Ineos Phenol: Nichts ist sicherer als Pipelines

Vogelperspektive auf die Produktionsanlage: Ineos Phenol fuhr 2014 mit seinem Werk an der Dechenstraße ein „ordentliches Ergebnis“ ein, bilanziert das Unternehmen.
Vogelperspektive auf die Produktionsanlage: Ineos Phenol fuhr 2014 mit seinem Werk an der Dechenstraße ein „ordentliches Ergebnis“ ein, bilanziert das Unternehmen.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Sämtliche Ausgangsstoffe zur Produktion kommen per Rohrleitungen ins Zweckeler Werk.Eigene Kunden werden per Schiene und Lkw versorgt.

Gladbeck..  Pipelines bleiben für die Ineos Phenol GmbH der beste Transportweg für chemische Produkte. „Das ist und bleibt das Sicherste, was es gibt“, betont Geschäftsführer Joachim Pieper, gleichzeitig Werkleiter der Phenol-Anlagen in Zweckel, angesichts der Manipulation der BP-Pipeline in Ellinghorst (WAZ berichtete). Dieser Sabotageakt, so Pieper, sei „hochgradig kriminell“ gewesen, was aber nicht grundsätzlich die Sicherheit von Pipelines in Frage stelle. „Wenn jemand kriminell rangeht, ist man nie geschützt.“

Ineos Phenol bekommt sein Ausgangsprodukt Cumol komplett per Pipelines aus Scholven und Marl angeliefert. Ein Umstellen auf Lkw-Anlieferung sei undenkbar und niemals sicherer, so Pieper. Mindestens 100 zusätzliche Lkw pro Tag wären nötig, und das an 365 Tagen im Jahr. Und die Gefahr von Unfällen wäre wesentlich größer. „Wer will das?“, fragt der Werkleiter. Der Pipeline-Betrieb würde ständig kontrolliert: „Was vorn hineingeht, muss hinten wieder herauskommen.“ Sollten dennoch Lecks auftreten, fielen diese schnell auf. Wichtig sei dabei die soziale Kontrolle, so Pieper. „Bürger sollten Unregelmäßigkeiten sofort melden.“

Eine der beiden Ineos-Pipelines (die nach Marl) sei erst vor einigen Jahren generalüberholt und in Teilen erneuert worden, berichtet Pieper. Dabei sei auch die Kapazität von 260 000 auf 500 000 Tonnen annähernd verdoppelt worden. Das gebe Produktionssicherheit, so der Werkleiter, da zusätzliche Cumolmengen nun über die Pipeline verpumpt werden, die per Schiff im Kanalhafen Marl gelöscht werden. „Durch diese logistische Infrastruktur wurde der Standort Gladbeck übrigens an die internationalen Wasserwege angeschlossen.“

Kunden im Umkreis von 400 Kilometern

Der Vertrieb der eigenen Produkte Phenol und Aceton über Pipelines würde aber nur

Sinn machen, wenn die Kunden in der Nähe ansässig und Großabnehmer wären. Ineos Phenol verkaufe zwar 75 Prozent seiner Produktion an nur zehn Kunden, allerdings in einem Umkreis von 400 Kilometer. Dazu kämen etliche kleinere Kunden, teils auch noch weiter entfernt. „Das geht alles nur per Zug und Lkw.“ 60 Prozent der Produktion werde aus Zweckel per Schiene vertrieben, der Rest per Lkw. „Wir versuchen aber, noch mehr auf die Schiene zu bekommen, tendenziell haben wir da auch leichten Zuwachs.“

Beim Thema Schiene verweist der Werkleiter auf zwei Veränderungen: Ineos wird das Gleis, das das Werk mit Bahnhof West verbindet, von der RAG, die sich von vielen ihrer Bahnanlagen trennt, übernehmen. Man sei sich einig, die Verträge würden bald unterschrieben, so Pieper. Mit der Dortmunder Eisenbahn hat Ineos auch einen neuen Dienstleister, der die Züge „rein- und rausfährt“ und damit RBH ablöst. Ab Bahnhof West, auf öffentlichem Schienenwegen, übernehmen andere Dienstleister den Weitertransport bis zu den Kunden, u.a. die DB. Der dortige Lokführerstreit bereitet Ineos – wie berichtet – aktuell erhebliche Probleme.

Werk mit Jahresbilanz zufrieden

Die Geschäfte liefen im vergangenen Jahr 2014 „ganz ordentlich“, so Ineos-Geschäftsführer Joachim Pieper, auch wenn es in den letzten Monaten des Jahres zu einer Abschwächung kam. Spürbar wurde, dass Lieferungen nach Übersee wegfielen. Zur Zeit produziert das Werk an der Dechenstraße nicht ganz in Vollauslastung. „Wir merken aber, dass die Nachfrage nun wieder anzieht.“ Auch, weil es leichte Zuwächse in der EU gibt. Generell sei der Hunger der Welt nach Phenol nach wie vor ungebrochen. „Der Bedarf steigt weiter.“

280 Beschäftigte in Zweckel

Ineos betont, dass die Produktion in Gladbeck gesichert und das Werk „absolut wettbewerbsfähig“ sei und bleibe. Dazu trügen auch Investitionen in Millionenhöhe bei. Zuletzt sei die Kolonne 7 für 1,3 Mio € ersetzt worden. In einem Zehn-Jahres-Programm wende man jährlich je 1 Mio € für die Erneuerung der Elektroversorgung auf, „was auch zur Werkssicherheit beiträgt.“ Derzeit beschäftigt Ineos Gladbeck 280 Mitarbeiter, dazu kommen rd. 50 Kräfte von Partnerfirmen.