliebt, schwer agil, steht mit beiden Beinen mitten im Leben und wagt in wenigen Tagen einen Neuanfang: Jutta Bünten, Pächterin der OIL!- Tankstelle in Zweckel, gibt ihr Geschäft zum Monatsende auf. Was dann folgt, ist noch offen, Angebote liegen vor, doch mit einer Zusage will sie noch warten. Irgendwas mit Fahrzeugen wird es auf jeden Fall sein. „Es sind genug Sachen, die ich machen kann, da habe ich gar keine Sorgen.“

Familiär geht’s an der Feldhauser Straße 197 zu. Die Mitarbeiter, von denen viele schon über zehn Jahre dabei sind, regeln den Betrieb geräuschlos. Auf sie kann sich Bünten verlassen – und umgekehrt genauso. Da fließen jetzt schon mal ein paar Tränchen, und auch die Kunden sind traurig, dass Bünten die Pacht abgibt. „Manche haben gesagt: Ich kette mich an die Gleise. Die können es halt nicht glauben“, sagt die 41-Jährige Chefin, doch die Entscheidung steht unwiderruflich fest. Und sie hat dabei beste Laune, freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt, den sie genauso beherzt angehen will wie den bisherigen. „Von 365 Tagen habe ich 360 Tage gute Laune.“

Rollatorbremsen reparieren

Warum sie so beliebt ist? Nun, es ist der ausgeprägte Service-Gedanke, den die gebürtige Essenerin hier seit Jahren vorlebt. Nicht nur für Autos: „Wir reparieren auch die Bremsen eines Rollators.“ Dazu muss man wissen, dass Jutta Bünten aus dem Service kommt. Sie startete ins Berufsleben mit einer kaufmännischen Ausbildung in einem Autohaus, doch die Technik ist das, was sie immer wirklich interessierte. Klar, dass die Mechanikerausbildung folgte, hat sie doch damals „ihre Freizeit in der Werkstatt verbracht und mit dem Vater zusammen geschraubt“.

Pure Fahrtechnik konnte sie auch bei ihrem emotionalen Hobby, dem Motorradrennfahren ausleben. Hier spielte sie gleich eine Doppelrolle, heizte selbst die schweren Hobel um den Rundkurs der Rennstrecke oder gehörte zum Mechanikerteam, das die Maschinen in den Boxen fit machte. Selbst die Liebe schlug in diese Richtung, war sie doch lange mit einem Rennfahrer zusammen. Das war eine hektische Zeit, von März bis Oktober war sie wegen der Rennen immer unterwegs. Holländische, französische und belgische Meisterschaften standen an.

Sie fuhr Straße, dann Rennstrecke, „damals eine reine Männerwelt“ mit ihren eigenen Gesetzen. „Da gab es schon mal kleinere Hakeligkeiten, es kratzt die Männer an ihrem Selbstwertgefühl, wenn eine Frau gut fahren kann.“ Mit dem Team Wim-Motors wurde sie 2001 Weltmeister in der Langstrecke, bei Devil-Racing und dem Edelschrauber Britten arbeitete sie als Mechanikerin.

Eine fesche Harley steht in der Garage

Noch heute hat Jutta Bünten einen feschen Hobel in der Garage, eine 2008er Harley Davidson, einen Zwei-Zylinder. „Das war mal eine Heritage, aber die habe ich komplett umgebaut.“ Klar, Bünten liebt „das Gefühl, auf zwei Rädern unterwegs zu sein, alles unter Kontrolle zu haben“. Als es 2003 an der Rennstrecke dann etwas ruhiger wurde, schaute sich Bünten prompt nach etwas Neuem um. Ein Ehrenamt sollte es sein, am besten etwas mit Technik. Es wurde die Feuerwehr. „Das ganze Drumherum hat mich interessiert und natürlich die Technik.“ Seit 2007 gehört sie zum Löschzug Mitte, ist seit anderthalb Jahren Brandmeisterin, Gruppenführerin und Ausbilderin.

Und dann gibt es sie ja doch noch, die knapp bemessene Freizeit. Dort und damit auch zu Hause ist Jutta Bünten in den 50er Jahren unterwegs. „Ich bin eine Rockabella.“ Gerne trägt sie eine fesche Haartolle, liebt sogenannte Pencil-Kleider und die alten Autos aus der Zeit des Rock ‘n’ Roll. Ein amerikanischer Pickup mit V-8-Motor wird demnächst in der Scheune aufgearbeitet, die Reise in die USA samt Besuch von dortigen Rockabilly-Veranstaltungen und Feuerwachen ist das nächste Ziel.

Doch vorher wird erst mal gefeiert. Abschied. Rummelig ist’s dann am Freitag in der Tanke. Alte Freunde aus der Rennszene, Feuerwehr, Polizei, Kunden und Mitarbeiter schauen vorbei, nehmen Abschied. Jutta Bünten ist schon jetzt bester Dinge, blickt als „positiver Mensch“ gut gelaunt in die Zukunft und setzt „auch in der Liebe auf einen kompletten Neuanfang“.