Gladbecker Glocken läuten bald in Schwaben

Via Lkw erfolgte zunächst der Transport nach Gescher, zur Generalüberholung in der Glockengießerei.
Via Lkw erfolgte zunächst der Transport nach Gescher, zur Generalüberholung in der Glockengießerei.
Foto: Ev. Gemeinde
Was wir bereits wissen
Das Geläut der entwidmeten Ev. Martin-Luther-Kirche soll in der geplanten Christuskirche in Illertissen bei Ulm eine neue Heimat finden.

Gladbeck..  „Rogate, Cantate, Jubilate – betet, singt und jubelt“, so lautete der Ruf der gleichnamigen drei Kirchenglocken, die in der Rentforter Martin-Luther-Kirche regelmäßig die evangelische Gemeinde zum Gottesdienst riefen. Jetzt Vergangenheit der jüngeren Gladbecker Kirchengeschichte, da das Gebäude mit dem Gottesdienst am 21. Juni endgültig aufgegeben und die Rentforter mit der Zweckeler St. Stephanie-Gemeinde vereinigt wurde. Was viele Rentforter trösten mag, die zum Bespiel mit dem Dreiklang der Martin-Luther-Glocken getauft oder konfirmiert wurden: Der schöne Ruf von Rogate, Cantate und Jubilate wird nicht endgültig verstummen, denn das Trio erhält eine neue kirchliche Heimat in der Gemeinde Illertissen bei Ulm.

„Es hat zwar auch Überlegungen gegeben, ob man die Glocken nicht behalten und als Denkmal im Stadtteil installieren sollte“, erzählt Pfarrerin Gabriele Anicker. Ganz in ihrem Sinne sei die Mehrheit dann aber dafür gewesen, die Glocken an eine Gemeinde, die ein Geläut sucht, zu verschenken.

Neue Heimat in der Christuskirche

Über interne Kirchenkreise erfuhr Hans Joachim Lüddemann vom Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde Illertissen (bei Ulm) von dem Gladbecker Angebot und nahm schnell Kontakt mit Pfarrerin Anicker auf. Der Schwabe ist treibender Motor beim geplanten 1,6- Millionen-Euro-Bau der neuen Christuskirche seiner Gemeinde und machte sich bald auf den Weg nach Gladbeck, zur Anhörung (im Sinne des Wortes) und in der Hoffnung, die endgültige Zusage zu erhalten. Vor Ort musste ihn die Gladbecker Pfarrerin aber zunächst enttäuschen. „Gerade hatte ich eine zweite Anfrage aus Siegen erhalten, die wie unsere Gemeinde zur Evangelischen Kirche von Westfalen gehört“, berichtet die Pfarrerin, die keine Entscheidung ohne das Presbyterium treffen wollte.

Hier stand die Entscheidung dann aber schnell fest, dass der erste Interessent auch die Glocken erhalten sollte. Eine frohe Botschaft für Architekt Lüddemann, der zum Entwidmungsgottesdienst nach Gladbeck zurückkehrte, um einerseits noch das Geläut in Ais, Cis und Dis für seine Gemeinde aufzunehmen und andererseits die Demontage der drei bronzenen Pfundskerle aus dem Glockenturm – Rogate wiegt 370 Kilo, Cantate 220 und Jubilate 160 Kilo – zu überwachen.

Pfarrerin Anicker freute sich zugleich über eine Spende „von je 500 Euro pro Glocke an die Gemeinde“.

Nach der Glockenweihe am 11. März 1962 und 53-jährigem Dienst in der Martin-Luther-Kirche wird das Trio nun aber zunächst einige Zeit verstummen. Denn die erste Reise ging von Gladbeck nicht in den Süden, sondern in die Glockengießerei Petit & Gebrüder Edelbrock nach Gescher, wo das in die Jahre gekommene Geläut quasi generalüberholt wird, so dass die Namen wie auch die Sprüche auf den Glockenkörpern wieder gut zu lesen sind: „Rogate - Betet ohne Unterlass“, „Cantate - Singet dem Herrn ein neues Lied“, „Jubilate - Jauchzet dem Herrn alle Welt“. Wann die ehemaligen Gladbecker Glocken wieder Gott zu Ehren ertönen sollen, steht bereits fest. „Zum Erntedankfest 2016, zu dem wir bereits herzlich eingeladen wurden“, berichtet Pfarrerin Anicker. Kleines Problem für die Gemeinde in Illerrtissen: Den Kirchbau unterstützt die evangelische Landeskirche Bayern finanziell, aber nicht den Glockenturm. Dafür fehlen jetzt noch rund 25 000 Euro, die über Spenden aus der Gemeinde zusammengetragen werden sollen.