Gladbecker Student Tobias Meinert schießt Rakete ins All

Das Team Actor mit der Rakete: (v.l.): Michel Busen, Michael Stankowski, Nina Körtzinger, David Bierbüsse und der Gladbecker Tobias Meinert.
Das Team Actor mit der Rakete: (v.l.): Michel Busen, Michael Stankowski, Nina Körtzinger, David Bierbüsse und der Gladbecker Tobias Meinert.
Foto: Foto: Team Actor
Was wir bereits wissen
Der Maschinenbau-Student nimmt an einem Forschungsprojekt in Schweden teil. Fernes Ziel seines Teams - ein Material für Weltraumkleidung zu schaffen.

Gladbeck.. Warum nicht mal nach den Sternen greifen und sich einen Wunsch erfüllen? Für Tobias Meinert ist ein Traum wahr geworden, den sich so manch einer erträumt: Er ist zwar nicht als Astronaut zum Mond geflogen, aber eine Rakete hat er schon ins Weltall geschossen.

Vom Weltraumbahnhof Esrange aus – 45 Minuten vom nordschwedischen Ort Kiruna, jenseits des Polarkreises, entfernt – ging sie in die Luft. An Bord hatte sie ein absolutes Novum: Muster eines neuartigen Materials – entwickelt an der RWTH Aachen, an der der 23-jährige Gladbecker Meinert ist.

Ziel vom Team Actor, das das Experimente durchführte: Test der Isolierfähigkeit der Cellulose Aerogel-Textilie – das Forschungsresultat – beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Abitur am Ratsgymnasium

Der Gladbecker, der im Jahr 2010 am Ratsgymnasium in Gladbeck sein Abitur baute, studiert im zehnten Semester Maschinenbau an der Universität Aachen. Als Schwerpunkt entschied er sich für Luft- und Raumfahrttechnik. Da kam ihm ein Forschungsprojekt, das ihm die Chance für eigene Entwicklungen bietet, gut zupass.

Das Rexus-Programm erlaubt Studierenden in Europa, wissenschaftliche und technologische Experimente auf Höhenforschungsraketen durchzuführen. Realisiert wird das Angebot vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dem Swedish National Space Board (SNSB). Die Europäische Weltraumbehörde ESA stand beratend zur Seite. Meinert erläutert: „Jedes Jahr werden zwei Raketen gestartet: eine für Deutschland; die andere für Schweden, das das Programm für ganz Europa geöffnet hat.“

Durch Zufall kam der Student zu dem Forschungsprogramm, für das er sich mit Kommilitonen verschiedener Fachrichtungen bewarb: Maschinenbauer wie er selbst, ein Elektrotechniker und ein Chemiker. „Beworben haben wir uns als Team“, berichtet der 23-Jährige. Wir, das sind: Nina Körtzinger, Michel Busen, David Bierbüsse, Michael Stankowski und eben Tobias Meinert. Der Gladbecker: „Wir waren in Schweden das kleinste Team von allen.“

Er erzählt: „Wir haben mit dem Institut für Textiltechnik in Aachen zusammen gearbeitet.“ Die zündende Idee für das Forschungsthema habe der Doktorand Björn Schulz geliefert. „Cellulose Aerogel ist in der Raumfahrt wichtig, weil das Material wärme-isolierend ist und den großen Vorteil hat, dass es sehr leicht ist“, erklärt Meinert, „ es ist ein Kristallgitter und besteht zu 99 Prozent aus Luft.“ Besagtes Gitter sei spröde, Schulz „hat es geschafft, aus dem Material Fasern zu schaffen“. Verwendet werden könnte das Material – in weiter Zukunft – beispielsweise für Weltraumkleidung. Doch der Gladbecker schränkt vorsichtig ein: „Das ist noch absolute Grundlagenforschung.“

Erfolgreiches Experiment

Das Team Actor ging im siebten Semester an den Start, arbeitete kontinuierlich an dem Projekt. Und offenbar mit Erfolg, wie der Raketen-Schuss bewiesen hat. „Unser Experiment lief während des Fluges erfolgreich, und wir konnten alle erforderlichen Daten messen“, so eine erste Bewertung. Neben Cellulose Aerogel gingen auch Aluminium und das Ursprungsmaterial Cellulose auf die Reise ins All.

Meinert: „Am Anfang ist man schon sehr aufgeregt, ob auch alles funktioniert.“ Sei die Rakete – fünf Meter lang, 30 Zentimeter Durchmesser – erst einmal gezündet, „kann man nicht mehr eingreifen“. Es habe ihn überrascht, wie laut der Start gewesen sei: „Es ist im Prinzip ein Knall, der nach zwei Sekunden vorbei ist – wie eine Explosionswelle.“ Tobias Meinert blickt auf die nächste Aufgabe: „Jetzt steht die Auswertung an. Wir dürften bis Mitte Mai fertig sein.“