Ganztag? Lieber nicht
10.01.2008 | 16:34 Uhr 2008-01-10T16:34:00+0100An den Gymnasien in Gladbeck herrscht meist große Skepsis, wenn es um die Stundenplan-Verlängerung in den Nachmittag hinein geht.
Auch dadurch zeichnen sich die Gesamtschulen aus: Sechs Stunden Unterricht, eine einstündige Pause, ein warmes Mittagessen in der Mensa und weiter geht es mit dem Unterrichtsstoff. Doch die Verkürzung der Gymnasiumschulzeit von neun auf acht Jahre, die die derzeitigen Siebentklässler und ihre Nachfolger betreffen wird, erfordert auch bei den Gymnasien ein Umdenken. Schließlich steht das Abi schon nach zwölf und nicht mehr erst nach 13 Schuljahren an. Jüngst regte NRW-Schulministerin Barbara Sommer deshalb an, auch dort den Ganztagsunterricht zu ermöglichen. Doch stößt dies in Gladbeck nicht auf große Resonanz. „Wir haben vor einigen Wochen eine Umfrage unter den Eltern durchgeführt – die haben sich gegen den Nachmittagsunterricht ausgesprochen”, berichtet Manfred Lauffs, Direktor des Ratsgymnasiums. Denn nach der Schule geht es für viele Schülerinnen und Schüler in die Musikschule, den Sportverein oder zu kirchlichen Aktivitäten. Auch personell könnte der Unterricht nach der sechsten Stunde kaum gestemmt werden. Lauffs: „Durch den Personalmangel kommen unsere Schüler eh nicht auf die vorgegeben Stundenzahlen. Die Jahrgangsstufe fünf hat 29 statt der vorgesehenen 31 Wochenstunden, die Stufen sechs und sieben nur 32 und 31 statt 33 Stunden. Doch selbst wenn wir immer zu 100 Prozent besetzt wären, kämen wir nicht auf die vorgegeben Zahlen.” Nach 13.30 Uhr wird am Ratsgymnasium dennoch unterrichtet. Die Oberstufenschüler schwitzen im Sportunterricht oder büffeln Geschichte, während die Sekundarstufe 1 freiwillig länger bleiben kann. Bei der Hausaufgabenbetreuung (inklusive warmem Essen von der Caritas) oder in den Arbeitsgemeinschaften wie dem Unterstufenchor, Mittelalterenglisch, Erste Hilfe oder Segeln. „Es gibt Überlegungen, wie der Ganztagsunterricht darüber hinaus realisiert werden kann. Die Frage ist nur, wie das finanziert wird. Wir haben zwar ein Café, in dem es Essen geben könnte, aber das hat nur 32 Plätze”, so Lauffs. Räumlichkeiten, um ein Mittagessen anzubieten, hat auch das Heisenberg-Gymnasium nicht. „Die Nachfrage von Seiten der Eltern ist auch gar nicht da”, sagt Direktorin Heidrun Schütte-Ständeke. Dabei gehen auch ihre Schüler immer wieder in die „Verlängerung”. „Vergangenes Jahr hatte eine unserer sechsten Klassen einen Acht-Stunden-Tag. Eine längere Pause und eine gute Mischung der Unterrichtsfächer hat dies verträglich gemacht. Eine siebte Stunde gibt es bei uns, sie ist aber noch nicht die Regel”, so Schütte-Ständeke. Ausnahme sind auch hier die Oberstufenschüler, die mit ihrem individuellen Stundenplan auch regelmäßig am Nachmittag in der Schule verweilen. Thema ist der Ganztagsunterricht natürlich auch am dritten Gladbecker Gymnasium. Man sei, so der Leiter des Riesener-Gymnasiums Michael Nieswandt, mit der Elternpflegschaft in dieser Sache im Gespräch. Ergebnis? Noch völlig offen.
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