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Rechtsextremismus

Gladbeck stand auf

05.07.2008 | 14:06 Uhr
Gladbeck stand auf

Ohrenbetäubendes Pfeifen, lautstarke Proteste gegen Nazis in der Stadt - über 1000 Gladbecker protestierten gegen eine Kundgebung der Freien Nationalisten auf dem Willy-Brandt-Platz.

"Was, wegen der paar Leutchen so ein Aufstand?" Einige Passanten sind fassungslos. Manche auch ärgerlich. Die Polizei verwehrt ihnen den Weg über den Willy-Brandt-Platz. Weil da die Freien Nationalisten ihre Kundgebung abhalten wollen, gegen "Moscheebauten, Ausländerwahlrecht, Multi-Kulti". Bis 13 Uhr aber passiert nicht viel. 20, 25 eher junge Männer (kaum eine Frau ist dabei) hocken unterm Eichenbaum vorm Rathaus. Die meisten sind schwarz gekleidet, manche haben die Gesichter durch schwarze Sonnenbrillen und tief gezogene Kappen halb versteckt. Ein schwarzer Ford Vectra mit Hamburger Kennzeichen parkt mitten auf dem Platz, Megaphone auf dem Dach sind installiert.

Info
Gladbecker sagen:

Die Kundgebung und Gegenkundgebung war Stadtgespräch am Samstagmorgen in der City.

Benedikt Gottlieb:”Ich bin froh, dass auf der einen Seite fast gar keine Nazis da sind und auf der anderen Seite über Partei- und Vereinsgrenzen hinweg viele Menschen gegen Rechts demonstrieren.”

Michael Krause:” Die Demonstration der Nazis hat nicht die Tragweite, in der sie angekündigt wurde. Eigentlich hätte die Demonstration gar nicht erlaubt werden dürfen, aber die Gesetzeslage ist diesbezüglich nicht ausreichend.”

Bärbel Klatt-Seipelt:”Es ist wichtig, dass so viele Gegendemonstranten mobilisiert werden konnten. Das ist unsere Pflicht als Bürger, die die Freiheit lieben, denn Freiheit ist nichts selbstverständliches.”

Kirsten Kretauer:”Ich bin absolut gegen Rechts. Deswegen bin ich hier und habe auch ganz bewusst meine Kinder mitgenommen. Sie sollen schon früh etwas von politischer Aktivität lernen. Den Größeren habe ich das erklärt und es war ihnen wichtig, hier gegen Menschen zu stehen, die andere hassen”

Hans Schmidke:”Es sind schon fast zu wenig Leute hier. Das ist keine Demo für mich. Vielen ist es egal, sie sind nur da, weil sie sich das Spielchen von den Rechten angucken wollen. Und das ist ja, was die wollen!”  Erkan Sirim: ”Was soll ich sagen. Ich habe schon ein mulmiges Gefühl. Man weiß nicht, was passiert und deswegen läuft es heute auch nicht so”

Waldtraud Neumann:”Das hier ist viel Lärm um Nichts. Es hätte doch keiner auf die paar Nazis geguckt, wenn nicht eine große Gegenveranstaltung organisiert werden würde. Und den Geschäften geht es heute schlecht... Das sind verschwendete Steuergelder!”

Rings um das Grüppchen stehen Polizeiwagen und Polizisten. Eine Hundertschaft aus Duisbug ist vor Ort, Bezirksbeamten aus den umliegenden Städten sind im Einsatz. Ihre Aufgabe an diesem Samstagmorgen in der Gladbecker Innenstadt: Alle ruhig halten. Alle, das sind neugierige Passanten, die sich das Spektakel angucken wollen oder völlig ahnungslos in die Sperre gelaufen sind. Aber es sind auch die Gegendemonstranten, die auf Abstand gehalten werden. Ein Korridor von ca. 20 Metern hält die beiden Gruppen auseinander. Was sie aber nicht daran hindert, sich gegenseitig zu provozieren. Grinsend, feixend stehen einige der "Schwarzen" auf dem Willy-Brandt-Platz an der Absperrung, fotografieren die zahlenmäßig weit größere Menge gegenüber. "Wir haben Nazis satt - raus aus unserer Stadt" skandieren diese, unterstützt von Megaphonen und dem "offenen Mikrophon", an dem jeder sprechen kann.

Unter ihnen auch die Antifa-Gruppe, zumeist Jugendliche, ebenfalls in schwarz gekleidet, den "Schwarzen" auf dem Platz fast zum Verwechseln ähnlich. Auch sie haben sich zum Teil mit Sonnenbrillen und Kappen getarnt, um nicht von der auf einem Wagen installierten Polizeikamera aufgenommen zu werden. Zwei von ihnen werden festgenommen, als es kurzzeitig zu Tumulten kommt. Lautstark fordern sie die Freilassung. "Die Polizei sollte die da drüben festnehmen"

Währenddessen stehen Hunderte Bürger am anderen Ende der Hochstraße, gut 500 Meter weit weg, und halten eine Gegenkundgebung ab, organisiert vom Bündnis für Courage. Fahnen jeder Couleur werden hoch gehalten, viele rote sind darunter, aber auch Pax Christi und KAB, IGBCE. Bündnissprecher Roger Kreft: "Nazis stehen für Hass, Intoleranz, Dummheit. Zeigt ihnen, dass kein Platz hier für sie ist." Lauter Beifall, ohrenbetäubendes Gepfeife aus zuvor verteilten Trillerpfeifen begleitet die Rede.

Bürgermeister Ulrich Roland ist ebenfalls da. Er hat seinen Urlaub unterbrochen, um an diesem Morgen als Stadtoberhaupt den Neonazis "laut und deutlich zu sagen, sie schaden unserer Stadt und haben hier nichts zu suchen. Wir sagen nein zu braunen Gedanken, nein zu Fremdenfeindlichkeit und nein zu jedem Angriff auf unsere Grundwerte". 30 Redner folgen und machen mit klaren Statements ihren Unmut über die rechtsextreme Kundgebung deutlich. So wie Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, die sagt: "Ich steh' hier, weil diese Kundgebung uns zeigen will, wohin Hass und Ausgrenzung führen kann." So wie Propst Karl-Heinz Berger: "Ich steh hier, weil ich davon überzeugt bin, dass Gespräche und Diskussionen nicht reichen, um ein eindeutiges Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz zu geben. Das muss in der  Öffentlichkeit geschehen." György Angel: "In der IGBCE Brauck sind ein Drittel der 800 Mitglieder nicht deutscher Herkunft. Ich selbst bin gebürtiger Ungar. Ich habe mit Italienern, Polen, Türken, Spaniern unter Tage gearbeitet. Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren. Kein Fußbreit den Nazis in Gladbeck."

Kurz vor 13 Uhr löst sich die Gegenkundgebung auf, die Menge zerstreut sich - oder zieht weiter Richtung Rathaus. Denn jetzt macht die Nachricht die Runde:Über 100 Nationalisten wurden am Bahnhof von der Polizei festgehalten, sie sind jetzt auf dem Weg zum Willy-Brandt-Platz. Begleitet von 30 Polizeiwagen kommen sie dort an, stellen sich in Richtung Hertie auf und schwenken Fahnen.

Jetzt sind es doch 170 schwarz gekleidete Freie Nationalisten, die vor dem Banner an der Rathaustür ("Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gladbeck war, ist und bleibt eine Stadt, in der Freiheit, Gleichheit und Toleranz gelebte Werte eines friedlichen Miteinanders sind") versuchen, ihre Meinung per Megaphon kund zu tun. Begleitet werden sie vom ohrenbetäubenden Gepfeife und Gegenreden von gegenüber. "Aber alles friedlich bisher", sagt Polizeipressesprecher Andreas Weber auf Anfrage.

Maria Lüning

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Kommentare
08.07.2008
18:16
Blockierter Kommentar.
von LiLaLaunebär | #39

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.07.2008
13:25
Gladbeck stand auf
von pallor | #38

1. Ich weiß die Rechten haben ein Problem mit zählen, aber hier alle Ferngebliebenen Menschen als Symphis der Nazis zu werten ist doch etwas dreist. Wieso standen mehr Menschen bei den Antifaschistischen Kräften als bei euch?

2. Ich fand es im hohen Masse unsolidarisch das die meisten bürgerlichen Gruppen sich aus dem Staub gemacht haben als ihre kleine Kundgebung zu ende war. Es ging ja nicht darum Gewalt zu verüben, sondern lediglich lautstark die Parolen der Nazis zu stören.

3. Die Taktik des angeblichen Dessinteresses funktioniert nicht, nur durch die Anwesenheit von Gegendemonstraten hat die Polizei die legitimation die Nazis in den Käfig zu sperren.

Ohne die Antifas wären sie frei in Gladbeck rumgelaufen, und hätten wohl nicht nur in Recklinghausen Migranten zusammen geschlagen.

Also aufstehen und nicht weiter schweigen!!!

Paul

08.07.2008
07:02
Gladbeck stand auf
von LiLaLaunebär | #37

Dieser Kommentar entsprach nicht den AGBs und wurde daher entfernt!

08.07.2008
01:49
Gladbeck stand auf
von UweDecker | #36

jaa ich als einer von den 15 jährigen mit israel und usa flagge kann nur sagen

der gegenprotest war mehr als peinlich, höchstens 300 ggndemonstranten, dann noch von sekten wie der linken , mlpd und dkp... erbärmlich

07.07.2008
20:48
Gladbeck stand auf
von Gerhard Rümmler | #35

Gladbeck Demonstriert,und hat (wie ganz Deutschland )immer noch nichts kapiert.
Denn wenn wir weiterhin den Ausländern erlauben hier Schalten und zu Walten wie sie wollen,müssen auch wir uns später vorhalten lassenWARUM HABT IHR NICHTS GETAN

07.07.2008
20:12
Gladbeck stand auf
von deang | #34

@AntifaBottrop
der Organisation kann ich nur zustimmen. ich fande es auch teils sehr traurig das bild einiger Antifa Kinder zu sehen. Als ich das gesehen habe was teilweise für Sprüche von deren Lippen gegangen sind, habe ich echt überlegt in welchem zusammenhang auch immer man sich damit Identifizieren soll.
Dann muss man sich nicht wundern das die Geselschaft es nicht versteht was die Antifa zu leisten versucht oder auch leistet.
----
Die Wartezeit hat leider die Gegendemonstranten zerstreut. zu beginn waren es recht viele. Durch die 2 Std Verspätung jedoch zerriss sich das ganze.
Die Festnahmen auf Linker seite waren übrigens: 1. MIttelfinger gegenüber der Faschisten welches jedoch die Beamten als Beamtenbeleidigung auffassten.. 2. 2 weitere wegen Pöbeln gegenüber eines Nationalisten welcher durch die Gegendemostration lief.

Ich wünsche mir für weitere Nazi aufmärsche Bzw kundgebungen auf jedenfall eine Bessere Organisation der Gegendemo bzw auf seiten der Antifa ...

07.07.2008
13:30
Gladbeck stand auf
von Supergrobi07 | #33

@LiLaLaunebär

genau mit solchen Themen (Moscheebau) finden die Rechten ihre Anhänger, offensichtlich hat es ja bei ihnen funktioniert.
Wenn sie gegen Moscheen sind, dann ist das ihr gutes Recht Herr LiLaLaunebär aber, dass sie den Braunen (in dem Fall, den Schwarzen) den Boden ein Forum durch ihren Logenplatz geboten haben, dass beweist nur das sie in Geschichte wohl nicht der Hellste wahren, das tut mir dann leid.
Zu dem Band der Linken wäre noch zu sagen, wenn man auch nichts mit denen zu tun haben möchte, so haben sie wenigstens eine Aktion gegen Rechts organisiert. Wer bei den Linken jetzt anfängt mit DDR Vergangenheit, Stasi usw. der darf dann auch nicht CDU usw. wählen, wenn wir uns da einmal die Vergangenheit der 30er Jahre anschauen. Viele Nazigrößen sind nach dem Krieg unbehelligt in den höchsten Ämtern geblieben, da hat sich auch keiner dran gestört.
Wenn wir heute Moscheen verbieten, dann doch nur, weil wir angst um unsere eigene Kultur haben, aber dann sollten die Deutschen
1. wieder mehr in die Kirche gehen
2. ihre Kirchensteuer wieder zahlen
3. wieder Kinder produzieren, wie es geht zeigen uns ja unsere ausländischen Mitbürger. Nicht neidisch glotzen, sondern selbst ist der Mann. Wenn die Deutschen es nicht mehr hinkriegen für Nachkommen zu sorgen, wer soll es denn dann tun ?
Die Rechten mit ihrem geringen Frauenanteil und ihren antiquiertem Frauenbildnis ?
Also Herr LiLaLaunebär sich einfach auf den fahrenden Zug in die 1. Klasse setzen und kommen lassen ist wohl der Weg des Stammtisches an dem sie offensichtlich gesessen haben. Ich bin jetzt auch nicht gerade der Fan von Moscheen, aber, wenn es danach ginge hätte es in Germany niemals Kirchen geben dürfen, die hatten ja auch hier die Kultur der Kelten und Germanen verändert. Also, ich würde ihnen vorschlagen, die Doppelmoral ein wenig mehr zu beleuchten, man kann ja verschiedener Meinung sein, aber Deutschland hat eine Geschichte, die uns gezeigt haben sollte, zu was Menschen fähig sind, die braunes Gedankengut unter die Leute bringen.
Wir Nachkriegs - Deutschen haben nicht die Verantwortung unserer Ahnen zu verantworten, wir haben aber dennoch die Verpflichtung aus der Geschichte zu lernen, damit UNS unsere Kinder niemals später vorhalten können

WARUM HABT IHR NICHTS GETAN ?

07.07.2008
12:35
Blockierter Kommentar.
von Akteur | #32

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.07.2008
11:09
Gladbeck stand auf
von WiWi | #31

Die Aktion mit dem Band der Toleranz hätte in der Tat mehr Mitmache verdient gehabt. Es war ein Zeichen, hätte aber ein Fanal sein können.
Dennoch: Aus vielen Gesprächen habe ich herausgehört, wie sehr die Neo-Nazis von den Gladbeckern abgelehnt werden. Aussage eines alten Herrn, der nur noch im Elektromobil über die Straße rollen konnte: Das die das wieder dürfen. Ich habe als junger Mann gesehen, wie Nazis die Juden auf offener Straße zusammengetreten haben. Und heute stehen die wieder vor unserem Rathaus. Zur Demo ist aber dennoch nicht gekommen.
Wer war denn von den vielen Kommentatoren beim interreligiösen Gottesdienst zu Beginn der Veranstaltung? So voll , wie die Lambertikirche war, ist diese größte Kirche Gladbecks nur sehr selten. Es gab keinen Mangel an Gegendemonstranten in Gladbeck. Stets kamen Leute hinzu, andere gingen nach einiger Zeit wieder. Es waren im Ganzen über tausend, und das nur aus Gladbeck. Fast zehnmal so viele wie Nazis, die aus ganz Deutschland angereist waren. Das sagt doch wohl alles.
Die vielen Statements vom Podium her gegen die Rechtsradikalen waren beeindruckend. Egal aus welchem der vielen Blickwinkel die Redner schauten, Nazis sehen von jedem Standpunkt her übel aus.
Klar ist, dass es gelungen ist, dem braunen Pöbel klar zu machen, dass er hier in Gladbeck unerwünscht ist.

07.07.2008
09:24
Gladbeck stand auf
von LiLaLaunebär | #30

@ supergrobi05 und andere Weltverbesserer

Die Leute saßen dort bzw. blieben der Gegendemo fern, aus zwei Gründen:

1. Unterstützen sie im Kern die Forderungen (gegen Moscheebau etc.) der Demonstranten,
2. Hatten sie keine Lust sich zur Teilnahme an irgendeinem Flatterband von Linken-Prinzipgegnern nötigen zu lassen.

Die Erklärung dafür liegt in dem Versäumnis der großen Volksparteien, sich um die Sorgen der Bürger zu kümmern. Is so, ob es einem passt oder nicht.

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