Gänsehaut-Gefühl in Dresden
15.11.2009 | 18:03 Uhr 2009-11-15T18:03:00+0100Gladbeck. Direkt aus Dresden schildert SPD-Stadtverbandsvorsitzender Jens Bennarend seine Eindrücke rundum positiv.
Mit gemischten Gefühlen war die Recklinghäuser Delegation aufgebrochen. Man versuchte die möglicherweise zu hohen Erwartungen an die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit dem desaströsen Bundestagswahlergebnis schon im Vorfeld gegenseitig zu dämpfen um Enttäuschungen vorzubeugen. Aus diesen gemischten Gefühlen heraus wurde auch in der Delegation die Rede von Franz Müntefering verstanden, in der der noch amtierende Parteivorsitzende aus Sicht der Delegation zu wenig selbstkritisch mit der eigenen Politik innerhalb der Partei wie auch in der Zeit des Regierungshandelns umgegangen war.
Ein deutlicher Ruck durch die Reihen des Parteitages ging dann, als der Kandidat Sigmar Gabriel seine Rede hielt, in der er sich deutlich für eine Kurskorrektur aussprach, sehr authentisch die Idee von der „Sozialdemokratie als Werkstatt politischen Handelns“ vorstellte und vor allem klar machte, dass die Partei von nun an nicht mehr versuchen wolle, ihre Inhalte einer undefinierbaren Mitte anzupassen, sondern vielmehr darum kämpfen werde, die Menschen von ihren Zielen zu überzeugen und damit die gesellschaftliche Mitte definieren werde: „Wir müssen raus ins Leben, dahin wo es laut ist, dahin wo es brodelt, dahin, wo es riecht, gelegentlich auch stinkt. Wir müssen dahin, wo es anstrengend ist, weil nur da das Leben ist.“ Diesen Neuaufbruch konnte man in der anschließenden Antragsberatung direkt feststellen. Befreit, voller Mut und Tatendrang wurde diskutiert und konstruktive Beschlüsse gefasst – die ganze Stimmung war entspannter als auf den Parteitagen zuvor.
Gabriel hat es nach Ansicht Bennarends geschafft, die inhaltlichen Linien der Partei neu zu bestimmen und gleichzeitig die Genossen miteinander zu versöhnen. „Er hat mit seiner Rede das Herz und den Kopf der anwesenden Sozialdemokraten getroffen“, kommentiert Bennarend den hoffnungsvollen Neuaufbruch: „Wir sind zurück und wir haben unsere Identität zurückgefunden – dazu gehört es, dass wir miteinander um Inhalte streiten!“
Den zweiten Gänsehaut-Moment markierte die Rede von Erhard Eppller, der in seiner Rede noch einmal den Begriff „linke Politik“ definierte, indem er den Zusammenhang zwischen der europäischen Kulturgeschichte und dem politischen Handeln dadurch festlegte, dass er den Begriff der Nächstenliebe, der Brüderlichkeit oder Solidarität als zentrale Grundidee der bürgerlichen, europäischen Gesellschaft benannte, die er in großer Gefahr durch Steuersenkung und die sogenannte „Flat-Tax“, die Einheitssteuer sah.
16:35
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08:50
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08:26
Mal sehen, ob der Salon-Sozialist Bennarend davon was für die Gladbecker Genossen mitgenommen hat. Wenn um Inhalte wieder gestritten werden soll, wird das ein Quantensprung. Unter Roland, Hübner und Bennarend war bisher nur Jasagen an der Tagesordnung
07:24
Eine Aufbruchstimmung ist nötig, aber sie wird nicht ausreichen, wenn sich die SPD von ihren Selbsttäuschungen und Lügen befreien will.
Aber ob Gabriel dafür die richtige Person ist?
Die SPD ist in weiten Teilen noch viel zu autoritätsgläubig. Viele ehrliche Genossen haben immer wieder gegen ihre eigenen Überzeugungen abgestimmt. Jetzt in der Opposition fällt es natürlich viel leichter, aufrichtiger zu sein.
Es ist auch nötig, dass die SPD an einige Grundsätze der siebziger Jahre wieder anknüpft.
(Erhard Eppler) Aber auch das langt noch nicht für eine solidarische und gerechte Zukunft.
22:40
Identitätskrise überwunden dank Gabriel.
Wer´s glaubt .
22:16
Ich denke Satire ist die einzige Form mit der man sich einem solchen Parteitag nähern kann. Fast schon Honeckerwahlergebnisse für Gabriel – obwohl der doch nicht nur als Ministerpräsident von Niedersachsen (das Amt erbte er von Schröder) abgewählt wurde sondern als Regierungsmitglied und angeblicher Superwahlkämpfer auch das 23% Bundestagswahlergebnis mitzuverantworten hat. Nach all dem feiert die SPD sich immer noch selbst. Einfach herrlich.
18:45
So, so, Sigmar Gabriel hat also die Partei befreit!
Und wer befreit die Gladbecker Partei? Dieser Haufen spiegelt doch den Gesamtzustand der SPD wieder.