Gladbecker Eltern stehen hinter den Erzieherinnen

Noch ist „Leben in der Bude“: Ab Montag legen alle Erzieherinnen in der Kita an der Voßstraße die Arbeit nieder.
Noch ist „Leben in der Bude“: Ab Montag legen alle Erzieherinnen in der Kita an der Voßstraße die Arbeit nieder.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Erzieherinnen, die ab Montag streiken, werden von den Eltern unterstützt. Die sind allerdings sauer, weil es keine Notfallgruppen geben soll.

Gladbeck..  Die Stimmung in der städtischen Kindertagesstätte an der Voßstraße ist eindeutig: großes Verständnis für den Streik der Erzieherinnen – null Verständnis für die Stadtverwaltung. „Die Anforderungen an die Erzieherinnen sind deutlich gestiegen. Das muss sich in ihrer Bezahlung niederschlagen“, sagt Sabrina Pawlicki. Sandra Borgwerth ergänzt: „Qualifiziertes Personal muss auch adäquat bezahlt werden.“

Kritik üben die Frauen dagegen daran, dass es in Gladbeck wohl keine Rückerstattung der Kita-Gebühren und wahrscheinlich keine Notfallgruppen geben wird.

Vergleich mit Gelsenkirchen

Sabrina Pawlickis Mutter Ute arbeitet als Erzieherin in Gelsenkirchen und weiß: „Auch Gelsenkirchen gehört zu den Städten im Stärkungspakt II des Landes und will trotzdem die Gebühren erstatten. Warum darf Gladbeck das dann angeblich nicht? In Gelsenkirchen ist die Stadtverwaltung auch in der Lage, mit nicht gewerkschaftlich organisierten Erzieherinnen zwölf Notfallgruppen anzubieten. Und hier soll es nicht einmal genügend Personal für eine Gruppe geben?“

„Verdi hat eine Notdienstvereinbarung mit uns abgelehnt“, stellt Tim Deffte vom Presseamt der Stadt klar. „Wir bemühen uns gerade intensiv, trotzdem mit den wenigen nicht organisierten Erzieherinnen zumindest eine Betreuung für 60 Kinder hinzubekommen.“ Eine Gebührenerstattung sei der Stadt nicht erlaubt. Das habe die Bezirksregierung jetzt noch einmal bestätigt. Die Stadt werde den Eltern aber das Essengeld anteilig erstatten.

Familie Pawlicki kann die Streikzeit privat überbrücken. Selbst Uroma Gisela (78) kümmert sich zwei Tage um die kleine Jolina. Auch Familie Öztürk ist nicht auf eine Notfallgruppe für Esra (3) angewiesen. Vater Ayhan ist wegen seiner Zwölf-Stunden-Wechselschichten jeden zweiten Tag zu Hause, Mutter Nazmiye ab Montag auch häufiger – sie ist Erzieherin und streikt mit.

Vor große Probleme stellt die fehlende Notgruppe dagegen Elisabeth Düing. Emily (knapp 5) und Florentine (3) sind täglich bis 15.30 Uhr im Kindergarten. Die angestellte Tierärztin muss ihren Chef, der erst am Montag aus dem Urlaub kommt, um Freistellung bitten, weil alle Familienmitglieder berufstätig sind. Parallel versucht sie gerade, mit anderen betroffenen Eltern eine Betreuung der Kinder zu organisieren. Trotz ihrer Schwierigkeiten ist auch ihre Meinung zum Streik eindeutig: „Die Erzieherinnen legen zu Recht ihre Arbeit nieder.“

Kita-Leiterin Sabine Soria Montero freut sich sehr über das Verständnis der Eltern: „Das zeigt, dass sie unsere Arbeit, die wir tagtäglich für die Kinder und Familien leisten, anerkennen und wertschätzen.“