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26. Jazzival

Jazziges Wohlgefühl

13.06.2010 | 17:40 Uhr
Jazziges Wohlgefühl
Die Jungs vom Jazzbandball Orchestra Krakau am Samstag beim Jazzival in der Maschinenhalle.l

Gladbeck Mögen Fußballfans Jazz? Oder umgekehrt gefragt: Sind Jazzfreunde auch Fußballfans? Vermutlich einige.

Denn die haben sich am Samstag Abend wohl für die dröhnenden Vuvuzelas und den WM-Fußball und damit gegen die Musik entschieden, was dem 26. Jazzival deutlich weniger Besucher bescherte. Immerhin 400 bis 500 treue Fans machten sich aber auf den Weg zur Maschinenhalle Zweckel, um ein „Jazzfest“ der besonderen Art mit zu erleben, wie Jazzclub-Vorsitzender Wolfgang Röken es bei der Begrüßung versprach. Eine musikalische Zeitreise von den Golden Twenties bis in die heutige Zeit und dazu noch mit einem Abstecher in den Orient ging in der alt ehrwürdigen Industriehalle über die Bühne - und traf beim Publikum auf Zustimmung.

Vor allem die Klassiker und klassische Jazzbands wie die Bourbon Street Stompers aus Essen kamen gut an. Für die gefühlvollen Songs und Töne im Repertoire sorgte Sängerin Betty Behrendt mit starker Stimme und individueller Interpretation. „Somewhere over the rainbow“ und „All over me“ wärmte die Herzen und zauberte sogar einen Hauch von Romantik in die von abendlichem Sonnenlicht geflutete Halle.

Überhaupt waren es bei diesem Jazzival die Sängerinnen, die der Musik die besondere Würze verliehen. So beeindruckte auch die Afrikanerin Caroline Mhlanga später am Abend mit Stimme und Gesang gemeinsam mit dem Jazzbandball Orchestra Krakau aus Polen, das den Swing der 40 bis 60er Jahre in allen Formen präsentierte. Da hatte das Publikum schon längst jazziges Wohlgefühl entwickelt, wippte, swingte und klatschte mit. Und spätestens da hatte sich zum Teil auch das vertraut-familiäre Jazzival-Gefühl entwickelt, das das Besondere dieses Festivals über Jahre ausgemacht hat: Man trifft sich am Bratwurststand oder der Biertheke, feiert ein Wiedersehen mit alten Bekannten und diskutiert die aktuelle Politik am Stehtisch. Allerdings: Das spezielle Open-Air-Wittringen-Ambiente mit den zwei Bühnen draußen und dem Gildensaal, das zum Hin- und Herflanieren reizt, kann die trutzige Maschinenhalle nicht bieten. Industrieschloss ist eben nicht Schlosshof.

„Dafür sind wir hier wetter unabhängig“, nennt Röken einen Grund für den vollzogenen Standortwechsel, den der Jazzclub nach dem Jubiläumsfest zum 25. Bestehen im letzten Jahr so beschlossen hat. Und die Zweckeler „Kathedrale der Arbeit“, Spielort für die Ruhrtriennale, passe gerade im Kulturhauptstadtjahr gut ins Jazzival-Konzept.

So gut, dass der Jazzclub den Programmbogen diesmal bis nach Istanbul spannte, der „zweiten“ Kulturhauptstadt 2010, und erstmals in der Geschichte des Jazzivals ein Bandprojekt mit türkischen und deutschen Musikern verpflichtete. Und das Jazzival-Publikum bekam mit Tan, was übersetzt Morgendämmerung heißt, schon einen kleinen Vorgeschmack auf mögliche künftige Veränderungen dieses Festivals, nicht nur in musikalischer Hinsicht. „Wir werden wohl einiges anders machen, vielleicht auch das Konzept des Jazzivals etwas verändern“, kündigte Wolfgang Röken mit Blick auf schwindende Besucherzahlen an.

Maria Lüning-Heyenrath



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