Intelligente Sicherheitsmaßnahmen können Raddiebe stoppen

Ein Fahrrad sollte mit einem massiven Schloss an einem festen Gegenstand, zum Beispiel ein Geländer, abgestellt werden.
Ein Fahrrad sollte mit einem massiven Schloss an einem festen Gegenstand, zum Beispiel ein Geländer, abgestellt werden.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Polizei gibt Gladbeckern Ratschläge, wie sich Drahtesel-Besitzer im Kampf gegen Langfinger rüsten können. Ein massives Schloss ist sein Geld wert.

Gladbeck..  277 Fahrraddiebstähle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr auf Gladbecker Boden – deutlich weniger als im Jahr 2013 mit 413 Fällen. Und vor drei Jahren hatten Drahtesel-Besitzer sogar 435 mal das Nachsehen, als Langfinger sich auf fremden Eigentum aus dem Staub machten. Mit der sinkenden Tendenz liegt Gladbeck im Trend, denn auch im Kreis Recklinghausen und in Bottrop sanken die Fallzahlen: 4314 Velos wurden dort im Jahr 2014 gestohlen, im Vorjahr waren es noch 4477 Räder.

Worauf diese Talfahrt der Fahrraddiebstähle gerade in Gladbeck zurückzuführen ist? Eine simple Erklärung kann Michael Franz, Sprecher der Polizeibehörde Recklinghausen, nicht geben. Sicher, Diebstahl-Serien in manchen Jahren lassen die Angaben in der Statistik hochschnellen; wenn Täter eine Stadt verschonen, brechen die Fallzahlen ein. Aber vielleicht haben ja auch die Präventionstipps der Polizei potenzielle Täter gebremst.

An belebten, beleuchteten Stellen „parken“

Tipps wie dieser: Hochwertige Fahrradschlösser können Langfingern das Handwerk legen. „Selbstredend“ haben massive Schlösser ihren Preis. Doch sie seien ihr Geld wert, weil sie nicht im Handumdrehen geknackt werden können. Der Polizeisprecher erläutert: „Wenn Täter mit Aufwand ein Schloss aufbrechen müssen, bedeutet das, dass sie Zeit aufwenden müssen.“ Außerdem seien sie dann oftmals gezwungen, offen – unter den Augen von Passanten – zu agieren. Und welcher Dieb will schon vor Publikum aktiv werden? Deswegen rät die Polizei auch, Stahlrösser an belebten und beleuchteten Stellen zu parken – und nicht in uneinsehbaren, dunklen Ecken.

Verdächtige Beobachtungen melden

Diejenigen, die die Augen offen halten, können helfen, einen Diebstahl zu vereiteln. Michael Franz appelliert: „Wer verdächtige Beobachtungen macht, wie sich jemand an einem Fahrrad zu schaffen macht, sollte sofort die 110 anrufen und die Polizei verständigen.“

Allerdings nutzt das modernste und teuerste Schloss nichts, wenn das Gefährt nicht an einem festen Gegenstand – wie ein Fahrradständer oder ein Geländer – befestigt ist: „Dann können Täter es einfach wegtragen.“ Mehrere Drahtesel zusammenzuschließen, sei ebenfalls zu empfehlen – beispielsweise bei einer Gruppenfahrt.

Alle Daten notieren

Aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sollten sich Velo-Besitzer für den Fall der Fälle rüsten, wenn es trotz aller Vorkehrungen zum Diebstahl kommt. Eine seit Jahren bewährte Waffe: der Fahrradpass. Dieser wird von der örtlichen Polizei oder vom Fahrradhändler beim Kauf ausgestellt. Aufgeführt sind die individuelle Rahmennummer, Details und Besonderheiten des Drahtesels. Eine unverwechselbare Kennzeichnung ist ratsam. Ein bunter Anstrich genügt dafür allerdings nicht.

„Finger weg - mein rad ist codiert!“

Nicht zu vergessen die Codierung: Eine Graviermaschine oder ein spezieller Aufkleber mit einer verschlüsselten Ziffern- und Buchstabenfolge machen das Fahrrad identifizierbar. So können Polizei oder Fundbüro das Gefährt einem Besitzer zuordnen. „Und zwar ganz genau, nicht das baugleiche Modell von Herrn Müller, Meier, Schulze“, stellt Michael Franz klar. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme mit abschreckender Wirkung auf Diebe: der Aufkleber „Finger weg – Mein Rad ist codiert!“. Polizeisprecher Michael Franz unterstreicht: „Wichtig ist aber auch, dass sich der Besitzer alle Daten notiert.“ Und wenn im Falle eines Diebstahls ein Foto der Beute zur Hand ist – umso besser. All diese Kennzeichen erhöhen die Chance, sein gestohlenes Fahrrad wieder zu bekommen, sollte es gefunden werden.

Kleine Aufwand, große Wirkung

Fachhändler aber auch der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) geben Velo-Eigentümern Auskunft, wo sie ihre Fahrräder codieren lassen können. Kosten: in der Regel bis zu 15 Euro. In zehn bis 15 Minuten haben Fachleute dem Drahtesel seine individuelle Markierung verpasst.

In Gladbeck bietet unter anderem die Radstation am Bahnhof West (Hansemannstraße 10 20 41 53) Fahrrad-Codierungen an. Diese Kennzeichnung auf dem Rahmen verrät, wer der Eigentümer eines Drahtesels ist. Das macht einerseits die Zuordnung eines Rades zum Besitzer zweifelsfrei möglich. Andererseits erschwert die individuelle Zahlen- und Buchstabenfolge es Dieben aber auch, ihre Beute weiter zu verkaufen.

Wer sein Velo codieren lassen möchte, sollte einen Eigentumsnachweis – beispielsweise einen Kaufvertrag – mitbringen. Achtung: Ein Kassenbon reicht nicht. Außerdem müssen Drahtesel-Besitzer einen Personalausweis oder Reisepass mitbringen. Wer sein codiertes Fahrrad verkaufen möchte, sollte mit dem zukünftigen Eigentümer einen schriftlichen Kaufvertrag abschließen und ihm die Codierpapiere übergeben. Eine neue Codierung ist möglich.