Integrationsrat in Gladbeck attackiert CDU in Abwesenheit

Der Integrationsrat  - hier bei der konstituierenden Sitzung im August 2014, beschäftigte sich am Freitag kritisch mit dem offenen Brief von CDU-Ratsfrau
Der Integrationsrat - hier bei der konstituierenden Sitzung im August 2014, beschäftigte sich am Freitag kritisch mit dem offenen Brief von CDU-Ratsfrau
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Integrationsrat hat die CDU attackiert und ihr eine „dramatische Schädigung“ des Gremiums vorgeworfen. CDU-Politiker verließen zuvor den Ratssaal.

Gladbeck..  Der Integrationsrat (IR) hat am Freitagabend die CDU-Ratsfraktion, insbesondere CDU-Ratsfrau Ilona Mikolajczyk, in Abwesenheit heftig kritisiert und ihnen eine „schwere Beschädigung“ des IR und seiner Arbeit vorgeworfen.

Anlass für die kritische Diskussion im Gremium war der offene Brief Mikolajczyks gewesen, in dem die Politikerin, die auch IR-Mitglied ist, dem IR-Vorsitzenden Bahtiyar Ünlütürk geschrieben hatte, der IR beschäftige sich zu wenig mit Problemen, die sich im Zusammenleben von Menschen verschiedener kultureller Herkunft ergeben, wie etwa der Muezzinruf oder das Ramazanfest (WAZ vom 29. April). Stattdessen würden im IR Themen vorgestellt, die in anderen Ausschüssen bereits behandelt worden seien.

Das seien „ungeheuerliche Aussagen zur Arbeit“ des IR, so Ünlütürk, der sich bereits in einem öffentlichen Schreiben entrüstet geäußert hatte (WAZ vom 2. Mai). Er sei außerordentlich enttäuscht, sagte er und legte mit Hilfe der Verwaltung eine Liste vor von Themen, mit denen sich der IR in der Vergangenheit beschäftigt hat. Dreiviertel seien eigenständige Themen, assistierte Sozialdezernent Rainer Weichelt, der von einer „nie erlebten dramatischen Schädigung eines Organs“ durch die CDU sprach.

Auch SPD-Vertreter attackierten die CDU, sprachen von einer „Speerspitze, mit der die IR-Arbeit torpediert“ werde, nur, um auf sich aufmerksam zu machen. Die CDU-Äußerung zeige, wie sie zum IR stehe und welche Auffassung sie von Integration habe. Auch IR-Mitglieder mit Migrationshintergrund waren enttäuscht von der CDU, weder das Ramazanfest noch der Muezzinruf seien Themen, die in den IR gehörten.

Die CDU war im Vorfeld und auch zu Beginn der Sitzung mit ihrer Bitte gescheitert, das von Ünlütürk per Dringlichkeit auf die Tagesordnung gesetzte Thema wieder abzusetzen und beim nächsten Termin zu behandeln. Grund: Ratsfrau Mikolajczyk war aus wichtigem Grund verhindert. So verließen die CDU-Vertreter, wie zu Sitzungsbeginn angekündigt, bei Aufrufen des Themas unter Protest den Ratssaal.