Herne kauft Ex-Hertiehaus - kein Modell für Gladbeck

Das Ex-Hertie-Haus an der Bahnhofstraße in Herne steht unter Denkmalschutz. Die Stadt hat es gekauft, um es nun an einen Investor weiter zu veräußern.
Das Ex-Hertie-Haus an der Bahnhofstraße in Herne steht unter Denkmalschutz. Die Stadt hat es gekauft, um es nun an einen Investor weiter zu veräußern.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Gebäude sind nicht vergleichbar: Die Herner Immobilie war für unter eine Mio Euro zu haben, das hiesige Haus wird mit 4,5 Mio Euro bewertet.

Gladbeck..  Für die Gladbecker Problemimmobilie Nummer eins, das leer stehende Ex-Hertie-Haus am Eingang zur City, hat sich auch in 2014 keine Lösung gefunden. In der Stadt Herne dagegen sieht die Situation jetzt anders aus: Dort wurde kurz vor Weihnachten der Kaufvertrag für das marode und seit 2009 leer stehende Ex-Hertiehaus unterzeichnet. Und zwar von der Stadt selbst, beziehungsweise ihrer Tochtergesellschaft SEG (Stadtentwicklungsgesellschaft), die das ehemalige Kaufhaus in der Innenstadt dem Insolvenzverwalter abgekauft hat.

Gladbecker Gebäude höher bewertet

Wäre das nicht auch ein Modell für Gladbeck? Das fragte die WAZ den Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung Peter Breßer-Barnebeck. „Für den Preis würden wir das sicherlich auch machen“, erklärt er spontan. Laut WAZ-Informationen zahlt Herne nämlich nur 800 000 Euro für die mit 1,5 Millionen bewertete Immobilie, die zuvor mehrfach im Rahmen einer Zwangsversteigerung angeboten wurde, da allein die Stadt Herne nicht gezahlte Grundbesitzabgaben in einer Höhe von 400 000 Euro geltend macht. Diese Summe wird nun von der Kaufsumme abgezogen, so dass sich der Kauf umso mehr rechnet.

Amtsgericht

Doch die Situation des Gladbecker Ex-Hertie-Hauses sei damit nicht vergleichbar, verdeutlicht Breßer-Barnebeck. Während das Gebäude in Herne zwar denkmalgeschützt, aber äußerst marode ist, wird das Gladbecker Ex-Hertie-Gebäude von Gutachtern in seiner Substanz als wesentlich besser eingeschätzt. Die Immobilie samt Grundstück wird mit 4,5 Millionen Euro bewertet. „Bei uns hat nicht nur das Grundstück einen hohen Wert, sondern auch das Gebäude noch einen größeren Restwert als die Herner Immobilie“, erklärt Breßer-Barnebeck. Eben diese vergleichsweise hohe Summe verhindert nicht nur einen Kauf von seiten der Stadt, die im Haushaltssicherungskonzept keine Mittel freimachen könnte, sondern seit Jahren auch einen Verkauf an einen Investor. Die Gladbecker Immobilie in 1A Lage ist ja nicht uninteressant. Laut städtischer Wirtschaftsförderung melden sich häufiger ernsthafte Interessenten bei der Stadt, der hohe Kaufpreis allerdings blockiert bislang eine positive Entwicklung.

Die Herner Stadtentwicklungsgesellschaft will das Haus übrigens nicht behalten, sondern will es an einen Investor verkaufen, der mit mit einem Neubau (sofern der Denkmalschutz keinen Strich durch die Rechnung macht) der Innenstadt neuen Schwung gibt. Erste Interessenten gebe es, verkündet die Herner Wirtschaftsförderung.