Gladbecker Tierschützer wollen Kastrationspflicht für Katzen

Häufig leiden Straßenkatzen an Krankheiten, die sie an ihren Nachwuchs weitergeben. Nur durch gezielte Kastrationsaktionen können Tierschützer verhindern, dass die Tiere sich unkontrolliert vermehren,
Häufig leiden Straßenkatzen an Krankheiten, die sie an ihren Nachwuchs weitergeben. Nur durch gezielte Kastrationsaktionen können Tierschützer verhindern, dass die Tiere sich unkontrolliert vermehren,
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Zahl der Straßenkatzen in Gladbeck steigt. Der Tierschutzverein will sich für eine Kastrationspflicht für alle Katzen in der Stadt einsetzen.

Gladbeck.. Die Nase trieft. Die Äuglein sind verklebt. Das Kätzchen ist krank und ist wohl auch schon so zur Welt gekommen. Hunderte Katzen sollen es sein, die in Gladbeck herrenlos umherstreifen, die an den Futterstellen der Tierschützer Nahrung suchen. Und es werden mehr.

Seit etwa vier Jahren versorgt der Tierschutzverein Gladbeck Streuner im Stadtgebiet. Etwa 300 Tiere, schätzt Tanja Zimmer, Vorsitzende des Vereins, kommen regelmäßig an die Näpfe. Viele sind krank und tragen ihre Krankheiten auch ungehindert weiter. Nur durch Kastrationsaktionen könne die Zahl der Katzen kontrolliert werden, sagt Zimmer. 50 bis 60 Wildlinge, schätzt sie, hat ihr Verein im zweiten Halbjahr 2014 eingefangen und operieren lassen, um sie später wieder in ihrem Stammrevier auszusetzen – zähmen lassen sich die Streuner nur sehr selten. Die Operationskosten belaufen sich laut Zimmer für einen Kater auf 30 bis 40, für eine Katze auf rund 50 Euro.

Viel Geld für den Verein, der sich allein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. „Wir können unmöglich alle Tiere kastrieren lassen“, sagt die Vorsitzende. Ihr Wunsch: „Wir wollen die Stadt mit ins Boot holen.“ Eine Kastrationspflicht für alle Katzen mit Freigang, das wäre ihr Ziel. Gäbe es eine solche Verordnung, glauben die Tierschützer, müsste sich die Stadt an den Kosten beteiligen. „Wir wollen ja nur die Unterstützung, um die Durchführung der Aktionen würden wir uns kümmern.“

Kastrationspflicht in 72 Städten in NRW

In 72 Städten in Nordrhein-Westfalen besteht eine solche Kastrationspflicht, Recklinghausen, Marl und Oer-Erkenschwick zählen dazu. In Gladbeck hatte der Verein Pfotenhausen im Jahr 2012 einen Antrag auf Einführung einer Kastrationspflicht für Katzen gestellt, dieser war jedoch abgelehnt worden, unter anderem mit Hinweis auf eine unklare Rechtslage.

Die Gladbecker Tierschützer wollen es noch einmal versuchen, wollen Unterschriften sammeln bei ihrem Flohmarkt am 7. März in der Fußgängerzone. „Wir wollen so lange rumhampeln, bis wir die Pflicht bekommen“, sagt Tanja Zimmer.

Die Erfahrungen in Recklinghausen indes bestätigen ihre Hoffnung auf Zuschüsse nicht. Die Verordnung richte sich an private Katzenhalter, so eine Sprecherin der Stadt, Mehrkosten seien der Kommune nach dem Erlass nicht entstanden.

Sprich: Die Kosten für Streuner übernehmen auch in Kommunen mit Kastrationspflicht weiterhin Tierschützer, denn bei freilebenden Katzen gilt laut Gesetz derjenige als Halter, der die Tiere regelmäßig füttert. So werden in letzter Konsequenz eben jene Menschen zur Kasse gebeten, die den Streunern Gutes tun wollten.