Gladbeck wird InnovationCity II

Blick auf Schultendorf aus der Vogelperspektive. Nur eines der Wohnquartiere, die Teil des stadtweiten Großprojektes InnovationCity Ruhr
Blick auf Schultendorf aus der Vogelperspektive. Nur eines der Wohnquartiere, die Teil des stadtweiten Großprojektes InnovationCity Ruhr
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Klimagerechter Stadtumbau und Beschäftigungsförderung sind das Ziel. Der Flächenanalyse soll ein maßgeschneidertes Konzept für das Stadtgebiet folgen.

Gladbeck..  Die Schlagzeile ist etwas in die Zukunft gegriffen, aber es ist davon auszugehen, dass Gladbeck nach Bottrop die InnovationCity II in der Emscher-Lippe-Region wird. Denn jetzt sollen Tatsachen nach der Willensbekundung zur „Kandidatur“ folgen. Letztere hatte Bürgermeister Ulrich Roland bereits im Frühjahr 2014, nach eindeutigem Votum der Stadpolitik, in Gesprächen mit der das Projekt koordinierenden Innovation City Management GmbH (ICM) angemeldet. „Das Besondere ist, dass Gladbeck sich als einzige Stadt das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, nicht nur mit einzelnen Quartieren, sondern mit dem gesamten Stadtgebiet Teil der InnovationCity Ruhr zu werden“, so der Leiter des Gladbecker Wirtschaftsförderungs-Referates, Peter Breßer-Barnebeck.

Klimagerechter Stadtumbau

Seit fast einem Jahr wurde mit dem weiteren Partner, der neu aufgestellten „Umbau 21“ Innovationsgesellschaft Emscher Lippe (vorher WiN bzw. Emscheragentur) und interessierten Städten des Emscher Lippe Raumes an einem Weg gearbeitet, um den klimagerechten Stadtumbau auf der Grundlage der Erfahrungen in Bottrop in die Region auszurollen. Neben der energieeffizienten Modernisierung von Gladbecker Stadtquartieren ist auch der Strukturwandel ein Projektthema – mit dem Idealziel, dass angestoßene Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung beitragen, indem lokale Firmen (z.B. Rockwool) und Betriebe (Handwerkskammer, IHK) eingebunden werden. Einige Gladbecker Unternehmen sind bereits an der InnovationCity Ruhr beteiligt.

„Um bei der Gebäudesanierung einen Mengeneffekt zu erreichen, wollen wir mit städtischen und privaten Wohnungsbaugesellschaften sowie mit privaten Immobilienbesitzern zusammenarbeiten“, so Breßer-Barnebeck. Lokale Kompetenz könne von der Stadtverwaltung ins Projekt eingebracht werden, da energieeffiziente Gebäudesanierung kein völlig neues Thema für Gladbeck sei. Grund: Diese seien u.a. fester Bestandteil der Stadtumbauprojekte Brauck und Stadtmitte sowie des integrierten Klimaschutzkonzeptes gewesen.

Breßer-Barnebeck: „In einem ersten Schritt soll jetzt eine stadtweite Flächenanalyse durchgeführt werden, um dann mit der Stadt maßgeschneiderte Konzepte für die InnovationCity zu erarbeiten.“ Eine Dienstleistung für einen Masterplan via ICM, die rund 120 000 Euro kostet und möglichst mit finanzieller Hilfe von Bund, Land und Initiativkreis Ruhr gestemmt werden soll.

1600 Beratungsgespräche mit Hausbesitzern

Im Kreisgebiet wollen sich auch Recklinghausen, Dorsten und Waltrop mit Quartiersprojekten bei InnovationCity Ruhr bewerben. Bottrop macht als InnovationCity-Modellstadt seit 2011 vor, wie klimafreundlicher Wandel mit dem Einsatz privater und öffentlicher Gelder gelingen kann.

Mitarbeiter der InnovationCity Management GmbH führten in der Nachbarkommune rund 1600 Beratungsgespräche mit Hausbesitzern. Zwei Drittel investierten, so dass in 2013 in Bottrop acht Prozent der Gebäude energetisch saniert wurden, bundesweit lag die Quote bei 0,8 Prozent, teilte ICM-Chef Burkhard Drescher jetzt dem Ausschuss für Wirtschafts- und Strukturpolitik des Kreises mit.

Mit Hilfe der „Umbau 21“ Innovationsgesellschaft sollen den beteiligten Kommunen Fördertöpfe, z.B. auf EU-Ebene aufgezeigt werden, die direkt angezapft werden können. Dies habe für Bottrop relativ unbürokratisch funktioniert, so dass teils bis zu 25 Prozent der Investitionssumme öffentlich gefördert wurden. Bis die Umsetzung in Gladbeck richtig losgeht, kann es aber wohl etwas dauern. Mit fünf Jahren sei zu rechnen, bevor man etwas „fühlen und schmecken“ könne, so Drescher.