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Musikschule

„Ich bin ein Achtel-Indianer“

04.02.2011 | 14:50 Uhr
„Ich bin ein Achtel-Indianer“
Gitarrist Stefan Loos. Foto: Franz Meinert / WAZ FotoPool

Gladbeck.Optisch hat er etwas von einem Alt-Hippie. Auch wenn er dafür eigentlich zu jung ist. Wenn er von Auftritten erzählt, spricht er von „Mucke“, die er mache.

Auch wenn es sich dabei keinesfalls um Rock, sondern um klassische Musik handelt. Und mit seinem schelmischen Lachen nimmt er die Menschen schnell für sich ein.

Stefan Loos ist klassischer Gitarrist, gibt Konzerte und unterrichtet seit 23 Jahren an der Gladbecker Musikschule. Das alles war keineswegs vorprogrammiert. Denn zunächst zog es den Essener an die Düsseldorfer Kunstakademie. Deren Rektor war Beuys damals zwar nicht mehr, sein Geist aber schwebte noch über allem. Und der gefiel dem jungen Studenten, der schon immer einen Hang zum Künstlerischen hatte. „Mathe war mein Ausfallfach“, gesteht er lachend. Und so fuhr er täglich nach Düsseldorf. Jedoch nicht ohne seine Gitarre im Gepäck. „Das war eine herrliche Zeit“, erinnert sich Stefan Loos. „Wenn ein Bild trocknen musste, habe ich mich hingesetzt und Gitarre gespielt. Und alle sagten zu mir, warum studierst du nicht Musik.“ Stefan Loos ging an die Folkwang Hochschule und studierte klassische Konzertgitarre. Bei seinem Abschlusskonzert präsentierte er nicht nur seine Musik, sondern im Vorraum auch seine Bilder im Rahmen einer Ausstellung. „Und alle sagten, warum studierst du nicht Kunst“, schmunzelt der Musiker. Doch fortan blieb er seinem Fach treu, hängte ein zweites Studium der Aufführungspraxis Renaissance und Barock an und wurde selbstständiger Musiker.

Fast immer mit einem Lachen im Gesicht. . .

GITARRENDUO
Konzert-Termine

Regelmäßig steht Stefan Loos mit seinem „Essener Gitarrenduo“ in der Region auf der Bühne. Informationen zu Konzerten und auch zu den zahlreichen CD-Produktionen gibt es auf der Homepage des Musikers, zu erreichen unter essenergitarrenduo.de.

Fast immer hat Stefan Loos ein Lachen im Gesicht. Das sei sein Temperament, sagt er. Und dass er daneben auch starkes Phlegma habe. Beides habe er von seiner Mutter mitbekommen. Die nämlich stamme aus Curaçao, einer früheren niederländischen Kolonie. „Ich bin ein Achtel-Indianer. Man sieht es nur nicht.“

An die Musikschule in Gladbeck kam er zu Studienzeiten 1987. „Durch einen Zufall“, wie er sagt. „Hier gab es die Siebdruckerei Klossek. Und mit der Tochter hatte ich ein Krösken. Ihr Vater kannte jemanden an der Musikschule und vermittelte mir diesen Job.“ Seither ist Loos der Musikschule treu, unterrichtet dort nach wie vor klassische Konzertgitarre. „Das ist mein Phlegma“, lacht er. Ausflüge in die moderne Musik unternimmt er mit seinen Schülern fast nie. „Das Merkmal einer gut komponierten Musik ist das, was wir Polyphonie nennen. Bei der Pop-Musik fehlt die“, erklärt der 50-Jährige, dass bei solch modernen Stücken die Attraktivität der einzelnen Stimmen nicht groß ist. „Das ist den Schülern natürlich schwer zu vermitteln. Aber ich bemühe mich, damit sie den Kern der klassischen Musik entdecken. Das ist für sie weiterführender als eine Melodie von Lady Gaga.“

Von europäischer Salonkultur und karibischen Rhythmen. . .

Seit rund 20 Jahren steht Stefan Loos mit Bernd Steinmann auf der Bühne. Als „Essener Gitarrenduo“ widmen sie sich dem Flamenco, der spanischen Musik überhaupt und auch, das ist der Herkunft der Loos’schen Familie geschuldet, karibischen Kompositionen. „Ich habe Stücke aufgetrieben, die von der Palm-Dynastie, einer großen Musikerfamilie, stammen. Die schickte um 1900 ihre Kinder nach Europa zum Studium. Als sie heimkamen, schrieben sie eine Kombination aus europäischem Salon und karibischen Rhythmen.“

Und dann greift Stefan Loos wieder zur Gitarre, gibt ein Beispiel für diese ungewöhnliche Musik. Erst spielt er die eine, dann die andere Stimme. Um den Rhythmus zu erklären, schlägt er mit beiden Händen auf den Tisch ein. Karibik in Gladbeck. Der Vollblutmusiker ist in seinem Element.

Kira Schmidt

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