In Gladbecks Satddteil Zweckel gab der Staat den Zechenbaron

Eine Ansicht der Zeche Zweckel um 1930 mit den Fördertürmen, der heute noch erhaltenen Maschinenhalle (r.) und dem markanten Wasserturm (l.)
Eine Ansicht der Zeche Zweckel um 1930 mit den Fördertürmen, der heute noch erhaltenen Maschinenhalle (r.) und dem markanten Wasserturm (l.)
Was wir bereits wissen
1908 begann das Abteufen des Zweckeler Pütts, 1911 wurde die erste Kohle gefördert. 1929 kam der Verbund mit Zweckel, 1963 das endgültige Aus.

Gladbeck..  Ursprünglich hieß es Potsdam, Gladbecks fünftes Bergwerk – die spätere Zeche Zweckel. Erste Bohrungen im grünen und gänzlich ländlichen Zweckel waren bereits Anfang der 1870er Jahre vielversprechend verlaufen.

Das riesige Steinkohlenfeld, das man zwischen Zweckel und Scholven ausgemacht hatte, wurde zunächst im östlichen Teil dem Essener Grubenverwalter Friedrich Brandenbusch verliehen, der 1875 auch das Bergwerk „Berlin“ (später Zeche Scholven) gründete. In Zweckel erwarb die Gewerkschaft „Deutscher Kaiser“ aus Hamborn 1896 die Rechte für die dortigen Steinkohlenfelder.

Noch bevor mit dem Abteufen der späteren Doppelschachtanlage in Zweckel begonnen wurde, erfolgte die Konsolidierung mit dem benachbarten Grubenfeld in Scholven. Und im März 1902 erwarb der preußische Staat – neben anderen – die zusammengeführten Grubenfelder und stellte sie unter eine einheitliche Leitung mit der Bezeichnung „Berginspektion 5“.

Das dazu gehörige, repräsentative Verwaltungsgebäude sollte später an der Feldhauser Straße entstehen. Rechtlich gingen das neue, große Grubenfeld an die mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Bergwerks-Aktiengesellschaft Recklinghausen, die von der Hibernia AG geleitet wurde, 1927 von ihr schließlich übernommen wurde.

An beiden Standorten begann man schließlich 1908 mit dem Niederbringen der Schächte: „Potsdam“ in Zweckel, „Berlin“ in Scholven. 36 Beschäftigte sind im ersten Zweckeler Anlegebuch von 1908 genannt, die beim ersten Spatenstich für den Zweckeler Pütt am 1. Juli 1908 auf einem Roggenfeld des Hofes Mertmann dabei waren. Die Zweckeler, die Bier vom Hof Niermann besorgten, feierten das Niederbringen der Schächte als Einzug des Fortschritts, wie in der Gladbecker Zeitung zu lesen war. Selbst Salutschüsse waren zu hören. Nur wenige Wochen später, etwa 100 Meter weiter nördlich, wurde mit dem Abteufen von Schacht 2 begonnen.

Um die Schachtanlage entstanden schnell Kesselhaus, Waschkaue und Füllörter. In Scholven wurde parallel die Schwesterschachtanlage gebaut. In 378 Metern Teufe erreichten die Zweckel-Pioniere im September 1909 das Steinkohlen-Deckgebirge. Im Januar 1910 waren bereits 558 Meter Teufe erreicht. Im gleichen Jahr erfolgte die Umbenennung der beiden Schachtanlagen in Zweckel und Scholven. Und 1911 wurde die erste Kohle - 218 t - aus der Zweckeler Grube gefördert.

Ohne Probleme ging auch das Abteufen in Zweckel nicht über die Bühne: 1912 gab es einen Wassereinbruch, die Schächte soffen ab – Pumpen für die Wasserhaltung waren ausgefallen. Eine Besonderheit in Zweckel war, dass beim Abteufen zwei Solequellen entdeckt wurden. „Emmyshall“, 1911 gefunden, wurde erschlossen und gefördert. Bis in die 50er Jahre stand am Zecheneingang ein Solbad, das vor allem der Gesundheitsfürsorge der Kumpel diente.

1963 kam das Aus für die Verbundanlage Zweckel/Scholven

1912 förderten 448 Kumpel 21 571 Tonnen Kohle, ein Jahr später waren auf Zweckel schon 771 Arbeiter und Angestellte tätig, die 97 731 Tonnen „Schwarzes Gold“ förderten. Im gleichen Jahr entstand die Kokerei auf dem Zechengelände.

„Die Zeche entwickelt sich vielversprechend“, hieß es damals. Es wurde viel investiert: Zechen- und Pförtnerhaus, Solbad, Zentralmaschinenhalle mit Fördermaschinenhäusern und modernster Thyssen-Technik, Werkstattgebäude, Sieberei und Verladung kamen hinzu.

Zu Kriegsbeginn 1914 waren die Schächte auf 650 Meter abgeteuft. 1918 wurde ein dritte Sohle in Betrieb genommen. 1921 machten 2327 Kumpel 364 000 Tonnen Kohle. Untergebracht waren die Bergleute mit ihren Familien in der Bergmannssiedlung, die man ab 1911 östlich des Pütts gebaut hatte. Für die Zechenbeamten wurden Häuser westlich der Zeche gebaut.

Ein wichtiger Tag in der Geschichte der Zweckeler Schachtanlage war der 28. Oktober 1928: Auf der Hauptrichtstrecke der zweiten Sohle gab es einen Durchschlag zwischen der Zeche Zweckel und dem Schwesterbergwerk Scholven. Damit wurde die Zentralisierung möglich, die beide Schachtanlagen leistungsfähiger machen sollte.

1929 erfolgte folgerichtig die endgültige Zusammenlegung von Zweckel und Scholven, nachdem bis dahin getrennt gefördert und zwischenzeitlich Zweckel auch noch mal selbstständig geführt worden war. Fortan wurde auch die Zweckeler Kohle, die gefragte Flammkohle, auf Scholven zu Tage gefördert. Die Förderung stieg so im Jahr 1930 auf zusammen 947 000 Tonnen, die Belegschaft umfasste insgesamt 3470 Beschäftigte. Bei der letzten getrennten Notierung der Fördermengen lag sie für Zweckel 1928 bei 447 388 Tonnen.

Zweckel war seitdem Seilfahrtsstandort. Als Folge von Kriegsschäden wurde die Förderung 1944 nach Zweckel ausgelagert, erst 1951 ging sie zurück. Über 2000 Belegschaftsmitglieder waren 1953 am Zweckeler Schacht angelegt.

Als 1958 die fünfte Sohle gerade erschlossen war, machten die ersten Gerüchte die Runde, dass die Seilfahrt auf Zweckel eingestellt werde. Doch erst im November 1961 setzte die Zechenbetriebsführung das durch. Gut 1300 Bergleute waren betroffen, mussten nach Scholven. Lange währte aber auch das nicht: 1962 beschloss die Hibernia, die Verbundzeche Zweckel/Scholven am 1. März 1963 stillzulegen – als eine der ersten Pütts im Revier.