Gladbeck gedenkt Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren

Norbert Gerbig, Monika Claus, Maria Seifert, Roger Kreft, Manfred Samen und Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup (v.l.) vom Gladbecker Bündnis für Courage organisieren die Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz
Norbert Gerbig, Monika Claus, Maria Seifert, Roger Kreft, Manfred Samen und Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup (v.l.) vom Gladbecker Bündnis für Courage organisieren die Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Gladbecker Bündnis für Courage erinnert an den 27. Januar 1945 mit einer Gedenkveranstaltung. Eine Rednerin ist Enkelin des jüdischen Paares Kaufmann.

Gladbeck..  Sie engagieren sich, damit (schwarze) Kapitel deutscher Geschichte nicht im Laufe der Zeit in der Versenkung des kollektiven Vergessens verschwinden: die Mitglieder des Gladbecker Bündnisses für Courage. Sie versuchen, „mahnendes Gedenken“ zu bewahren, wie es Mitglied Maria Seifert nennt. Auch die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – am 27. Januar 1945 – durch die Rote Armee soll nicht vergessen werden. Das Bündnis für Courage stellt das Thema – auf den Tag pünktlich – zum 70. Jahrestag mit einer Gedenkveranstaltung ins Licht der Öffentlichkeit. Beginn ist um 19.30 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Postallee. Der Eintritt ist frei.

Für viele ansprechend

„Seit 2009 organisieren wir Gedenkveranstaltungen zu diesem Tag“, sagt Bündnis-Sprecher Roger Kreft. In den Vorjahren habe es sich um „Freiluft“-Termine gehandelt – diesmal werde „in die gute Stube“, eben ins Bonhoeffer-Haus, eingeladen. Wie immer habe sich das Bündnis bemüht, „eine Veranstaltung hinzukriegen, die alle ansprechen soll“.

Rednerin Chaja Kaufmann

Dazu gehörte auch, so Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, jemanden als Redner zu bekommen, „der in Gladbeck verwurzelt ist“. Dies sei mit Chaja Kaufmann gelungen. Sie lebt in den Niederlanden, 40 Kilometer entfernt von Utrecht. Chaja Kaufmann ist die Enkelin des jüdischen Paares Max und Ida (Jitte) Kaufmann. Manfred Samen berichtet: „Sie hatten einen Groß- und Einzelhandel für Kurzwaren.“ Hinter den Geschäftsräumen im Haus Nr. 54 an der damaligen Kaiserstraße – heute Horster Straße – befand sich ein Betsaal für Juden. Später hatte die NSDAP in dem Gebäude ihren Sitz.

„Die Untertanen“ aus Münster

Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup: „Ich habe Chaja Kaufmann eingeladen, Gast in meiner Familie zu sein.“ Sicher bedeute es für die Nachfahrin von Max und Jitte Kaufmann „auch ein Stück Überwindung“, am 27. Januar in Gladbeck die Gedenkrede zu halten. Was genau die Rednerin an diesem Abend sagen werde, sei Courage nicht bekannt. Ob Chaja Kaufmann auch eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart herstellt? Das wäre gewiss ganz nach der Vorstellung des Bündnis-Teams, denn, so Norbert Gerbig: „Der Sinn der Veranstaltung ist, von einem Kapitel der Geschichte eine Verknüpfung zur aktuellen Entwicklung herzustellen.“

Vielleicht bringt Chaja Kaufmann auch Musik in ihren Vortrag ein. Was sicher ist: Die Münsteraner „Untertanen“ – ein couragierter Chor mit Schauspiel-Potenzial – wird jiddische Stücke und Freiheitslieder anstimmen.

Jugend in Aufarbeítung involviert

Einen Part bei der Gedenkveranstaltung im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, eine Lesung, übernehmen Schüler des Heisenberg-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin Dr. Carmen Giese. Norbert Gerbig vom Bündnis für Courage: „Sie gestalten ihren Beitrag in eigener Verantwortung.“

Schon in der Vergangenheit hatten Jugendliche des Gymnasiums beispielsweise von ihren persönlichen Erfahrungen bei Besuchen in Auschwitz erzählt, eigene Texte vorgetragen oder Zeitzeugnisse von Häftlingen in Auschwitz vorgelesen. Courage-Sprecher Roger Kreft ist froh, „dass Schüler bei diesem Thema so engagiert sind“.

So beteiligt sich der hiesige Nachwuchs an mehreren Schulen nicht nur an Gedenkveranstaltungen, sondern recherchiert auch die Schicksale Gladbecker jüdischer Bürger für die Verlegung von „Stolpersteinen“. In diesem Jahr sollen 16 oder 17 weitere im gesamten Stadtgebiet hinzukommen, kündigt Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup an.