Gladbecker Pfarrei stellt fast alles auf den Prüfstand

Propst Andre´ Müller (li.) und Pastoralreferent Ludger Schollas beim Pressegespräch im Katholischen Stadthaus.
Propst Andre´ Müller (li.) und Pastoralreferent Ludger Schollas beim Pressegespräch im Katholischen Stadthaus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein radikaler Umbau der Gemeinde ist in Arbeit. Auch Kirchenschließungen sind nicht ausgeschlossen. Darüber entscheiden diesmal die Gläubigen vor Ort.

Gladbeck..  Auf die (noch) 28 0000 Mitglieder der Katholischen Kirche in Gladbeck rollt eine Veränderungswelle zu, deren Auswirkungen das bisher gewohnte Gemeindeleben in vielerlei Hinsicht auf den Kopf stellen werden. Das kündigen Propst André Müller und Pastoralreferent Ludger Schollas im Pressegespräch über die Weichenstellung für die Zukunft an. Die stetig sinkende Zahl von Katholiken (1990 noch 39 000), finanzielle Einbußen durch geringere Zuweisungen vom Bistum, dazu der eklatante Priestermangel zwingen zum generellen Umbau der Strukturen. Das Ziel bis 2030: „Die Kirche der Zukunft soll lebendig, präsent in allen Stadtteilen und nah bei den Menschen sein. Aer wir halten nicht an jedem Kirchturm fest“, nennt der Propst Prioritäten, die ahnen lassen: Nicht jede der (noch) acht Kirchen wird bestehen bleiben können.

Dieser Prozess ist schon vor Monaten angelaufen, am vergangenen Samstag wurde in einer gemeinsamen Konferenz des Pfarrgemeinderats, Kirchenvorstands und Mitgliedern der Pastoralkonferenz das Startsignal zur öffentlichen Diskussion gegeben. Bis zum Sommer werden Mitglieder aller Gemeinden der Großpfarrei am Konzept mitarbeiten, das am Ende keine Gemeinden im heutigen Sinne mehr kennt, dafür aber Gemeindearbeit in den Stadtteilen, die sich an den Bedürfnissen der Gläubigen orientiert. Dazu wird jeder Stadtteil soziografisch analysiert und gefragt, was die Menschen von der Kirche wollen.

Es geht dabei ganz entscheidend auch ums Geld und das Budget der Gladbecker Pfarrei, das aktuell 1,2 Mio Euro beträgt. „Der Anzug, den wir zurzeit tragen, ist drei Nummern größer“, verdeutlicht Schollas die finanzielle Schieflage.

Deshalb zählen Fakten, soll heißen Kosten, kommt alles auf den Prüfstand, vor allem die Immobilien der Kirche, insbesondere die Kirchengebäude selbst. Für sie gilt: Sie werden anhand eines Kriterienkatalogs in vier Kategorien A, B, C1 und C 2 bewertet. Eine Chance auf dauerhaften Erhalt haben nur Gotteshäuser der Kategorie A, weil dort Seelsorge und Gebäude als unentbehrlich erachtet werden. Kategorie B bedeutet nur eine Standortzusage für zehn Jahre, in Kirchen der Kategorie C1 wird nicht mehr investiert, die Einteilung in C 2 bedeutet die sofortige Aufgabe. „Das ist kein Kirchenschließungsprogramm“, betont der Propst, wohl wissend, wie sehr auch der Kirchturm Heimat bedeutet. Doch bei der Wahl zwischen Erhalt/Ausbau sozialer/seelsorgerischer Aufgaben und dem kostenträchtigen Erhalt von Kirchengebäuden ist seine Präferenz klar: Geld für Steine sichert nicht die Kirche von morgen. Die Entscheidung jedoch trifft er mit der Gemeinde gemeinsam - und am Ende muss der Bischof dem Konzept seinen Segen geben.