Gladbecker ärgert sich über „Spielhallen an allen Ecken“

Das auffällige Banner am  Glückauf-Centern ist zulässig, sagt das Ordnungsamt.
Das auffällige Banner am Glückauf-Centern ist zulässig, sagt das Ordnungsamt.
Foto: FUNKE Foto Services
„In Gladbeck gibt es Spielhallen an allen Ecken“, ärgert sich Tim M. Besonders die beiden an der Wilhelmstraße sind ihm ein Dorn im Auge.

Gladbeck.. Immer, wenn Tim M. auf der Wilhelmstraße unterwegs ist, sticht ihm das große Werbebanner für die „Spielhalle deluxe“ im Glückauf-Center unangenehm ins Auge. Und direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, locken auffällig gestaltete Schaufenster ebenfalls zu einem Besuch in einer Spielothek.

M. ärgert sich über die Werbung: „Hier fahren regelmäßig Schulbusse vorbei, und da stellt sich die Frage, ob man hier nicht ,Sperrbezirke’ ähnlich wie bei der Prostitution einrichten könnte, um zumindest Minderjährige vor einem schädlichen Einfluss zu schützen“, schreibt er der WAZ. Generell hat M. das Gefühl, dass es Spielhallen „an jeder Ecke“ gibt.

23 Spielhallen an zehn Standorten

23 sind es ganz genau im Stadtgebiet, verteilt auf zehn Standorte überwiegend in Gewerbegebieten, sagt Silke Döding, Abteilungsleiterin im Amt für öffentliche Ordnung, auf Anfrage. Die Problematik der beiden großen Vierfach-Spielhallen in unmittelbarer Nachbarschaft an der Wilhelmstraße ist ihr bekannt, allerdings: Sie haben (noch) Bestandsschutz.

Der Glücksspielstaatsvertrag ist im Jahre 2012 novelliert worden. Seither sind Mehrfachspielhallen nicht mehr zulässig. Pro Spielothek sind nur noch zwölf Geldspielgeräte erlaubt. Außerdem muss zwischen zwei Spielhallen ein Mindestabstand von 350 Metern eingehalten werden. All diese Auflagen erfüllen die beiden Einrichtungen an der Wilhelmstraße nicht. Denn: Spielhallen, die schon im Oktober 2011 in Betrieb waren, dürfen während einer Übergangsfrist von fünf Jahren in der bisherigen Form weiterbetrieben werden. Die Frist endet Mitte 2017.

Wie es dann weitergeht, kann Silke Döding auch den Spielhallenbetreibern, die schon besorgt nachgefragt haben, nicht beantworten. „Es gibt noch keine Vorgaben des Landes, wie der novellierte Glücksspielstaatsvertrag für die alten Spielhallen umgesetzt werden soll.“ Nach den Buchstaben des Gesetzes kann an der Wilhelmstraße nur eine Einrichtung „überleben“, und die auch nicht mehr als Mehrfach-Spielhalle.

Die neuen Regelungen sind für Spielhallenbetreiber offensichtlich nicht besonders attraktiv. „Seit zwei Jahren sind die Anträge auf Neueröffnungen deutlich zurückgegangen“, sagt Christiane Schmidt von der Pressestelle der Stadtverwaltung. Und die Zahl der Spielotheken stagniere ohnehin seit geraumer Zeit. Für die Stadt ist das nicht unbedingt nur eine positive Entwicklung, spült doch jedes Spielgerät 50 Euro Vergnügungssteuer pro Monat in die Stadtkasse.

Tim M. dagegen wird’s freuen.

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