Gladbeck

Großdemo in Gladbeck sollte den Streikenden Mut machen

Mit bunten Plakaten zogen die rund 700 Streikenden Erzieher und Sozialarbeiter aus Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop durch die Innenstadt, um auf ihre Forderungen begründet aufmerksam zu machen.
Mit bunten Plakaten zogen die rund 700 Streikenden Erzieher und Sozialarbeiter aus Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop durch die Innenstadt, um auf ihre Forderungen begründet aufmerksam zu machen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
700 Streikende des Sozial- und Erziehungsdienstes aus Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop zogen durch die Stadt. Der Ausstand wird fortgeführt.

Gladbeck. Gut 700 Streikende des Sozial- und Erziehungsdienstes der Stadtverwaltungen Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop waren dem Verdi-Aufruf gefolgt und zogen am Freitag mit Transparenten und Trillerpfeifen lautstark durch die Gladbecker Innenstadt. Zum einem machten die Kitabeschäftigten und Sozialarbeiter so auf die Gründe ihrer Forderungen aufmerksam, zum anderen war die Großdemo eine Mutmacherveranstaltung für die seit drei Wochen Streikenden selbst.

Das wurde spätestens am Zielort des Protestlindwurms, der Gladbecker Stadthalle, deutlich. Zum Auftakt der Infoveranstaltung wurde den Anwesenden dort ein Film gezeigt, der die bisherigen Streikaktionen in den umliegenden Städten dokumentierte, die immer wieder beklatscht wurden. Zudem waren die Bilder mit aufmunterndem Gesang unterlegt, darunter Liedgut der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung (Bella Ciao), die rhythmisch aufgegriffen wurden; als dann der WM-Hit „Ein Hoch auf uns“ über die Lautsprecher lief, sang der ganze Saal stehend und klatschend mit.

Wohltuende Gemeinsamkeit, an der sich sichtlich einige „Akkus“ erschöpfter Teilnehmer aufluden. Am Mikrofon machten später Delegierte aus den Städten klar, wie kräfteraubend der Arbeitskampf für viele ist, die sich an der Erschöpfungsgrenze bewegen. Denn neben den Demo-Aktivitäten belaste viele der Gedanke an die sonst betreuten Kinder. Etwa im Wissen um konkrete Fälle problembelasteter Familien, wo aus Gründen der Kindeswohlgefährdung die Kinder in Tageseinrichtungen untergebracht sind, die sie jetzt nicht besuchen können. Dies gelte es, auch der Gesellschaft zu vermitteln, „zu erkennen, dass die Sozialdienst und Kita-Beschäftigten diejenigen sind, die den sozialen Frieden sichern“.

Dass der Kommunale Arbeitgeberverband am Donnerstag kein neues Angebot vorgelegt habe, „ist eine Unverschämtheit“, schimpfte Verdi-Sekretär Thorsten Waschulewski. Mit der Aktion unterstreiche man die Bereitschaft, den Streik durchzuziehen, „bis ein annehmbares Ergebnis vorliegt“. Trotz der großen Belastung stehe auch weiterhin die Mehrheit der betroffenen Eltern hinter den Streikenden. Die wichtigen Tätigkeiten, die sich originär am Menschen ausrichten, „müssen sich auch in gerechter Bezahlung ausdrücken“. Im Berufsbereich frühe Bildung verdiene man im Schnitt 2630 Euro brutto, in einem vergleichbaren technischen Beruf hingegen 4057 Euro.

Mittlerweile habe man es auch geschafft, die Politik wach zu rütteln. „Wir ziehen das Ding durch“, rief Waschulewski in den zustimmenden Applaus der Streikenden. „Denn wenn wir hier einknicken, ist das auch ein fatales Signal für andere soziale Bereiche.“

Bürgermeister Roland fordert Einigung

Der Druck, den die Streikenden Erzieher und Sozialarbeiter sowie die betroffenen Eltern auf die Kommunalverwaltungen ausüben, veranlasste Bürgermeister Ulrich Roland jetzt zu Anschreiben an Martina Steinwerth (Verdi EL-Süd) und den Präsidenten der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle. Darin appelliert der Gladbecker Verwaltungschef, „zu konstruktiven Verhandlungen zusammen zu kommen und ein für beide Seiten tragfähiges Ergebnis zu erzielen“.

Mit einer gezielten E-Mail-Kampagne werde über Elten derzeit Druck auf die Bürgermeister ausgeübt, sich für ein baldiges Streikende einzusetzen. Hier werde ein falscher Eindruck erweckt, so Roland, da die Bürgermeister hierzu keine Einflussmöglichkeiten haben, da ausschließlich die Tarifvertragsparteien, Gewerkschaft und Arbeitgeberverband, „ein Ende des Streiks herbeiführen können“.

Roland fordert Verdi auf, eine Notdienstvereinbarung abzuschließen, damit in Gladbeck Betreuungsangebote in Kitas möglich werden. Weitere Gespräche dazu sind für Montagnachmittag geplant.