Gladbecker Schulen bei Schülern der Nachbarstädte beliebt

Was wir bereits wissen
Über 1000 Kinder aus Bottrop und Gelsenkirchen besuchen weiterführende Schulen in Gladbeck. 606 Gladbecker Schüler fahren über die Stadtgrenze.

Gladbeck..  Mit einem zweistelligen Millionenbetrag muss die Stadt rechnen, um die Sanierung oder einen Neubau für das marode Heisenberg-Gymnasium realisieren zu können. Vor der Investition beauftragte die Stadt den Experten Dr. Ernst Rösner mit einem Gutachten, um – grob gesagt – mit einer Ist-Analyse und einem Blick in die Zukunft, bezogen auf die Schülerzahlen und das Schulwahlverhalten, festzustellen, wie viele weiterführende Schulen sich die Stadt mittelfristig leisten kann. Mit u. a. dem Ergebnis, dass sowohl der Bestand der drei Gymnasien als auch der Realschulen gesichert sei.

Die CDU-Fraktion im Rat sah indes Lücken im vorgelegten Gutachten, da die Zahlen der zu Gladbecker Schulen ein-, beziehungsweise zu Schulen der Nachbarstädte auspendelnden Schüler, insbesondere für Realschulen und Gymnasien, nicht ausreichend dargestellt seien. Gleiches gelte für die Kosten, die Gladbeck durch einpendelnde Schüler (Schülerfahrtkosten) entstehen.

Steigender Trend bei Einpendlern

Die Christdemokraten baten den Bürgermeister in einer schriftlichen Anfrage um Antworten zu den Pendlerzahlen je nach Schulform und dem daraus resultierenden finanziellen Aufwand. Denn für die weiteren politischen Entscheidungen in den Fachausschüssen zur künftigen Schullandschaft (Anfang des Jahres) seien die geforderten Zahlen eine wichtige Diskussionsgrundlage. Angesichts der kritischen Haushaltsentwicklung in Gladbeck stelle sich für die CDU-Fraktion nämlich die Frage, ob Gladbeck weiterhin dauerhaft die kostspielige Verantwortung übernehmen könne, schulische Versorgungsleistung für Kinder benachbarter Kommunen zu übernehmen.

Schulgutachter Rösner hatte im Gutachten ausgeführt, dass im Schuljahr 2014/15 der Einpendleranteil in die weiterführenden Gladbecker Schulen bei mindesten 21 Prozent liege. Im Durchschnitt der sechs vorangegangenen Jahre habe dieser Anteil bei 16 Prozent gelegen. Diesen steigenden Trend bestätigen die Zahlen und Tabellen der letzten zehn Jahre (ab dem Schuljahr 2005/06) im Antwortenkatalog, den der Erste Beigeordneter Rainer Weichelt jetzt der CDU zusandte.

Danach beinhaltet die Gesamtschülerzahl von aktuell 8 482 Schulkindern in Grund- und weiterführenden Schulen einen Anteil von 1 020 (12 Prozent) auswärtiger Kinder.

Das weiterführende Schulangebot der Stadt Gladbeck wird traditionell von Schulkindern aus Bottrop (Großteil Riesener-Gymnasium) und Gelsenkirchen (Großteil Erich-Kästner-Realschule) wahrgenommen. Die drei Gladbecker Realschulen besuchen im laufenden Schuljahr insgesamt 1872 Schulkinder, hiervon pendeln 440 Kinder (23,5 Prozent) ein, davon 427 aus Bottrop und Gelsenkirchen. Bei den drei Gladbecker Gymnasien beläuft sich der Einpendleranteil auf 17,5 Prozent bei 385 von insgesamt 2 200 Schülerinnen und Schülern, davon 369 aus Bottrop und Gelsenkirchen (siehe Tabelle).

Besonders hoch ist der Einpendleranteil an der Erich-Kästner Realschule im Süden der Stadt. Er beträgt bei 262 von 636 Schulkindern rund 41 Prozent. An den Gymnasien besuchen die meisten Externen das Riesener- Gymnasium mit einem Anteil von 26,5 Prozent bei 204 von 768 Schulkindern. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist die Einpendleranzahl an Realschulen und Gymnasien kontinuierlich angestiegen von insgesamt 722 im Schuljahr 2005/06 auf 825 Kinder im laufenden Schuljahr 2014/15.

Den aktuell 1020 einpendelnden Schülerinnen und Schülern stehen 606 Gladbecker Kinder gegenüber, die auspendeln (siehe Tabelle). Sie besuchen vorwiegend Gelsenkirchener Gesamt- (205) und Grundschulen (132). Auch diese Gesamtzahl hat in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen. Sie lag 2005/06 noch bei nur 414 Kindern.

Was kosten die Einpendler die Stadt?

Wie stark die nach Gladbeck einpendelnden Schülerinnen und Schüler den Etat belasten, sorgt die CDU-Fraktion. Denn der von der Stadt beauftragte Gutachter Dr. Ernst Rösner hatte festgestellt, dass die hohe Einpendlerzahl angesichts des allgemeinen demografischen Rückgangs der Schülerzahlen einerseits das Schüleraufkommen stabilisiere, andererseits beträchtliche finanzielle Aufwendungen durch die Stadt als Schulträger erfordere.

Die CDU bat die Stadtverwaltung daher um detaillierte Darstellung der Kosten nach den Arten des Aufwandes, insbesondere der Schülerfahrtkosten.

Eine detaillierte Kostenbetrachtung, bezogen auf die entstehenden Betriebskosten an den städtischen Schulen, sei mit vertretbarem Aufwand nicht darstellbar, antwortete jedoch der Erste Beigeordneter Rainer Weichelt. Indes beliefen sich die Schülerfahrtkosten für die auswärtigen Schüler an den Realschulen und Gymnasien in Gladbeck auf insgesamt rund 197 000 Euro, da 163 Schülerfahrausweise an Realschulen und 293 an den Gymnasien bewilligt worden seien, so Weichelt.

In diesem Zusammenhang informiert der Erste Beigeordnete die CDU-Fraktion, dass die Gladbecker Schulen nach rechtlichen Vorgaben des Schulgesetzes NRW (§ 46 Abs. 2) dazu verpflichtet sind, „auch auswärtige Schülerinnen und Schüler aufzunehmen, wenn ihre Aufnahmekapazität nicht erschöpft ist“.

Zudem profitiere die Stadt Gladbeck aber auch im Rahmen der Gemeindefinanzierung von den 1 020 einpendelnden Schülerinnen und Schülern. „Die Schlüsselzuweisungen des Landes in 2014 würden sich um rund 607 000 Euro reduzieren“, sagt Weichelt. Auch rund 248 700 Euro der Bildungs- und Betreuungspauschale seien auf Schulkinder aus den Nachbarstädten zurückzuführen.