"Geht auf die Straße, seid aktiv!"
08.02.2008 | 19:09 Uhr 2008-02-08T19:09:18+0100Mehr Eigeninitiative fordert Mely Kiyak von Mirgranten. Im Lesecaf?e der Stadtbücherei stellte die Autorin jetzt ihr aktuelles Buch vor
"Schließt euch zusammen! Geht auf die Straße, wenn ihr mitreden wollt!" Mely Kiyak findet klare Worte für die Migranten in Deutschland, weiß aber gleichzeitig auch, welche Schwierigkeiten sie im Alltag oftmals überwinden müssen.
Mely Kiyak kommt aus Berlin, hat türkische Wurzeln und ihr Interesse gilt den vielen Facetten der Integrationspolitik. Am Donnerstag war sie auf Einladung des Alevitischen Kulturvereins im Lesecaf?e? der Stadtbücherei zu Gast, um ihr Buch "10 für Deutschland" vorzustellen. Darin macht sie auf unterhaltsame und zugleich ernste Weise Integrationspolitik zum Thema.
Kiyak stellt zehn türkisch-stämmige Abgeordnete zur Rede, berichtet über verpasste Chancen und Schwierigkeiten im (politischen) Alltag.
Erstaunliche Geschichten hat die 31-Jährige zu erzählen, bei denen die Zuhörer nicht wissen, ob sie lachen oder weinen sollen. Die Autorin berichtet von türkischen Politikern in der bayrischen CSU, die nicht wissen, was ein Integrationsbeitrat ist. Sie nennt aber auch die, die Angst haben, das Thema Integration anzusprechen, weil sie nicht unhöflich sein wollen. "Jetzt gibt es endlich Politiker an der richtigen Position, die etwas bewirken könnten und sie tun es nicht", ärgert sich Kiyak.
Beruhigend ist für Mely Kiyak jedoch, dass zunehmend auch eine andere Sorte von Politikern in Erscheinung tritt, die viel Mut und Stärke beweisen, um die Rechte der Migranten auf Mitbestimmung einzufordern. Aber leider gibt es ihrer Meinung nach noch zu wenig davon.
Durch ihre Gespräche und Diskussionen erfährt Mely Kiyak auch von sehr persönlichen Schicksalsschlägen und Absurditäten. "Da beschwert sich doch glatt ein türkischer Vater, dass sein Sohn für zwei Jahre im Gefängnis sitzt, weil er ein bisschen mit Rauschgift gehandelt hat", so Kiyak. Andere wiederum lernten die deutsche Sprache, quälten sich durch den Paragraphendschungel, beschafften die nötigen Unterlagen und trotzdem würden ihnen Steine in den Weg gelegt, wenn sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen wollten.
Integration hat viele Seite. Auf vielen Seiten ist Initative nötig, um voranzukommen. Das machte dieser Abend klar.
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