Gladbecker Mediziner - Gesetz hilft nicht bei Ärztemangel

Ein weiteres Ziel ist es, die Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt zu verkürzen.
Ein weiteres Ziel ist es, die Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt zu verkürzen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Gladbeck, so Gregor Nagel, ist ein Drittel der Allgemeinmediziner älter als 60 Jahre. Und Nachwuchs sei nur schwer zu finden.

Gladbeck.. „Die Absicht ist gut, ich glaube aber nicht, dass das von der Politik angestrebte Ziel gelingt, via Gesetzesvorgabe die regionale Unterversorgung mit Ärzten auszugleichen“, sagt Dr. Gregor Nagel, Sprecher des Gladbecker-Ärzte-Netzes „Glanet“.

Was der Allgemeinmediziner meint, ist die angedachte Deckelung der Ärztezahl vor Ort durch das Versorgungsstärkungsgesetz, das Anfang März im Bundestag beraten wird. Überall dort, wo die Ärzte einer Fachrichtung die Versorgungsquote zu mehr als 110 Prozent abdecken, sollen frei werdende Praxen geschlossen werden.

Durch einen Aufkauf zum Marktpreis über die Kassenärztliche Vereinigung, wenn sich zum Beispiel der Alt-Inhaber zur Ruhe setzt. Zudem sollen Praxisgründungen in unterversorgten Regionen unterstützt werden.

Gregor Nagel bezweifelt, „dass so die regionalen Unterversorgungen ausgeglichen werden können und sich ein junger Kollege aus dem Ruhrgebiet als Landarzt in Mecklenburg Vorpommern niederlässt.“ Ihm sei zudem schleierhaft wie mit diesem Gesetz – und dann weniger Arztpraxen in Ballungsräumen – das weitere Ziel, „die Wartezeiten auf Behandlungstermine zu verkürzen, erreicht werden könne.

Das ist doch wie eine Quadratur des Kreises. “Dass Nachwuchsmediziner bald in Massen den Weg in die Selbstständigkeit wählen, hält Nagel auch für einen Trugschluss. „Die Praxis ist doch seit Jahren eine völlig andere.“ Viele junge Mediziner hätten einen anderen Lebensplan. „Sie sind lieber angestellte Ärzte mit geregelten Arbeitszeiten, wodurch sich Familie und Freizeit besser mit dem Job vereinbaren lassen.“ Viele Kollegen, auch in Gladbeck, hätten entsprechend Schwierigkeiten einen Nachfolger zu finden.

Neun Kollegen könnten sofort in den Ruhestand gehen

Das spiegelt sich auch in der Altersstruktur wieder. In Gladbeck sind 32,5 Prozent der 43 Hausärzte mehr als 60 Jahre alt. Die nach dem Gesetz vorliegende Überversorgung von 119,7 Prozent sei also relativ zu betrachten, so Nagel, „da 20,9 Prozent bereits das Alter von 65 Jahren überschritten haben. Neun Kollegen könnten also sofort in den Ruhestand gehen, wenn sie einen Nachfolger fänden.“ Jeder niedergelassene Hausarzt ist rechnerisch für etwa 2000 Gladbecker zuständig.

Bürokratische Vorgaben für Hausärzte müssen entschlackt werden

Die negative Alterspyramide gelte auch bei vielen der niedergelassenen Fachärzte. Hier werde die Versorgungsquote aber nicht über das Stadtgebiet wie bei den Hausärzten, sondern über das Kreisgebiet berechnet (siehe Tabelle unten).

Man könne die Selbstständigkeit attraktiver machen, „indem man die bürokratischen Vorgaben für die Hausärzte entschlackt“, so Nagel. Etwa 30 Prozent seiner Arbeitszeit werde mittlerweile durch stetig zunehmende Büroarbeit gebunden.