Gladbecker tanken mit Grinsen im Gesicht

Oil!-Tankstellenpächterin Jutta Bünten (42) re. setzt auf vollen Service. Die Stimmung an den Tankstellen ist wegen der niedrigen Spritpreise bestens.
Oil!-Tankstellenpächterin Jutta Bünten (42) re. setzt auf vollen Service. Die Stimmung an den Tankstellen ist wegen der niedrigen Spritpreise bestens.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Spritpreise purzeln munter – zur Freude von Tankstellenpächtern und Kunden. Kein Wunder, das die Stimmung an der Tanke toll ist.

Gladbeck..  Bei den Silvesterversprechern purzeln seit Jahresbeginn die Pfunde, bei den anderen wegen hoher Förderungsquoten die Preise. Das Resultat scheint gleich: Frohlocken allerorten. So ist der Stoff, der die Motoren antreibt, seit Jahren nicht mehr so günstig zu haben wie in den vergangenen Wochen. Die spritzige Spritlaune scheint anzustecken. Bei Tankstellenpächtern und Kunden stehen die Daumen oben. Sie sind bester Dinge. Kein Wunder, so gab es am Mittwochabend den Liter Diesel in Gladbeck für 1,049 Euro. Herrscht also Rummel ohne Ende an den schlanken Säulen?

Jein – finden die hiesigen Pächter. Zu Beginn des Preissturzes war der Ansturm riesig, sagt Karin Knuth, Pächterin der Total an der Bottroper Straße 248. „Jetzt haben sich die Kunden an die Preise gewöhnt, läuft alles wieder normal.“ Was allerdings geblieben ist, das sind die hochgezogenen Mundwinkel. „Die grinsen, wenn sie ‘reinkommen, alle.“

Das überträgt sich wohl, denn auch Knuth lächelt gerne. „Viele denken, dass ich als Pächterin fürs Tanken nix zahlen muss, doch das stimmt nicht. Und deshalb grinse ich auch.“ Ein bisschen Bammel hat sie allerdings vor einer irgendwann wieder anstehenden Wende. „Wenn die Preise steigen, dann sind wir wieder Schuld, dabei geben wir die Kurse gar nicht vor.“ Die dann notorisch schlechte Laune der Kunden muss sie nicht haben. „Wir wurden regelrecht beschimpft, das war nicht schön.“

Zur Urlaubssaison schießen die Preise wieder hoch

Auch Uwe Weber, Kassierer an der markenfreien Tankstelle an der Sandstraße 187 freut sich über die äußerst entspannte Tank-Lage. „Die Stimmung ist viel besser als vorher, alle sind viel freundlicher.“ Mit Zusatztanks oder Reservekanistern kommt allerdings niemand angerauscht. „Auf Vorrat wird eher nichts verkauft.“ Von Hamsterkäufen hat auch Pächterin Jutta Bünten von der Oil!-Station an der Feldhauser Straße 197 nichts bemerkt. „Dafür“, so Bünten, die seit 17 Jahren hier den Service-Gedanken ganz hoch hält und jede Menge Stammkunden hat, „sind die Preise einfach zu lange schon zu günstig.“ Sie geht aber davon aus, dass diese wohl spätestens vor der nächsten großen Urlaubssaison wieder in die Höhe schießen.

Rückblickend ist Jutta Bünten immer noch erstaunt, denn „einen dermaßen dramatischen Preisverfall über so einen langen Zeitraum habe ich noch nie erlebt“. Bei ihr ist die Stimmung der Kunden bestens – „das freut natürlich meine Mitarbeiter“ – wenn auch die meisten zwischen 16 und 19.30 Uhr tanken, weil es „dann noch mal etwas günstiger ist“.

Das Gute-Laune-Szenario dürfte wohl noch anhalten, denn Rekordwerte wie 2012, als der Benzinpreis zeitweise auf 1,70 Euro stieg, sind wohl in weiter Ferne. Peter Meintz, ADAC-Westfalen-Sprecher: „Es gibt noch keine Anzeichen für eine generelle Trendwende.“