Grimme würdigt Correctiv-Report über Abschuss von Flug MH17

Thorsten Francke in seiner Agentur in Gladbeck.
Thorsten Francke in seiner Agentur in Gladbeck.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
"Die Suche nach der Wahrheit". Webreportage von David Schraven aus Bottrop und Thorsten Franke aus Gladbeck mit Grimme Online Award gewürdigt.

Gladbeck/Bottrop.. Neue Erzählformen ausprobieren und Menschen für Themen begeistern, die bislang an ihnen vorbeizogen, das will die Recherche-Truppe Correctiv, die jetzt für die Web-Reportage zum Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 über der Ukraine den Grimme Online Award erhielt. Mit ausgezeichnet wurde auch die Arbeit von Thorsten Franke von der heimischen C4C Agentur. Als C4C-Art-Direktor war er zuständig für die Optik und das visuelle Storytelling.

Flugzeugunglück Der 39-Jährige sitzt ganz entspannt im lichten Konferenzraum der Agentur am Jovyplatz 4 in Gladbeck. Wer aus dem Fenster gen Süden schaut, sieht alten Baumbestand, einen Park und viel Grün. Wer Franke genau zuhört erfährt, wohin investigativer Journalismus der sich mit Kreativen umgibt, führen kann. Zum Beispiel zum Grimme Online Award. In ihrer Preis-Würdigung schreibt die Grimme-Jury, dass sie die Arbeit zum Abschuss von Flug MH17 „als herausragendes Beispiel für die Verbindung digitaler Erzählmethoden mit klassischen journalistischen Fähigkeiten“ sieht.

Optik für die Web-Reportage

Die Jury schreibt weiter, dass die MH17-Geschichte ein „Beispiel ist für die zahlreichen Beiträge hoher publizistischer Qualität, die das Recherchebüro Correctiv auszeichnet, und die es anderen Medien zur Verfügung stellt“. Correctiv ist das erste gemeinnützige Recherchebüro im deutschsprachigen Raum. Es ist unabhängig und recherchiert investigativ. Ziel ist es, jedem Bürger Zugang zu Informationen zu geben.

Normalerweise beschäftigt sich der gebürtige Bottroper Thorsten Franke in der Gladbecker Kommunikationsagentur am Jovyplatz mit einem Arbeitsfeld, das „vom Logo für den Zahnarzt um die Ecke bis zur komplexen Kampagne für die Industrie“ reicht. Diesmal kam etwas Besonderes hinzu. Sein alter Schulfreund David Schraven, investigativer Journalist bei Correctiv, übertrug ihm die komplette Art Direktion für das Recherche-Büro.

Recherche vor Ort und von Gefahren umgeben

Sieben Monate recherchierten die Journalisten den Fall – vor Ort und von Gefahren umgeben. Franke zog der Web-Reportage ein attraktives optisches Mäntelchen an. „Wir gehen neue Wege, um dem Bürger schwierige Themen nahe zu bringen.“ Den Lohn liefert die Grimme-Jury: „Der Beitrag lässt einen nicht los, weil die Texte überzeugend geschrieben, weil die Erkenntnisse packend aufbereitet sind – als animierte Grafik Graphic Novel, Film, Audio.“

Ja sogar Comic-Elemente wurden von Franke mit eingebaut. Umgesetzt wurden die neuen Ideen mit einem Spezialistenteam. „Ich habe darauf geachtet, dass nichts ausuferte, dass das Corporate Design von Correctiv erhalten bleibt.“

"Ohne vernünftigen Journalismus ist die Demokratie gefährdet"

Die Arbeit war für ihn „unheimlich interessant“, sagt Grafik Designer Franke. „Ich komme ja aus dem werbenden Bereich, bin kein Journalist.“ Ihm wurde bei der Zusammenarbeit mit Correctiv klar, dass „ohne vernünftigen Journalismus die Demokratie gefährdet ist“. Umso wichtiger nimmt er die Ehrung durch Grimmes. „Das ist eine professionelle Wertschätzung für unsere Arbeit, in der viel Herzblut und Überstunden stecken.“ Den Moment der Preisübergabe hat er noch genau in Erinnerung. „Ein tolles Gefühl, da fällt man schon mal hinten rüber.“

Auszeichnung qualitativ hochwertiger Online-Angebote

Mit dem Grimme Online Award werden seit dem Jahr 2001 vom Marler Grimme-Institut qualitativ hochwertige Online-Angebote ausgezeichnet. In vier Kategorien – Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung, Spezial – werden insgesamt maximal acht Preise vergeben. Zudem gibt es einen eigenen Publikumspreis.

Eine unabhängig Nominierungskommission und Jury, bestückt mit Journalisten, Medienwissenschaftlern, Internet-Experten und Fachleute aus Kultur/Bildung, bewerten sowohl inhaltliche, funktionale, als auch gestalterische Aspekte.

Sie orientieren sich bei der Beurteilung an onlinespezifischen Bewertungsmaßstäben. Außerdem spielen auch journalistische Qualität, soziale Verantwortung und gesellschaftliche Relevanz eine Rolle.