Immer der Nase nach
14.02.2012 | 16:03 Uhr 2012-02-14T16:03:00+0100
Gladbeck. 700 Menschen lauschten seinem Vortrag - Kriminalbiologie „live“ sozusagen. Ja, Dr. Mark Benecke ist bereits ein Stammgast in Gladbeck. Auch sein 6. Auftritt überzeugte das Publikum.
Wie rekonstruieren Kriminalisten, was an einem Tatort passiert ist? Dass Forensiker in Schutzanzügen auftreten und sich mit Tätern wilde Verfolgungsjagden liefern, ist leider nur in amerikanischen TV-Krimiserien wie „CSI“ der Fall – der Arbeitsalltag eines Kriminalbiologen sieht anders aus. Das machte Dr. Mark Benecke den rund 700 Besuchern seines Vortrages am Montagabend in der Stadthalle schnell klar.
„Wir Kriminalbiologen gucken uns vor allem die Spuren an, die andere doof und langweilig finden“, so nüchtern beschrieb der Experte für forensische Insektenkunde seine Tätigkeit am Tatort.
Beneckes geschulter Blick fällt zuerst in Winkel und Ecken, die der Laie wohl links liegen ließe: Zum Beispiel in einen Gulli oder auf einen eingetretenen Kaugummi – denn in dem steckt schließlich, dass weiß Spezialist Benecke, „so viel DNA, da könnte man einen Menschen draus klonen.“ Als Kriminalbiologe helfen, Täter zu überführen – nach diesen ersten Schilderungen schien das vielen Zuschauer in der Stadthalle doch kein Traumjob mehr zu sein. Für Benecke, der nach eigener Aussage den ganzen Tag nichts anderes macht, ist es das – schließlich darf er dabei „den ganzen Tag spielen und experimentieren.“
„Wie kommt die Schnur dahin? Ist das Kunst?“
Beneckes Spurensuche begann zunächst einmal in der Gladbecker Innenstadt. Auf der Beamer-Leinwand präsentierte der Kriminalist Fotos, die einen guten Eindruck davon vermittelten, wie er seine Umgebung wahrnimmt:
Vor dem Gladbecker Hallenbad weckte nicht das Tausendfüßler-Kunstwerk sein Interesse, sondern eine Schnur am Boden, bei der sich Benecke die nicht ganz ernst gemeinte Frage aufdrängte: „Wie kommt die dahin? Ist das Kunst?“
Dann ging’s an Eingemachte – am Montag referierte Benecke über Gerüche an Leichen. Anhand echter Kriminalfälle beantwortete der bekannte Kriminalbiologe auf anschauliche Weise Fragen wie „Warum wird der Geruch eines toten Körpers oft als süßlich beschrieben?“ oder „Was sagt uns die Farbe einer Leiche über den Todeszeitpunkt?“. Unverzichtbar fürs Verständnis: Beneckes Fotos, bei deren Betrachtung viele wahrscheinlich froh waren, dass der Kriminalbiologe keine Geruchsproben anbieten konnte. Trotz der notwendigen Erklärung chemischer Details gelang es Benecke, die Zuschauer mit seinem spannenden Vortrag zu fesseln und in seine Spurensuche einzubinden: Die Antwort auf die Frage, wie die Made der Käsefliege ins Knochenmark gelangt, konnte ein Zuschauer tatsächlich beantworten.
Zum bereits sechsten Mal bewies Benecke seinem Gladbecker Publikum, dass er mit seinen Auftritten unterhalten kann: Nach seinem Schlusswort „Der Tod ist nicht das Ende“ wird wohl kaum jemand das Gefühl gehabt haben, gerade einen über zweistündigen wissenschaftlichen Vortrag überstanden zu haben.
Und eine Erkenntnis hat sicherlich jeder Zuschauer mit auf den Heimweg genommen: Bei der Aufklärung von Verbrechen ist die modernste Wärmebildkamera meist nicht das beste Hilfsmittel. Kriminalisten wie Benecke gehen auch öfter mal einfach der Nase nach.
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