In der neuen „Umweltgewerkschaft“ steckt viel MLPD

Fracking ist eins der Reizthemen, mit denen die neue „Umweltgewerkschaft“ punkten will.
Fracking ist eins der Reizthemen, mit denen die neue „Umweltgewerkschaft“ punkten will.
Foto: WR
Neue Gruppierung im Vest hat eine deutliche Nähe zur marxistisch-leninistisch geprägten MLPD. SPD sieht in der Organisation ein Täuschungsmanöver.

Vest. Auch im Kreis Recklinghausen ist die „Umweltgewerkschaft“ auf der Suche nach Unterstützung. „Gemeinsam im Vest gegen die Umweltzerstörung aktiv werden“ ist eine Losung der Gruppierung. Das ist ein hehres Ziel, man muss aber wissen: Da wo „Umweltgewerkschaft“ drauf steht, ist auch MLPD drin.

Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands hat ihren Sitz in Gelsenkirchen und das erklärte Ziel, das kapitalistische System zu überwinden, durch eine „Diktatur des Proletariats“ zu ersetzen. Schon 2012 hat sie sich auf einem Parteitag für die Gründung einer „Umweltgewerkschaft“ begeistert, deren Unterstützung angekündigt. Naturschutz ist ein populäres Thema. Im November 2014 erfolgte die Gründung in Berlin.

Dass unter den Aktivisten und Unterstützern Vertreter der kommunistisch-orthodoxen Partei sind, ist für Ruperth Seth kein Problem. Der 56-Jährige ist „Umweltgewerkschaft“-Unterstützer der ersten Stunde und steht seit Jahren bei der „Montagsdemo gegen Sozialabbau“ auf dem Recklinghäuser Marktplatz Seite an Seite mit MLPD-Kadern. „Wir sind für alle offen, jeder darf mitmachen. CDU, SPD, natürlich auch Marxisten-Leninisten.“ Was will die „Umweltgewerkschaft“? Eine Vorfeldorganisation der MLPD sei sie nicht, sagt Seth, „wir sind nur parteiisch für den Umweltschutz. Wir wollen die Stimme der Umwelt sein, im Verbund mit kampferprobten Arbeitern.“

Maren Gottschling, 24, ist Soziologie-Studentin an der Uni Duisburg-Essen und fungiert als Sprecherin der „Umweltgewerkschaft“ im Vest. Erst einmal gehe es darum, sagt sie, einen Gründungsprozess anzuschieben. Und zwar mit den Themen „Fracking“, dem viel kritisierten Gasabbau in tiefen Gesteinsschichten, und der Giftmüllablagerung in Bergwerken oder einem Zurückfahren der Wasserhaltung in RAG-Stollen. Alles Spitzenthemen auch für die „Rote Fahne“, das Presseorgan der MLPD.

An deren Sitz in Gelsenkirchen soll es einen lokalen Ableger der „Umweltgewerkschaft“ geben. Der Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion Gelsenkirchen, Dr. Günter Pruin, sieht nur ein weiteres Täuschungsmanöver der MLPD: „Wer ins Internet geht, findet schnell heraus, wer der Motor hinter den Unterstützern der sogenannten Umweltgewerkschaft ist. Es geht also wieder einmal nicht um die Sache Umweltschutz, sondern darum, den berechtigten Unmut vieler Menschen über die Zerstörung der Natur aufzugreifen und für die eigenen parteipolitischen Ziele zu vereinnahmen. Dies spaltet die bewusst überparteilich angelegte Umweltbewegung und darf auf keinen Fall unterstützt werden.“