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Jäger zielen auf Verständigung

10.11.2011 | 14:55 Uhr
Jäger zielen auf Verständigung
Arbeitet seit vielen Jahren für ein besseres Image der Jägerschaft: Gerd Tersluisen beim Spaziergang durch Wald und Flur mit Grundschülern aus Rentfort. Foto: Tim Deffte / Archiv

Gladbeck.   Im Ruhrgebiet protestieren Bürger gegen die Jagd an städtischen Teichen, die teils mit „Überpopulation“ begründet wird. Jäger und Bevölkerung - ein sensibles Thema. Wie sieht die Situation in Gladbeck aus?

Seit Ende Oktober geht der Protest gegen die Jäger vielerorts im Ruhrgebiet um. In Oberhausen etwa, wo Bürger gegen die Jagd auf Enten, Gänse oder Blesshühner an städtischen Teichen protestieren.

Auch in Gladbeck spielte das Thema in vergangenen Jahrzehnten schon einmal eine beträchtliche Rolle: In den 70-er und auch noch in den 80-er Jahren wurde etwa in Wittringen hochherrschaftlich gejagt. Ja, tatsächlich: Lokale Prominenz aus Politik und Wirtschaft streifte mit der Flinte durch den Stadtwald, was völlig legal und rechtlich abgesegnet war, aber damals zu erheblichen Protesten von Spaziergängern und Freizeitsportlern führte. Diese jagdlichen Aktivitäten an den Wittringer Teichen wurde daraufhin komplett eingestellt.

Gerd Tersluisen vom Hegering Gladbeck erinnert sich im WAZ-Gespräch noch gut an jene besondere Ära und auch an die heftigen, oftmals überaus erbittert geführten Auseinandersetzungen dazu.

Mittlerweile haben sich die Zeiten auch im lokalen Umfeld deutlich geändert: Gerd Tersluisen etwa und seine Mitstreiter vom Hegering bemühen sich gezielt und konkret darum, das lokale Image der Jägerschaft weiter zu verbessern. Und obwohl es möglich wäre, verzichtet die Jägerschaft auf die Jagd an den Wittringer Teichen. Es soll erst gar nicht zu Protesten von Spaziergängern und Freizeitsportlern kommen.

KOMMENTAR
Andere (Jagd-)Zeiten, zum Glück!

Die Zeiten haben sich zum Glück geändert:
Dass Jäger im Wittringer Wald auf die Pirsch gehen und zwischen den Früh-Joggern auf der Marathonbahn nach Wild Ausschau halten - das ist heutzutage - anders als noch in den frühen 80-er Jahren - undenkbar.

Der Hegering setzt auf Verständigung mit der Bevölkerung - Nutzungs-Konflikte in den vier Jagdbezirken sollen möglichst vermieden werden. Und wenn es doch mal zum Konflikt kommen sollte, kann man - anders als vielleicht früher - offen miteinander reden. mb

Jäger und Jagd - auch in Gladbeck gibt es sie aber: Es existieren vier Jagdbezirke in den grünen, landwirtschaftlich genutzten Bereichen von Ellinghorst und Rentfort, von Zweckel und Brauck, die derzeit von Gladbeckern gepachtet sind und in denen die Grünröcke vor allem frühmorgens - unter Beachtung der entsprechenden Schutz- und Schonzeiten - auf die Pirsch gehen. Zu Protesten kam es hier in jüngerer Vergangenheit nicht, da es in diesen Bereichen zu dieser frühen Stunde in der Regel zu keinerlei Konflikten mit anderen Nutzern kommt.

Anders als früher gibt es zudem auf den Gladbecker Friedhöfen auch keine Jagd-Einsätze mehr auf Kaninchen - die Friedhöfe gelten jetzt als befriedete Bezirke.

Gerd Tersluisen und die Gladbecker Hegering-Aktiven starten zudem seit vielen Jahren Aktivitäten wie die Waldjugendspiele für Grundschüler oder auch die jährlichen Schüler-Exkursionen durch Wald und Flur in Rentfort. Sie wollen auf diese Weise Verständnis für Tiere und Umwelt wecken - und für ihre Position, dass eine fachgerechte Jagd, die die Schutzbestimmungen strikt achtet, letztlich auch Tieren und Umwelt zugute kommt.

Michael Bresgott

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