Gladbecker holen den Frühling nach Hause

Blumen - Farbtupfer im Wintergrau:Auf dem Wochenmarkt in der Gladbecker Innenstadt gibt es bunte Blümchen.
Blumen - Farbtupfer im Wintergrau:Auf dem Wochenmarkt in der Gladbecker Innenstadt gibt es bunte Blümchen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Es ist kalt, schäbig, es regnet oder schneit – von Heimeligkeit keine Spur. Frühlingsboten findet der Gladbecker hingegen bei Blumenhändlern.

Gladbeck..  Graue Tage und das Licht kommt allenfalls als elektrisch erzeugter Schimmer von der Decke. Die Straßen sind matschig und wenn’s nicht schmierregnet, dann liegt zu allem Überfluss noch eine Schneedecke. Die konnte schon Oma nicht ertragen, weil sie dabei immer an ein Leichentuch denken musste. Klar, dass die Laune im Keller ist, die Düster-Seele fröhliche Urstände feiert – dabei haben wir erst Januar. Also muss jede Menge Farbe ins Leben, am besten Blumen, die für steigende Stimmung sorgen sollen.

Damit kennt sich Agnes Schwitte (55) aus. Sie ist quasi Expertin für Blühendes, steht sie doch mit ihrem Verkaufsstand seit 37 Jahren an drei Tagen in der Woche auf dem Wochenmarkt in der City. Mistwetter? „Ach was“, jubelt sie über die Theke, die prall mit Blütenzauber gefüllt ist: „Jetzt ist Frühlingszeit“, heißt es resolut.

Die bunte Palette scheint zu schreien. Orange, gelb, violett, rot, weiß – es leuchtet förmlich um die Wette. „Packen Sie es ein, da können Sie den Frühling gleich mit nach Hause nehmen.“ Kleine Pfingstrosen, Rosen, Gerbera, Hyazinthen, Ranunkeln, Anemonen und vor allem jede Menge Tulpen in vielen Farben und Formen sollen den Duster-Winter schnell vertreiben.

Beide Hände voll hat Kirsten Redlich (43), sie greift bei Amaryllis und einem Gerbera/Rosen-Sträußchen zu. Der Platz ist bereits ausgesucht, das Wohnzimmer. Hier soll die Freude einziehen. Warum? „Ich bin die dunkle Jahreszeit einfach leid.“ Auf Schnittblumen setzt auch Lisa Pass. Die 66-Jährige greift bei Rosen und gelben Tulpen zu. Sie „fühlt sich einfach wohler, wenn sie frische Blumen in der Vase hat“.

Das Leben im Strauß beobachten

Denn: „Sie erhellen das Gemüt, und ich erfreue mich daran.“ Eine Woche dürfte sie Freude an ihren holländischen Kelchblumen haben, weiß Agnes Schwitte. Ihr Tipp: Nicht zuviel Wasser nehmen, nur etwas nachgießen. „So sieht man das Leben im Strauß.“ Nach ein paar Tagen sollte man die wachsenden Blumen „etwas in Form ziehen“.

Stöhnen übers wettermäßige „grau in grau“ auch nebenan am Stand von Ursula Hesselmann (60). „Das Wetter geht mir auf die Nerven.“ Schon die Eltern waren als Blumenhändler aktiv, sie selber ist als Kind auf dem Marktplatz groß geworden. Bis fünf Grad läuft das Geschäft mit Blumen in dieser Jahreszeit. „Wenn es zu kalt wird, dann kommen wir nicht, dann friert der Kunde – und die Blume.“

Gleich ins Warme haben sich Dorit (78) und Klaus Gruber (87) begeben. Im Gartencenter Schellewald schauen sie nach Orchideen und greifen beim „Flammenden Käthchen“ zu. Dorit Gruber: „Die hält lange, und man hat viel Freude daran.“ Hinter den beiden hat Stefan Schellewald schon die Frühjahrsdeko aufgebaut. Ein lustig dreinblickender Frosch lädt mit „Willkommen im Garten“ ins noch gar nicht grüne Domizil ein. Solange muss eben die Zimmerpflanze Glück ins Zuhause bringen. Schellewald selber empfiehlt die sternförmige Narzisse, bei der auch der Kurs stimmt. „Die blüht in zwei, drei Tagen, und bei unter einem Euro kann man nichts falsch machen.“