Gladbeck

Imposantes Kopfkino per Klick

Fantasy Autor Tom Daut alias Leo Schneider.
Fantasy Autor Tom Daut alias Leo Schneider.
Foto: Michael May/IKZ

Gladbeck. Literaturabende im Stilbruch können richtig schräg sein, sind aber gerade deshalb häufig den neuen Lese-Trends auf der Spur. So auch das „Experiment“, das Veranstalter und Moderator Harry-Michael Liedtke am Rosenmontag-Abend ankündigte: ein „Hörbuch-Live-Abend“ mit Gastautor Tom Daut, der seinen Urban-Fantasy-Roman „Die Sinistra“ vorstellte. Über 30 „Pappnasen-Verweigerer“ erlebten eine Hörstunde der etwas anderen Art.

Denn „Die Sinistra“ ist kein gewöhnlicher Roman, und er ist auch noch nicht fertig. Ganz im Zeichen des Internet-Zeitalters wird das Werk immer nur dann fortgeschrieben, wenn genug Freunde, Fans und Follower auf der eigens angelegten Facebook-Seite auf „Gefällt mir“ klicken. Gezahlt wird mit Begeisterung. Ein System, das funktioniert. Schließlich sind bereits vier Kapitel erschienen, das fünfte ist gerade in Arbeit.

„Ich versuche, mit der Zeit zu gehen“, erklärt Tom Daut. Schließlich sei das Papier-Buch ein „aussterbendes Element“. Daher gibt es „Die Sinistra“ auch nur als E-Book. „In 25 Jahren wird es dem Buch wie einst der Vinylplatte ergehen“, prophezeit Daut.

Zur Handlung: Die Sinistra ist eine Kommandoeinheit, die sich nur von dem Dynasten, dem Alleinherrscher des Sektors Trentagon, zu verantworten hat und dafür sorgt, dass in den dunklen Straßenschluchten des Landes jede Art von Volksverhetzung in Form von Magie oder Religion im Kein erstickt wird. Als Caron Salvador, der junge Sohn des Synasten, der Sinistra beitritt, müssen er und seine Freunde erkennen, dass ein Rivale um die Herrschaft über Trentagon kurz davor steht, seinen Vater zu stürzen. Caron Salavdor stellt sich der Herausforderung und versucht, das Netz der finsteren Machenschaften zu stürzen und somit die Katastrophe in Sinistra zu verhindern.

Wie der Autor selber sein Werk beschreibt? „Ich bediene mich aus allen popkulturellen Mythen, die es gibt.“ Viel wichtiger ist es Tom Daut jedoch, für „Bilder in den Köpfen zu sorgen“. Theatralisch soll es sein. Deswegen liest Daut nicht nur einfach vor, er spielt mit und lebt seine Geschichten. Durch viele Geräusche, verstellte Stimmen, eigens komponierte Musik und Klangmalerei versetzt der Autor das Publikum in seine Fantasy-Welt. Manche Töne und Melodien erinnern an „Star Wars“ oder „Herr der Ringe“. Imposantes Kopfkino unter ganz besonderer Atmosphäre ist das. Das Gesamtpaket stimmt. Da stört auch das Grummeln bei den übrigen Bargästen nicht. Denn das gehört bei einem Kulturabend im Café Stilbruch einfach dazu.

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