Gladbecker Stavros - Griechenland muss in der EU bleiben

Stavros Familie kommt aus Griechenland. Natürlich interessiert es den 19-jährigen Gladbecker sehr, wie es in der Heimat seiner Familie weiter geht.
Stavros Familie kommt aus Griechenland. Natürlich interessiert es den 19-jährigen Gladbecker sehr, wie es in der Heimat seiner Familie weiter geht.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
19-Jähriger schaut gespannt in das Heimatland seiner Eltern. Er wünscht sich eine „Europäische Union mit solidarischen Werten“.

Gladbeck.. „Ochi“ versus „Nai“ - diese Frage schwebte am Sonntag über Griechenland und irgendwie auch der ganzen Europäischen Union. „Das waren ereignisreiche Tage und turbulente Stunden - der ganze Sonntag und auch der Montagmorgen noch“, sagt Stavros Vassiliou. Gemeint sind Bankenschließungen, das Nein zu den Sparvorschlägen der EU und der Rücktritt von Yannis Varoufakis.

Vassiliou ist ein junger Gladbecker mit griechischen Wurzeln und verkörpert all das, wofür die Europäische Union steht: Mehrsprachigkeit, ein hoher Bildungsabschluss und Kulturoffenheit. Derzeit blickt der Student mit Angst und Sorge in das Herkunftsland seiner Eltern.

Zu viele Bekannte, die leiden

Beim Gespräch mit der WAZ wird schnell deutlich: Griechenland ist für Vassiliou die zweite Heimat. Nachrichten von dort „gehen nicht spurlos an einem vorbei,“ sagt der junge Wirtschaftswissenschaft-Student der TU Dortmund beim Anblick der Schlagzeile in der Montagsausgabe der WAZ. In Hellas gebe es zu viele Leute, denen es schlecht geht, weiß er.

Verwandte, Freunde und Bekannte sind von der aktuellen Staatsschulden-Krise betroffen. Jugendliche in seinem Alter finden keinen Job und haben keine Perspektive. Mit hörbarer Demut sagt Vassilou: „Die Bewertung von all dem fällt schwer. Irgendwie bin ich froh unbeteiligt zu sein.“ Das Thema wird indes im Haus Vassiliou permanent diskutiert - da geraten Vater und Sohn auch ‘mal aneinander. „Jeden Tag diskutieren wir. Nicht immer haben wir die gleiche Meinung“, sagt Vassiliou dann doch mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Zurück zum Sonntag: Permanent sitzt der junge Gladbecker vor dem Fernseher oder dem Internet, wartet auf das Wahlergebnis und informiert sich sowohl in griechischen als auch deutschen Medien.

Zukunft des Landes in der EU

Wie Stavros Vassiliou beim Referendum abgestimmt hätte? „Das weiß ich nicht. Dafür bin ich zu weit weg.“ Er weiß aber, dass er ein Europa mit Griechenland möchte, die Zukunft des Landes für ihn untrennbar mit der EU verbunden ist. „Europa ist eine Gemeinschaft, die auf bestimmten Werten fußt“ - Solidarität etwa. „Diese Prinzipien sind zuletzt abhanden gekommen. Ich wünsche mir ein besseres Europa mit Griechenland als Mitglied.“

Als das Resultat mit 60 Prozent „Ochi“-Stimmen offiziell wird, weiß Vassiliou nicht, ob er sich freuen soll: „Grundsätzlich“, so sagt der Student, „bin ich von der Tsipras-Regierung positiv überrascht.“ Der große Showdown, auf den hätte der Gladbecker jedoch verzichten können. Er versucht die Situation immer wieder nüchtern zu betrachten. Dies fällt nicht leicht, doch er sagt selbst:„Griechenland ist das Land, welches Schulden hat. Die EU steht im Recht.“

Durch den Rücktritt von Varoufakis hofft Stavros Vassiliou, dass sich nun alle Beteiligten wieder an den Verhandlungstisch setzen. „Tsipras ist bei den jungen Griechen beliebt, doch Varoufakis hatte sich zum Negativen entwickelt“, sagt Vassiliou. Jetzt hoffe er, dass „’was Gutes“ passiert - für das Volk. Ob der Schuldenschnitt die Lösung sei? „Ich bin nicht überzeugt, dass dieser wirklich kommt. Ist das der Fall können die Menschen in Griechenland aber mit Sicherheit besser und sorgenfreier leben, als es derzeit möglich ist.“

Ein Ausstieg aus dem Euro oder eine Rückkehr zur Drachme klingen für ihn fast absurd. „Die Konsequenzen wären nicht abzusehen.“ Ein Stein käme ins Rollen. „Davor habe ich tatsächlich Angst“, findet der Student deutliche Worte mit Blick auf „sein Europa.“ Denn „meine Zukunft ist hier - in Deutschland und Europa.“