Handlungsreisender in Sachen Humor

Hennes Bender kommt.
Hennes Bender kommt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Hennes Bender gastiert mit seinem aktuellen Programm Klein/Laut in der Stadtbibliothek. Er will dort richtig vom Leder ziehen.

Gladbeck..  „Waaas? Waaas wollen Sie von mir?“ Dann glucksendes Lachen. Ein Scherz. Comedian Hennes Bender spielt nicht nur auf der Bühne, auch am Telefon. Natürlich weiß er, dass die WAZ anruft, hat sich dafür extra Zeit genommen ist wie vereinbart bereit fürs Gespräch und bestens drauf. kein Wunder, der Mann nimmt den Anruf von Gerhard Römhild zu Hause entgegen.

Comedy-Hobbit – wer hat Ihnen denn diesen schrillen Namen gegeben?

Oh Gott, das bietet sich irgendwie an bei mir, wenn man mich anguckt. Denn da sehe ich doch so aus, als hätte ich die Rolle in den Hobbit-Filmen durchaus auch spielen können. Und zwar ohne Perücke, einfach so. Es ist auch ein bisschen mein Naturell. Mein lieber Kollege Tobias Mann nennt mich im Programm auch mal einen Hobbit auf Speed. Das ist immer ein Lacher und sehr gut auf den Punkt gebracht. Ich bin so’n kleiner Gemütlicher, gern zu Hause, begebe mich aber gerne auch auf das ein oder andere Abenteuer. Und eins der Abenteuer ist halt demnächst Gladbeck.

Wie groß sind Sie denn nun wirklich? Hat man Sie deshalb eigentlich gehänselt?

Es sind 1,62 Meter. Ich bin übrigens schon immer gehänselt worden. Wollte gerade sagen seit meiner Geburt, aber nein (lacht), klar, das fällt schon auf in der Schule wenn man nicht ganz so groß ist. Also habe ich verbal Waffen aufgefahren. Kleine Hunde müssen laut bellen, das ist eben so. Und das hat sich bei mir durchgesetzt. Das war bei meinem Vater übrigens auch so. Nur, ich habe da eben meinen Beruf draus gemacht. Das ist doch positiv. Vor zwei Jahren war ich übrigens noch 1,63 Meter groß. Der Schrumpfmoment ist bei mir also eingetreten. Das ist schon ein bisschen gruselig. Aber es ist OK, ich lebe gut mit meiner Größe. Da gibt es keine Probleme mit Beinfreiheit im Zug oder Flugzeug ich komme überall durch. Das ist super. Also, ich bin gerne so groß.

Folgerichtig heißt Ihr Programm Klein/Laut. Warum aber laut?

Weil ich auch laut bin. Habe ich ja gesagt. Klein und laut hat mehrere Bedeutungen – so wie komm/geh’ weg oder auch erregt. Da kann man viel hineininterpretieren. Zudem bin ich viel ruhiger geworden, auch im Privatleben und rege mich nicht mehr so viel auf. Aber ich überlasse es gerne dem Publikum, was sie in den Programmtitel reindenken.

Sie sind deutschlandweit unterwegs. Wo kommt das „Cornichon des deutschen Kabaretts“ wie Ihr Kollege Jochen Malmsheimer Sie nennt, besonders gut an?

Oh, da mache ich eigentlich gar keinen Unterschied. Ich bin ja mehr so eine Art Handlungsreisender in Sachen Humor. Ich fahre da hin und habe meinen Job und meine Aufgabe. Und versuche, diese Aufgabe gut zu erfüllen. Da gehe ich mehr oder weniger unvoreingenommen hin. Ich weiß natürlich bei bestimmten Spielorten und bestimmten Stätten wie die Leute ungefähr so drauf sind. Im Norden hört man eher zu, geht erst am Ende so richtig aus sich raus. Aber ich sehe eher die Unterschiede zwischen Stadt, Stadt und Land. In kulturell überfütterten Städten wie Berlin, Hamburg oder München muss man anders arbeiten, als dort, wo nicht so viel passiert, und die Leute sich richtig freuen, wenn mal einer kommt.

Ihre Frau Fritzi Bender ist auch Komödiantin. Besteht Ihr Alltag da nicht nur aus Rumblödeln?

Nee, es geht eher darum, dass wir uns darum streiten, wer welchen Witz machen darf. Wir kommen ja manchmal auf ähnliche Sachen und Momente. Da wird auch ganz ernsthaft gesagt, das ist jetzt mein Gag, aber du kannst den haben. Das ist wie in jeder Beziehung oder Ehe auch. Wir haben natürlich viele Momente, wo wir uns beide kaputt lachen. Wo sie mich zum Lachen bringt und ich hoffentlich auch sie. Aber wir haben natürlich im Alltag auch ganz normale Probleme wie Wasserrohrbruch oder Sachen wo man einfach daneben steht und wo man nicht drüber lachen kann, sondern funktionieren muss. Aber wir beide versuchen auch in schwierigen Situation das Positive und Lustige zu sehen, weil das einfach auch eine Berufskrankheit ist bei Komikern. Denn wir brauchen ja neues Material und da denkt man schon: Das ist ‘ne lustige Situation, die man auch auf der Bühne erzählen könnte.

Witze-Produktion ist härteste Arbeit

Ist es nicht furchtbar anstrengend, immer wieder Witziges produzieren zu müssen?

Das ist Arbeit, das ist nicht ohne. Die eigentliche Arbeit bei der Geschichte ist, dass es so einfach aussieht auf der Bühne und so locker-lapidar dahererzählt wird. Aber auf die Sachen zu kommen, sie auswendig zu lernen und auch Tiefsinn in den Sachen zu sehen, das ist nicht so einfach und gehört auch zum Beruf, ist Handwerk. Themen sind überall da, passieren mir jeden Tag, über die man erzählen kann. Wenn der Papst sagt man kann Kinder ruhig schlagen, wenn man die Würde der Kinder nicht verletzt, dann ist das für mich Comedy. Das geht ja gar nicht, da wäre ich selber nicht drauf gekommen. Wer es schafft, Kinder zu schlagen ohne deren Würde zu verletzen, der schafft es auch im Swinger-Club monogam zu bleiben.

Kann man von Comedy leben?

Mmmh, ich denke schon. Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, ging es ganz gut.

Sie sind großer Hörspielfan- und Sprecher. Was macht den Reiz dieser akustisch inszenierten Geschichten aus?

Das ist etwas ganz anderes als das, was ich sonst so mache. Sprecherjobs sind für mich Ausflüge in eine gänzlich andere Welt. Das ist eine Welt, wo ich mich auch einmal verstellen darf. Auf der Bühne versuche ich so authentisch wie möglich zu sein. Im Hörspiel spielt man eine Rolle. Da unterwirft man sich dem Regisseur und der Geschichte. Ich mag diese Herausforderungen und stelle mich dem auch total gerne. Außerdem stelle ich so fest, dass ich auch etwas anderes kann, als auf der Bühne zu stehen und Blödsinn zu erzählen.

Das Thema Opel abgeschlossen

Bekommt Gladbeck in Ihrem Programm Seitenhiebe ab?

Nein, Gladbeck hat mir nichts getan, so dass ich nicht auf Gladbeck ‘rumreiten muss.

Ihre Familie sind waschechte Opelaner. Wie fühlt sich da die Werksschließung in Bochum an?

Das Thema habe ich jetzt abgeschlossen für mich, das war sehr emotional. Die Eltern sind ja in den 60ern von Rüsselsheim nach Bochum gekommen. Ich habe immer einen Opel gefahren, die Fahne hochgehalten. Habe auch immer gesagt, dass Opel zu Bochum gehört. Das sind Autos die man fahren kann und auch fahren sollte. Das Heuschreckendenken von GM hat dazu geführt, dass Opel jetzt dicht ist. Das ist Kapitalismus, passiert woanders auch. Zum Glück haben wir in Bochum nicht nur Opel. Es gibt noch andere Möglichkeiten wo man arbeiten gehen kann. Das Ruhrgebiet hat ganz andere Krisen überstanden als die Opel-Schließung. Ich bin froh, dass der Kampf über mehrere Jahre jetzt vorbei ist, die Leute sich neu orientieren können.

Wir beide haben etwas gemeinsam. Auch ich bin in der Landesfrauenklinik am Bochumer Stadtpark geboren, die später zur Nervenheilanstalt umgewandelt wurde. Merkt man, dass Sie in einer Klapse geboren wurden?

Mein Vater hat mir das immer vorgeworfen. Ich fand das natürlich als putziges Detail in meiner Biografie und bin auch stolz drauf. Das war damals eben das Geburtskrankenhaus in Bochum. Insofern sind wir beide da Gott sei Dank nicht alleine.