Gladbecker lieben ihren Kiosk im Bahnhof West

Mitarbeiter der Caritas-Werkstätten arbeiten im Kiosk am Bahnhof West. Hier gibt’s u.a. Twix und Fanta für die Fahrt nach Haltern: Kundin Michaele Walgenbusch (r.) wird von den Kiosk-Mitarbeitern Christian Nieporte (31) und Sabrina Schallwig (29) bestens versorgt.
Mitarbeiter der Caritas-Werkstätten arbeiten im Kiosk am Bahnhof West. Hier gibt’s u.a. Twix und Fanta für die Fahrt nach Haltern: Kundin Michaele Walgenbusch (r.) wird von den Kiosk-Mitarbeitern Christian Nieporte (31) und Sabrina Schallwig (29) bestens versorgt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine kleine Erfolgsgeschichte ist der Kiosk im Bahnhof West, der seit über einem Jahr von den Caritas-Werkstätten betrieben wird.

Gladbeck..  Es nieselt, windet und temperaturmäßig halbschattig ist’s auch noch. Kein Wetter zum Wohlfühlen hier am Bahnhof West findet Adolf Kneip, der mit kleinem Köfferchen unterm Arm die kalte Eingangshalle betritt und gerne ein Heißgetränk hätte. Zum Glück gibt’s den kleinen, hell erleuchteten Kiosk der Caritas. Den steuert der 72-Jährige gezielt an – und wird nicht enttäuscht. „Als Fahrzeugüberführer lege ich im Jahr rund 50 000 Bahnkilometer zurück, erlebe viel Negatives. Aber hier schmeckt der Kaffee noch nach richtigem Kaffee.“

Seit November 2013 betreiben die Caritaswerkstätten mit eigener Mannschaft, also behinderten Menschen, den Kiosk. Sie sorgen dafür, dass Bahnreisende mit Zeitschriften, Süßigkeiten, belegten Brötchen, Bockwurst, Frikadellen und jetzt auch warmem Leberkäse versorgt werden.

Und das mit stetig steigendem Erfolg, freut sich Gruppenleiter Volker Brexeler (49). „Es läuft richtig gut. Mittlerweile haben wir sogar Stammkunden, die sehr froh sind, dass es hier im Bahnhof ein solches Angebot gibt.“ Die Kunden sind vor allem Pendler, die die herzliche Atmosphäre am Kiosk und die Freundlichkeit des Personals zu schätzen wissen, so Brexeler. „Und natürlich kommen sie immer wieder, weil bei uns die Qualität stimmt.“

Extra-Bewerbung für den Job

An fünf Tagen ist der Kiosk besetzt, hat von Montag bis Donnerstag von 6 bis 16 Uhr geöffnet, am Freitag von 6 bis 10 Uhr. Die feste Belegschaft besteht aus sechs Mitarbeitern der Caritas-Werkstätten, die sich übrigens extra um den Job bewerben mussten. Der Arbeitsplatz – außerhalb der Werkstätten und trotzdem innerhalb – ist sehr begehrt, weiß Brexeler, der im Hintergrund für die entsprechende Logistik und Bestückung der Regale sorgt. „Momentan liegen weitere drei Bewerbungen vor.“ Voraussetzungen sind ein freundlicher Umgang mit Kunden, gepflegtes Äußeres und natürlich die nötigen Rechenkünste fürs Kassieren.

Christian Nieporter (31) und Sabrina Schallwig (29) bringen diese Fähigkeiten mit. Mit flinken Händen belegt Schallwig in der kleinen Küche gerade ein leckeres Salami-Brötchen. Die Arbeit geht ihr gut von der Hand, wenig später beißt der Kunde zufrieden in die Semmel. „So soll es sein“, freut sich Schallwig, die von Anfang an dabei ist. „Brötchen, Kakao und unsere Kaffeespezialitäten sind der Hit, sagt sie und lobt die Stammkunden: „Die sind alle lieb und nett“ Ihren Job möchte sie nicht missen. „Ich habe keinen Tag bereut, hier zu arbeiten.“ Genau wie Nieporter, der hier gar nicht mehr weg möchte. „Manchmal vergeht die Zeit wie im Fluge.“ Und: „Hier bin ich immer fröhlich.“

Einen Bierausschank wird es nicht geben

Volker Brexeler steht als Gruppenleiter seit dem letzten Sommer dem Kiosk-Team am Bahnhof West zur Seite. Er sieht den Shop als echte Aufwertung für den kleinen Bahnhof und vor allem als gelebte Integration von behinderten Menschen.

Richtet sich Ihr Angebot nur an Pendler?

Brexeler: Nein, wir setzen auch auf die Nachbarschaft. Ein älterer Herr schaut beispielsweise regelmäßig vorbei, holt sich seine Boulevard-Lektüre und ein Brötchen. Ein anderer zieht Zigaretten und trinkt einen unserer leckeren Kaffee-Spezialitäten.

Seit neuestem gibt es einen beheizten Kioskbereich mit Sitzmöglichkeit und großer Fensterfront?

Ja, es ist ein extra Raum hinter der Küche. Drinnen gibt es zwei Stehtische und zwei große Tische mit Stühlen. Dieses Angebot gilt zunächst für die Winterzeit. Hier können die Gäste jetzt bequem und warm sitzen. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, dass es ein richtiges, gemütliches Café wird. Ein erweitertes Frühstücksangebot mit Ei und O-Saft wäre da optimal samt Öffnungszeiten bis in den Nachmittagsbereich hinein. Die Kundschaft kann herzlich gerne zu uns kommen, denn unser Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Übrigens haben wir schon einen Projektnamen angedacht: „Gleis drei.“ Der Bahnhof hat ja nur zwei Gleise, das Café wäre dann quasi unser eigenes Gleis.

Was ist mit alkoholischen Getränken?

Die verkaufen wir ganz bewusst nicht. Einen Bierausschank wird es hier nicht geben, denn diese Klientel wollen wir nicht haben. Würden wir im Kiosk Alkohol verkaufen, dann blieben unsere Kunden fort und das Umfeld würde leiden.