Gladbecker Ex-Hertie-Haus unterm Hammer

Zwangsversteigerungstermin im Amtsgericht Gladbeck mit (v.l.) Jürgen Schulz (Leiter Stadtkasse), Jörg Urlitzki (Leiter Vollstreckungsstelle) und Rechtspflegerin Melanie Schmitz (4.v.l. begleitet von Auszubildenden) sowie ganz rechts die Rechtsvertreterin der Deutschen Bank London.
Zwangsversteigerungstermin im Amtsgericht Gladbeck mit (v.l.) Jürgen Schulz (Leiter Stadtkasse), Jörg Urlitzki (Leiter Vollstreckungsstelle) und Rechtspflegerin Melanie Schmitz (4.v.l. begleitet von Auszubildenden) sowie ganz rechts die Rechtsvertreterin der Deutschen Bank London.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Zum ersten Mal wurde das Zwangsversteigerungsverfahren auch eröffnet. Ein Interessent hatte sich am Vortag telefonisch angekündigt.

Gladbeck..  Ein Interessent habe sich noch am Vortag telefonisch angekündigt, teilte die zuständige Rechtspflegerin Melanie Schmitz auf Anfrage mit. So wurde auf den gut gefüllten Zuschauerbänken in Saal D des Amtsgerichtes Gladbeck am Donnerstagvormittag mit Spannung darauf gewartet, ob ein Kaufgebot für die Ex-Hertie-Immobilie vorgelegt wird.

Seit Jahren belastet der leergezogene riesige graue Betonklotz samt Parkhaus das Geschäftsumfeld am Eingang zur Fußgängerzone. In das Zwangsversteigerungsverfahren war jetzt erstmals etwas Bewegung gekommen, da der anberaumte Termin auch wirklich stattfand.

Zuvor war die Verhandlung mehrmals kurzfristig abgesetzt worden, da offene Steuerschulden dann doch bei der Stadtkasse eingingen. Denn beantragt hatte die Zwangsversteigerung immer wieder die Stadt, da für die Großimmobilie Grundbesitzabgaben nicht beglichen wurden. Eingesprungen war die Deutsche Bank London als Hertie-Hauptschuldnerin, die fast 214 000 Euro aufgelaufene Steuerschulden an die Stadt überwies. Ein Posten, der die Gesamtforderungen des Bankhauses an die Hertie-Nachfolger, satte 320 Millionen Euro (plus Zinsen), weiter belastet.

Dieses Mal hatte das Geldinstitut das Gladbecker Verfahren aber nicht abgewendet, da die aktuell bei der Stadt offene Steuerschuld von 86 922 Euro nicht übernommen wurde.

Es durfte spekuliert werden, ob die Deutsche Bank London über eine nach Gladbeck entsandte Rechtsanwältin sehen wollte, ob durch die Eröffnung der Zwangsversteigerung eventuelle Investoren ein interessantes Gebot abgeben, die bislang nicht bekannt sind.

Wie bereits mehrfach berichtet, gibt es seit Jahren ernsthaft Kaufinteressenten, die teils bereits Umbau- und Nutzungspläne für das Gebäude erstellt haben und auch im engen Kontakt mit der Wirtschaftsförderung der Stadt stehen. Ein Vertragsabschluss scheiterte bislang aber immer daran, dass der Immobilienbesitzer offenbar nicht zu größeren Abstrichen beim festgesetzten Verkehrswert für das Gebäudeensemble von 4,5 Millionen Euro bereit war.

Bei Kaufinteresse am Donnerstag hätte Rechtspflegerin Melanie Schmitz theoretisch das Mindestgebot bis auf 2,25 Millionen Euro, die Hälfte des Verkehrswertes, drücken können. Wobei ein solches Gebot von den Gläubigern vermutlich nicht akzeptiert worden wäre. Eine halbe Stunde war Zeit, nachdem die Justizinspektorin die Zwangsversteigerung um 11.16 Uhr eröffnete. Ein Gebot erfolgte nicht.

Sollte die Steuerschuld weiterhin nicht beglichen werden, ist davon auszugehen, das die Stadt Gladbeck ein neuen Zwangsvollstreckungstermin beantragen wird.