Gladbecker Jugendliche spielen „Abgestempelt“

Richtig zur Sache ging es auf der Bühne im Heisenberg-Forum.
Richtig zur Sache ging es auf der Bühne im Heisenberg-Forum.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Theatergruppe „NON“ der Jugendkunstschule setzt sich in ihrem neuen Stück auf beeindruckende Weise mit dem Thema Schubladendenken auseinander.

Gladbeck..  Am Wochenende führte die Theatergruppe NON der Jugendkunstschule Gladbeck ihr neuestes Stück „Abgestempelt“ im Heisenberg-Forum auf. Angelehnt an den Kinofilm „The Breakfast Club“ handelt die Produktion von neun völlig unterschiedlichen Schülerinnen und Schülern, die sich beim Nachsitzen näher kennenlernen und erkennen: Das Schubladendenken muss ein Ende haben.

Wer bin ich eigentlich? Wie sehe ich mich selber? Und wie werde ich von anderen wahrgenommen? Dies sind nicht nur Fragen, die man sich gelegentlich selbst stellt, sondern auch Thema eines Aufsatzes, den neun amerikanische Schüler schreiben müssen. Jeder von ihnen hat sich in irgendeiner Weise falsch verhalten und muss nun die Konsequenzen dafür beim achtstündigen Nachsitzen tragen. Der strenge Lehrer Mr. Wurner hat sie bereits allesamt „abgestempelt“: Da gibt es das „coole Oberarschloch“ (Ardil Jildiz), „die Prinzessin“ (Lea Samaga) oder auch „die Dumme“ (Mascha Linke) und einige andere filmtypische Charaktere.

Nicht nur zufällig erinnert das Theaterstück „Abgestempelt“ der Theatergruppe NO an den bekannten Kinofilm „The Breakfast Club“, von dem sich Regisseur Jörg Wilms im Vorfeld inspirieren ließ: „Nachdem unser erstes Stück eher lustig war, wollten wir diesmal etwas Dramatischeres machen und haben uns dann an The Breakfast Club herangewagt“, erklärt der Theaterexperte. „Ich sage auch ganz bewusst „herangewagt“, weil die Schauspieler im Film mindestens 16 Jahre alt und in unserer Gruppe alle zwischen zwölf und 13 sind. Das ist natürlich ein Unterschied.“

Diese Altersdifferenz stand der Authentizität des Stückes und ihrer Darsteller allerdings nicht im Geringsten entgegen, denn traurige Realität in vielen Klassenzimmern ist es, sich „Alter“ oder „Opferkind“ zu nennen. Auch die neun Schülerinnen und Schüler nehmen zu Beginn kein Blatt vor den Mund und beleidigen sich gegenseitig auf übelste Weise.

Der Coole nutzt seine Macht immer wieder aus, um irgendeinem seiner Kontrahenten einen dummen Spruch zu drücken. An diesem Samstagnachmittag kriegt jeder im Klassenzimmer sein Fett weg. Besonders, als sich die Schüler gemeinsam entscheiden, den Aufsatz über den jeweils anderen zu schreiben, sind Wut und Ärger über das Ergebnis groß. Alle fühlen sich falsch dargestellt und unfair behandelt, weswegen „die Schlaue“ (Lilly Kretschmann) vorschlägt, einander richtig kennenzulernen.

Dabei lernen die neun Schüler erst, was es heißt, von seiner Umwelt abgestempelt zu werden, und realisieren, wie schmerzhaft diese Erfahrung sein kann. Gemeinsam entscheiden sie, offener zu sein und hinter die Fassade eines jeden Charakters zu blicken. Bei dieser Entscheidung werden sie musikalisch von dem Lied „Don’t you (forget about me)“ von Simple Minds begleitet und tanzen auf den Tischen ihres Klassenzimmers. So schnell wird du es vergessen sein: ein Theaterstück mit Herz und Tiefgang.