Geburtshilfe am St.-Barbara-Hospital Gladbeck droht das Aus

Möglichweise führt ab Ende 2017 kein Weg mehr zum Kreißsaal in Gladbeck.
Möglichweise führt ab Ende 2017 kein Weg mehr zum Kreißsaal in Gladbeck.
Foto: WAZ FotoPool
Lokalpolitiker in Sorge. Schon 2017 könnte die Abteilung schließen. Auch sechs Hebammen wären dann arbeitslos. Chefarzt: Noch ist nichts beschlossen.

Gladbeck.. Der Geburtshilfe am St.-Barbara-Hospital droht möglicherweise das Aus. Den Ratsfraktionen von SPD und Grünen liegen Informationen vor, „dass nach dem Willen der Geschäftsführung der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe im Gladbecker Krankenhaus ab Ende 2017 keine Geburten mehr stattfinden dürfen“.

"Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen"

Die Fraktionen haben einen Dringlichkeitsantrag gestellt, damit sich der Haupt- und Finanzausschuss in seiner Sitzung am kommenden Montag mit diesem brisanten Thema beschäftigt. Zur Sitzung sollen KKEL-Geschäftsführer Berthold Grunenberg und Propst André Müller für den Krankenhausträger eingeladen werden.

Dr. Rudolf Gossen, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Barbara-Hospital, bestätigte auf WAZ-Anfrage, dass „zu diesem Thema Gespräche geführt werden“. Allerdings: „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.“ Der Vorschlag, die Geburtshilfe in Gladbeck ersatzlos zu streichen, stamme von den Krankenkassen, sagt er. Ihr Argument: Die nächstgelegenen Entbindungsstationen – am St. Marienhospital in Bottrop und am St. Marienhospital in Buer – seien nur wenige Kilometer entfernt. Deshalb sei die Geburtshilfe am St.-Barbara-Hospital, obwohl einziges Krankenhaus am Ort, entbehrlich.

"Unsere Geburtszaheln steigen"

Dr. Gossen zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass es auch nach 2017 weitergeht: „Die Gespräche sind noch nicht beendet. Die endgültige Entscheidung trifft die Landesregierung.“ Es gebe gute Gründe, die geburtshilfliche Abteilung in Gladbeck zu erhalten: „Unsere Geburtenzahlen steigen. Im vergangenen Jahr wurden hier 515 Kinder geboren, jetzt sind es schon 30 mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2015.“

Fast alle Gladbecker werdenden Mütter kämen zur Entbindung in das hiesige Krankenhaus, dessen Geburtshilfe einen guten Ruf genieße. Gossen: „Wir haben ein Superteam und alles läuft bestens. Deshalb wäre die Aufgabe der Abteilung ein großer Verlust.“ Die Gynäkologie, betont der Chefarzt, sei nicht Gegenstand der Gespräche.

Familie im Mittelpunkt kommunalpolitischen Handelns

SPD und Grüne sorgen sich im Zusammenhang mit der möglichen Schließung der geburtshilflichen Abteilung um die Zukunft der sechs dort beschäftigten Hebammen, die ihren Arbeitsplatz verlören. Auch dazu wollen sie im Haupt- und Finanzausschuss etwas hören: „Nach unseren Informationen steht allen Hebammen ein Sonderkündigungsschutz zu.“ Und die Fraktionen machen sich „Sorgen um die Attraktivität des St.-Barbara-Hospitals und um die Attraktivität unserer Stadt für junge Familien“. Schließlich sei Gladbeck eine Stadt, „in der die Familie im Mittelpunkt kommunalpolitischen Handelns steht“.

Detailliertere Informationen waren gestern nicht zu erhalten. Von der Geschäftsführung der Katholischen Kliniken Emscher-Lippe war niemand erreichbar.