Gladbecker Ex-Polizist sagt - „Ich sitze unschuldig in Haft“

Was wir bereits wissen
Sitzt der Gladbecker Kim J. unschuldig im Knast? Der 32-jährige Ex-Polizist, der in der JVA Gelsenkirchen seine Haft verbüßt, beteuert seine Unschuld, bestreitet den Überfall auf einen Getränkemarkt vor sechs Jahren. Und auch sein Rechtsanwalt äußert Zweifel an der Aussage der Hauptbelastungszeugin.

Gladbeck.. Seit drei Jahren sitzt der ehemalige Polizist Kim J. aus Schultendorf in Gelsenkirchen im Gefängnis. Aus Sicht des Gerichts ist er der Täter, der im Juli 2008 einen Dursty-Getränkemarkt in Gladbeck überfallen, die Kassiererin mit Pfefferspray angegriffen und 80 Euro erbeutet hat. Sechs Jahre Haft wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung lautete das Urteil. „Ich sitze unschuldig im Gefängnis“, sagt Kim J. selbst und spricht auf seiner Internetseite von einem Justizskandal. Mit seiner Familie und seinem Rechtsanwalt kämpft der 32-Jährige für die Wiederaufnahme seines Verfahrens.

Jurist Dr. Ulrich Busch zweifelt die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin, der Dursty-Markt Kassiererin, an. Sie hatte ausgesagt, Kim J. schon am Morgen im Getränkemarkt vor dem eigentlichen Raub am Nachmittag gesehen zu haben – ihn später auf vorgelegten Fotos identifiziert. Kunden im Getränkemarkt entlasteten indes als Zeugen den Ex-Polizisten: Er sei nicht der Täter gewesen.

J. war in den Kreis der Verdächtigen geraten, weil die Kassiererin das Fluchtfahrzeug und Teile des Nummernschildes beschrieben hatte. Ein kiwigrüner Opel Corsa, wie ihn auch J. damals fuhr.

Zeugin hatte bereits 2004 eine Brille verschrieben bekommen

Für den Morgen hatte sein Mandant ein Alibi, was in der Verhandlung vom Landgericht auch anerkannt worden sei, sagt Anwalt Busch. Die Zeugin habe damals Pfefferspray in den Augen gehabt und so gar nicht genau sehen können. „Zudem wurde die Frage des Gerichts, ob sie eine Sehhilfe trage, von ihr verneint“, so der Anwalt, „obwohl sie bereits 2004 eine Brille verschrieben bekommen hatte“.

Mittlerweile sollen Beweismittel verschwunden sein

Einen weiteren Wiederaufnahmegrund sieht Busch in Ermittlungsfehlern. So soll der Täter während der Tat einen Fünf-Euro-Schein verloren und ein Sechserpack-Pils angefasst haben. Auf dem Geldschein sei ein Fingerabdruck sichergestellt worden, der nicht seinem Mandanten gehöre. „Diese Spur ist nicht mit weiteren Verdächtigen aus der Fingerspurendatei abgeglichen worden“, kritisiert der Anwalt. Ähnliches gelte für eine DNA-Spur, die auf dem Sechserpack sichergestellt wurde. „Diese Spur ist von den Ermittlern nicht zur Untersuchung weitergeleitet worden und mittlerweile als Beweismittel ebenso wie der Fingerabdruck verschwunden.“

"Ich möchte endlich Gerechtigkeit für meinen Sohn"

Auch Kims Mutter Barbara (50) hofft auf eine neue Gerichtsverhandlung. „Ich möchte endlich Gerechtigkeit, indem mein Sohn ein Verfahren bekommt, wo wirklich alles genau überprüft wird.“