Gewerbeflächen sind in Gladbeck ein knappes Gut

Das Gewerbegebiet an der Heinrich-Hertz-Straße in Gladbeck.
Das Gewerbegebiet an der Heinrich-Hertz-Straße in Gladbeck.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Rund zehn Hektar stehen noch für Ansiedlungen zur Verfügung. Wirtschaftsförderung setzt auch auf interkommunale Zusammenarbeit in der Region.

Gladbeck..  Von einer „Alarmstufe Rot“ beim Vorrat der Gewerbeflächen im Ruhrgebiet spricht IHK-NRW Haupt-Geschäftsführer Peter Schnepper. Und Rasmus Beck von der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr befürchtet, dass der Region „erhebliche Investitionsverluste“ drohen, wenn durch den Flächenmangel die Ansiedlung von Unternehmen verhindert wird. Peter Breßer-Barnebeck, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt, sieht die Sachlage entspannter.

„Selbstverständlich versuchen wir auch in Gladbeck neue Gewerbeflächen zu entwickeln. Aber in einem so relativ kleinen Stadtgebiet wie Gladbeck ist klar, dass die Verfügbarkeit freier Flächen ziemlich ausgereizt ist.“ Maximal zehn Hektar Gewerbefläche stünde noch für die Ansiedlung neuer kleinerer, oder die Ausweitung bestehender Unternehmen zur Verfügung.

Das Flächenmanagement der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr listet im aktuellen Marktbericht für Gladbeck zwar ein Gesamtpotenzial von gut 20 Hektar auf, kommt letztlich aber zu dem selben Ergebnis wie die Gladbecker Experten, da Restriktionen die Verfügbarkeit der Flächen einschränken. Einschränkungen können vorliegen, wenn die Flächen im Privatbesitz sind und nicht veräußert werden, alte Industrie- oder Bergbaubrachen mit Schadstoffen belastet sind oder die Flächenentwicklung aufgrund schwieriger topografischer Verhältnisse nicht realistisch ist.

Letzteres gelte zum Beispiel für die große baumbestandene Fläche nördlich der Maschinenhalle Zweckel und Ineos Phenol, zwischen Frentroper- und Arenbergstraße. „Theoretisch könnte hier Gewerbe angesiedelt werden“, so Breßer-Barnebeck, bei einer Abholzung des Baumbestandes wären umfangreiche Ersatzpflanzungen nötig, so dass diese Option nicht rentabel sei.

Die Brachen der Montanindustrie im Stadtgebiet, die fünf ehemaligen Zechen, seien bereits allesamt in Folgenutzung. Im Bereich Moltke ½ durch Wohnbebauung, bei Moltke ¾ sowie Matthias Stinnes ¾ durch gewerbliche Nutzung, was auch für die Möllerschächte gelte, zählt Breßer-Barnebeck auf: „Und die Zeche Zweckel ist bekanntermaßen in kultureller Nutzung.“

Einzige Ausnahme: Die aktuell frei werdenden Bahnanlagen der ehemaligen RAG-Bahn- und Hafenbetriebe. „Eine langgezogene Fläche von etwa 20 000 Quadratmetern, von der letztlich bis zu 12 000 Quadratmeter, also 1,2 Hektar nutzbar wären, um Gewerbebetriebe anzusiedeln“, so der Wirtschaftsförderer. Hinzu kämen noch freie Flächen von insgesamt gut acht Hektar in den bestehenden Gewerbeparks Gladbeck-Brauck (2,4 ha), Wiesenbusch (2,5), Heinrich-Hertz-Straße (2,5) oder kleinere Flächen in bestehenden Industriegebieten wie der Rockwoolstraße.

Regionale Projekte unterstützen

Im Vergleich mit Nachbarkommunen und den kreisangehörigen Städten sieht das Gladbecker Gesamtpotenzial von Gewerbeflächen mit 20 Hektar eher mager aus. Die Zahl relativiert sich aber, da Nachbarn wie Bottrop zwar mit 56,5 Hektar über deutlich mehr Potenzial verfügen, davon aber nur mit einem Bruchteil von 2,7 Hektar restriktionsfrei planen können (siehe Tabelle).

Ein strenges Kirchturmdenken sei im Fall der Gewerbeansiedlungen zudem unangebracht, unterstreicht Gladbecks Wirtschaftsförderer Peter Breßer-Barnebeck. Vielmehr sei die Strategie, auch auf interkommunale Gewerbeflächenkonzepte zu setzen, da es Ziel aller umliegenden Städte sein müsse, „dazu beizutragen, dass Gewerbeansiedlungen in der Region ermöglicht werden“. Denn letztlich würden ja beispielsweise auch Gladbecker von neuen Arbeitsplätzen profitieren, wenn diese zwar nicht direkt in der Stadt, aber in der nahen Emscher-Lippe-Region entstehen.

Unterstützt werde so bekanntlich auch das Newpark-Projekt im Kreis oder die Ansiedlung des neuen Ikea-Standortes in Bottrop.

So sei es auch selbstverständlich, „wenn wir Gewerbeflächenanfragen erhalten, die wir in Gladbeck nicht bedienen können, dass wir benachbarte Kommunen einbinden, die über das geforderte Flächenpotenzial verfügen“.

Davon habe die Stadt selbst auch schon profitiert. Breßer-Barnebeck: „Das in Oberhausen beheimatete Unternehmen Lenord und Bauer wollte expandieren und hat letztlich über interkommunale Vermittlung im Gladbecker Gewerbepark an der Heinrich-Hertz-Straße sein Zweigwerk angesiedelt.“