Interkulturelles Abendbrot in der Synagoge

Eigentlich trifft sich die interkulturelle Frauengruppe alle drei Monate an einem Samstag, jeweils an einem anderen Ort, zum Frühstück. Doch weil das unvereinbar war mit dem jüdischen Schabbat und einem Besuch der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen, luden die Organisatorinnen Hülya Haack-Yol und Müzeyyen Dreessen kurzerhand zu einem Abendbrot an einem Wochentag in die Synagoge ein. Die Gruppe erhielt dabei einen interessanten Einblick in das jüdische Leben, die Festtage und die zahlreichreichen Vorschriften, die den Alltag eines gläubigen Juden regeln. Letztere spielten auch bei der Zubereitung der Mahlzeit eine Rolle: Der Rabbi überprüfte alle gekauften Lebensmittel, ob sie den „Kaschrut-Regeln“ entsprachen, also koscher waren.

Von der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Judith Neuwald-Tasbach, erfuhren die Frauen darüber hinaus, dass es eine strikte Trennung von Milchprodukten und Fleischgerichten gebe, die auch für Töpfe, Teller, Bestecke usw. gilt. Hülya Haack-Yol stellte eine Gemeinsamkeit zwischen Muslimen und Juden fest: „Beide Religionsgruppen dürfen keine Produkte vom Schwein essen.“

Besondere Erinnerungen weckte der Besuch bei der ehemaligen Appeltatenmajestät Doris Lowitzki. Geboren einen Tag vor der Reichspogromnacht (1938) konnte ihre Familie in dem Geschäft, wo sie regelmäßig einkaufte, für sie kein Kinderbett mehr bekommen, erinnerte sie sich. Denn der Vater von Judith Neuwald-Tasbach, Kurt Neuwald, war Mitinhaber dieses einzigen Betten-Spezialgeschäftes in Gelsenkirchen. In der Nacht war sein Geschäft massiv von den Nazis verwüstet worden und musste geschlossen werden.

Das nächste Treffen plant die interkulturelle Frauengruppe am 3. Juli in der großen Merkez Moschee in Duisburg. Der Besuch findet in der Fastenzeit der Muslime (Ramadan vom 18. Juni bis 16. Juli )statt.