Gladbecks Partnerstadt Marcq nach Anschlag unter Schock

Solidaritätsbekundungen wie hier in Straßburg für die Opfer des Satiremagazins „Charlie
Solidaritätsbekundungen wie hier in Straßburg für die Opfer des Satiremagazins „Charlie
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In Gladbecks französischer Partnerstadt Marcq-en-Baroeul herrscht nach dem Anschlag in Paris auf die Satirezeitung Charlie Hebdo große Betroffenheit.

Gladbeck.. Gladbecks französische Partnerstadt Marcq-en-Baroeul stand am Donnerstag, einen Tag nach dem verheerenden Attentat von Paris, unter Schock. „Es herrscht eine sehr gedrückte Stimmung, ein wenig wie nach dem 11. September 2001 in den USA“, erfuhr Ernst Steinmeier bei einem Telefonat mit Edith Masse, in Marcq die Koordinatorin für die Städtepartnerschaft zu Gladbeck.

Steinmeier, ehemaliger Französischlehrer und oft Dolmetscher bei offiziellen Begegnungen mit Marcq, rief auf Bitte der WAZ in der Partnerstadt an. Viele Menschen in der Stadt seien wie gelähmt, hätten Schwierigkeiten, normal zu arbeiten, erfuhr Steinmeier von Madame Masse. Mit T-Shirts, die spontan mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“ - in Anlehnung an den Titel der attackierten Satirezeitung „Charlie Hebdo“) bedruckt wurden, zeigen Passanten Solidarität mit den Opfern in Paris.

In allen Schulen und öffentlichen Gebäuden Marcqs wurden Gedenkminuten abgehalten. Im Rathaus kamen die Bediensteten zu eine spontanen Gedenkveranstaltung zusammen: Bürgermeister Bernard Gerard, erfuhr Steinmeier, habe in einer Ansprache die Mitarbeiter und alle Bürger in Marcq aufgefordert, entschlossen für Demokratie und die französische Republik einzutreten.

Muslimische Gemeinde in Marcq verurteilt das Attentat

„Alle versammeln sich in Frankreich, nicht nur in Marcq, in großer Einmütigkeit hinter den Werten der Republik - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“, so Edith Masse. Wie die Französin berichtet, habe die muslimische Gemeinde in Marcq das Attentat entschieden verurteilt und sich solidarisch mit den Äußerungen des Bürgermeisters erklärt.

Mit Beteiligung aus Marcq fand im nahen Lille eine Solidaritäts-Demonstration statt. In Marcq selbst ist das zur Zeit nicht geplant. „Im Moment gibt es keine Parteien mehr, kein rechts und links, alle stehen hinter den Werten und Prinzipien des Landes“, so Madame Masse.

Auch in Marcq wehen die Flaggen auf Halbmast

Dankbar habe die Stadtpitze in Marcq die Anteilnahme und den Solidaritätsgruß aus Gladbeck zur Kenntnis genommen, der noch am Mittwoch über Facebook und Twitter von Gladbeck aus in die Partnerstadt geschickt wurde (WAZ berichtete). Die Presse in Marcq, allen voran die „La voix du Nord“, berichtete am Donnerstag in aller Ausführlichkeit über das Attentat und die Folgen. In Marcq hängen - wie in ganz Frankreich - für drei Tage alle Flaggen auf halbmast.

"Davor hatten wir alle Angst"

"Das ist ganz schlimm. Davor hatten wir alle Angst. Einen Tag vor dem Attentat waren wir auf der Rückreise von Südfrankreich nach Gladbeck in Paris und haben da viel Polizei gesehen. Seit Frankreich sich in Syrien engagiert, ist die Gefahr groß. Das Attentat auf das Satiremagazin Charlie Hebdo trifft uns umso mehr, weil die berühmtesten Karikaturisten Frankreichs getötet wurden. Da geht viel verloren, auch für die Kunst. Das Problem wird sein, dass das Attentat Wasser auf die Mühlen der Rechten sein wird.“

Bernadette Capredon, gebürtige Französin

"Ich fasse es einfach nicht"

"Ich kann gar nicht sagen, wie betroffen ich bin! Ich fasse es einfach nicht. Das ist so grauenvoll. Charlie Hebdo ist eine Instanz in Frankreich, jetzt müssten alle Zeitungen die Karikaturen veröffentlichen, denn Pressefreiheit ist das höchste Gut. Paris ist für mich eine zweite Heimat. Mein Sohn ist mit einer Französin verheiratet, hat lange dort gelebt.“

Heinrich Menning, Vorsitzender des Freundeskreises Marcq-en-Baroeul