Höchste Spielklasse des Humors

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Zum dritten Mal gastierte der Mondpalast mit dem Erfolgsstück Ronaldo & Julia in der Stadthalle. Das Publikum war begeistert.

Gladbeck..  Nur wenige Kilometer liegen zwischen Gladbeck und Wanne-Eickel. Und „Ronaldo & Julia“, die Erfolgskomödie des Mondpalasts, war auch schon zwei Mal in der Mathias-Jakobs-Stadthalle zu sehen. Trotzdem: Einen freien Platz hätte man mit der Lupe suchen müssen, als Prinzipal Christian Stratmann das Publikum am Mittwoch begrüßte.

„Ich mach’ mal die Probe, weil ich in so viele bekannte Gesichter blicke: Wer hat das Stück schon mal gesehen?“ Gut drei Viertel der Hände gingen nach oben. Das nötigte dem begnadeten Animateur Respekt ab. Stratmann stimmte die Zuschauer aufs richtige Klatschen ein: „Wenn Sie mal ganz alleine applaudieren, muss Ihnen das nicht peinlich sein. Dann haben wenigstens Sie die Pointe verstanden.“

Zu Beginn des Stücks gucken sich die Protagonisten (zwei gegnerische Familien – beides Gastwirte, einer Schalker, der andere Borusse – mit ihren Freunden in den jeweiligen Blocks) das Revierderby an. Zu gregorianischem Gesang legen sie sich pantomimisch ins Zeug, schwenken Schals und Fahnen, fiebern mit und sacken enttäuscht zusammen.

Danach beharken sich die schwarz-gelben Fans und die S04-Anhänger rund 90 Minuten plus Nachspielzeit im wunderbaren Ruhrpott-Deutsch. Es streiten sich die Ehepaare. Als sich Ronaldos Mutter (Astrid Breitbach) über fehlende Leidenschaft auslässt, rät ihr Stammgast Lorenz (Axel Walter spielt das Fußball-Orakel herrlich): „Zieh ein schwarzgelbes Nachthemd an.“ (Das sollte wie ein rotes Tuch für den Stier eine gewisse Signalwirkung auf den Gatten haben.) Es funkt zwischen ihren Kindern, obwohl Julia den BVB und Ronaldo (Dominik Brünnig ist der mittlerweile dritte Darsteller) den S04 verehren.

Fußball als Metapher für das Leben, die Liebe und den ganzen Rest. Es wird Disco und Tango (Szenenapplaus für „Julia“ Alma Gildenast, die lässig Spagat macht) getanzt. Nach dem Queen-Kracher „We will rock you“ hauen sich der schwarzgelbe Gulli (Thorsten Eisenkraut) und der Schalker Knappe (Heiko Büscher) nicht etwa die Hucke voll, sondern spielen Schnick-Schnack-Schnuck. Sauberes Tackling.

Spielanalyse: Wie die Mutter aller Derbys kommt „Ronaldo & Julia“ nie aus der Mode. Christian Stratmann unterhält mit seinem Erfolgsstück in der höchsten Spielklasse des Humors. Dass noch Manuel Neuer für Schalke im Tor steht und darüber diskutiert wird, ob Mats Hummels vom Biene-Maja-Club die Fliege zum S04 macht, trägt zum Charme eines Stücks bei, das seit über elf Jahren viele Zuschauer zu Dauerkartenbesitzern zu machen scheint.