Jüdische Familie Oppenheimer kam aus Gladbeck

Im Haus Hochstraße 23 (heute Mayersche Buchhandlung) befand sich vor dem Krieg das Warenhaus Althoff, das das Ehepaar Oppenheimer leitete.
Im Haus Hochstraße 23 (heute Mayersche Buchhandlung) befand sich vor dem Krieg das Warenhaus Althoff, das das Ehepaar Oppenheimer leitete.
Foto: Fremdbild
Was wir bereits wissen
Eheleute führten das Althoff-Warenhaus, bevor sie nach Essen zogen und dort in ein „Judenhaus“ einquartiert wurden. Neue Stolpersteine in Essen.

Gladbeck..  Die jüdischen Eheleute Adolf Abraham und Pauline Oppenheimer lebten lange in Gladbeck, waren geachtete und bekannte Bürger in der Stadt – bis zur Terrorherrschaft der Nazis Anfang 1933. Dann wurden sie ausgegrenzt, zogen nach Essen, von wo aus sie deportiert und ermordet wurden. In Essen erinnert man in diesen Tagen an ihr tragisches Schicksal durch Verlegung von „Stolpersteinen“ an ihrem letzten Wohnsitz - einem sogenannten „Judenhaus“. Zur Verlegung kommt erstmals eigens ihre Enkelin Susanne Caspary aus Brasilien nach Deutschland.

In Gladbeck tragen bereits seit 2012 zwei Stolpersteine zur Erinnerung an das tragische Schicksal der Eheleute Oppenheimer bei: Sie wurden unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im Dezember 2012 vor dem Haus Hochstraße 23 verlegt – dem Wohn- und Geschäftshaus von Adolf Abraham und Pauline Oppenheimer. Heute steht an gleicher Stelle für das im Krieg zerstörte Gebäude das Geschäftshaus, in dem die Mayersche Buchhandlung untergebracht ist.

Damals war dies der Standort des Warenhauses Althoff, das dort seit 1908/1909 gebaut und 1910 eröffnet wurde. 1909 waren die Eheleute Oppenheimer nach Gladbeck gekommen, um die Leitung der Filiale zu übernehmen, wie Heimatforscher Manfred Samen vor Jahren bei umfangreichen Recherchen herausfand: Adolf Abraham Oppenheimer war Geschäftsführer der Gladbecker Althoff-Niederlassung, seine Frau seine Stellvertreterin. Das Ehepaar (er stammte aus Ostfriesland, sie aus Ostwestfalen, beide waren Jahrgang 1876) wohnte in einer 100 Quadratmeter großen Wohnung im 2. Obergeschoss des Kaufhauses. Die Geschäfte liefen unter ihrer Regie gut, so Manfred Samen. Die Oppenheimer waren in Gladbeck integriert, engagierten sich in der Synagogengemeinde und im Verein für Orts- und Heimatkunde. 1911 wurden Sohn Walter, 1913 Tochter Grete geboren.

Mit Machtübernahme der Nazis Anfang 1933 änderte sich für sie das Leben, begann die Entrechtung und Verfolgung der Juden – auch für die Oppenheimer. Im Mai ‘33 wurden die Eheleute von Althoff/Karstadt entlassen. Schon im Juli ‘33 zogen sie nach Essen, wo sie ein Haus besaßen. 1934 wurde Oppenheimer noch einmal unternehmerisch tätig, übernahm mit seinem Freund Adolf Isay eine Textilfabrik, die aber in der Pogromnacht 1938 zerstört wurde.

Oppenheimer kam vorübergehend in „Schutzhaft“. Seine Frau und er mussten die Pässe abgeben, verpassten so die Emigration nach Holland. 1939 mussten sie in eines der 80 Essener „Judenhäuser“, wurden im Herbst 1941 ins Ghetto Litzmannstadt/Lodz deportiert. Im 55 km entfernt liegenden Todeslager Chelmno/Kulmhof wurden sie im Mai 1942 ermordet.

Beiden Oppenheimer-Kindern gelang die Flucht

Beiden Kindern der Eheleute Oppenheimer gelang 1938 die Flucht aus Nazi-Deutschland. Sohn Walter, Jahrgang 1911, lebte und arbeitete vor 1933 in Bremen, kehrte aber infolge des Naziterrors 1933 nach Gladbeck zurück und zog mit der Familie nach Essen. Von dort emigrierte er 1938 in die Niederlande und von dort wiederum 1940 in die USA. Er lebte nach Recherchen von Heimatforscher Samen bis 1978.

Oppenheimer-Tochter Grete, Jahrgang 1913, bestand 1933 die Aufnahmeprüfung zur Folkwang-Schule in Essen (sie wollte Musiklehrerin werden), wurde aber „aus rassischen Gründen“ letztlich nicht zugelassen. Bis zur Eheschließung 1938 mit Max Callmann aus Herten (ein ehemaliger Althoff-/Karstadt-Kollege ihres Vaters) wohnte sie bei den Eltern.

Nach der Pogromnacht floh das Ehepaar Callmann von Essen aus nach Brasilien, wo es zunächst in Rio de Janeiro lebte. Deren Tochter Susanne Caspary, eine inzwischen Mittsiebzigerin, wurde in Sao Paulo geboren und wird nun Ende des Monats erstmals nach Deutschland, in das Land ihrer Eltern und Großeltern, reisen und so auch nach Essen zur Verlegung der neuen „Stolpersteine“ kommen.