Handwerk stuft nahendes Zechenende als Bedrohung ein

Das Handwerk im Kreis Recklinghausen hat sich auch in konjunkturell schwierigen Zeiten als robust erwiesen. Doch die Deindustrialisierung des nördlichen Ruhrgebiets wird in der Branche zunehmend als Bedrohung eingestuft.

450 arbeitslose Opelaner aus dem Kreis Recklinghausen, mehr als 2000 wegbrechende Arbeitsplätze auf dem Bergwerk Auguste Victoria (AV) sowie der Abbau von Kraftwerkskapazitäten sind Beispiele für die dramatische Lage im Vest. „Die Schwäche der Industrie macht sich in allen Wirtschaftsbereichen bemerkbar“, sagt Martin Prüsener, Verwaltungsleiter der Kreishandwerkerschaft Recklinghausen. Nach einer RWI-Studie verschwinden mit jedem Industriejob 1,3 weitere Arbeitsplätze in nachgelagerten Branchen. Der Bergbau hat in den letzten Jahren allein im Kreis jährlich Aufträge im Wert von 150 Mio. Euro vergeben. Über 6500 DSK-Beschäftigte haben ihren Wohnsitz im Kreis aus deren Verdienst rund 150 Mio. Euro in den Konsum fließen. Diese Kaufkraft, so Prüsener, werde verloren gehen, wenn es der Region nicht gelinge, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Deswegen stehe das Handwerk auch zum in Datteln geplanten Industriegebiet Newpark.

Nach Angaben von Landrat Cay Süberkrüb (SPD) fehlen dem Kreis heute bereits bis 40 000 Arbeitsplätze. Eine Konsequenz aus der wirtschaftlichen Schwäche und der dadurch hoch verschuldeten kommunalen Haushalte seien Spitzensätze bei Steuern und Abgaben, die den Kreis für Bürger und für Unternehmen unattraktiver machen. Das Handwerk selbst bekenne sich zum Standort. Prüsener: „Die Innungen haben zuletzt mehr als 6 Mio. Euro in die Modernisierung ihrer Ausbildungswerkstätten investiert.“