Gladbeck

Fritz Eckenga in Gladbeck ein Mann des Wortes

Fritz Eckenga hat in Gladbeck ein ganz treues Publikum. Die Veranstaltung war ausverkauft.
Fritz Eckenga hat in Gladbeck ein ganz treues Publikum. Die Veranstaltung war ausverkauft.
Foto: Funke Foto Services
Der selbst ernannte Unterhaltungsdienstleiter hatte im Lesecafé der Stadtbücherei ein Heimspiel. Die Vorstellung war ausverkauft.

Gladbeck.  . „Unterhaltungsdienstleister“ – so nennt er sich selbst. Fritz Eckenga, Ruhrpottkabarettist, Dichter und Philosoph, gastierte mit seinem neuen Programm „Von Vorn“ in der Stadtbücherei. In dem bis zum letzten Platz besetzten Lesecafé hatte der Künstler ein Heimspiel. Wie oft er mittlerweile in Gladbeck war, sei es solo oder mit dem Ruhrpottensemble „N8schicht“, weiß er selbst nicht mehr, aber es sind wohl gute 30 Jahre, in denen er hier immer wieder Stippvisite macht.

Humor gepaart mit Poesie von Ostwestfalen bis Berlin

Es ist kein Humor zum auf die Schenkel klopfen, sondern es ist ein Humor gepaart mit Poesie, ein Humor, der zwar von vorne kommt, aber hintergründig ist, der gute Laune verbreitet und manchmal das Lächeln in einen Lachflash verwandelt. Die Besucher kennen ihren Fritz Eckenga und es ist augenscheinlich, dass sie ihn lieben. Wer noch kein Stammzuschauer war, ist es mit Sicherheit an diesem Abend geworden.

Das Programm zieht sich topographisch von Ostwestfalen bis Berlin, von der Bude nebenan bis in die Chefetagen der Börsenunternehmen. Begleitet von seiner elektronischen Assistentin Sandra, zitiert der Komiker nie geschriebene E-Mails an Mc Donalds, die Briefe eines verlassenen Ehemanns und die Erklärung eines Baumarktleiters zu dem Boom, der ihm der Film „Shades of Grey“ beschert.

Selbstverständlich darf auch der Fußball nicht fehlen. Die Erklärung Jürgen Klopps, Dortmund zu verlassen, führen zu einem Exkurs, bei dem sich Eckenga über die Betroffenheitspresse à la Markus Lanz und Worthülsen wie „Ich bin da ganz bei Ihnen“ auslässt.

Dem Literaturpreisträger ist die Sprache wichtig

Die tieftraurige Geschichte eines Mannes, der Fische nicht isst, weil sie keine Seele haben, und eines Mädchens, das in einem Gespräch mit ihrer zunehmend mehr genervten Mutter dem Rosaton der Flamingos mit ganz eigener Logik nachspürt, zeigen, dass Humor eben keine Kalauer braucht.

Am wichtigsten aber ist dem Literaturpreisträger die Sprache selbst. Wenn Eckenga die allumfassende Cloud zunächst mit dem Hirn und dann sogar mit Gott gleichsetzt und ihr mit einem Stoßgebet fehlende Wörter entreißen will, oder aber wenn er sich über so sinnfreie Ellipsen wie „Wir können Möbel“ erregt, zeigt das ganz deutlich, dass hier ein Mann des Wortes am Werk ist, der dem Wesen der Sprache nachspürt, ein Wortkünstler eben und kein Wortkunsthandwerker.

Beim Ruhrpottkabarettisten kommt Ironie nicht zu kurz

Natürlich kommt auch die Ironie bei Fritz Eckenga nicht zu kurz. Mit „Von vorn“ beleuchtet der Ruhrpottkabarettist manches von hinten, von der Seite oder gar von unten. Viele aus dem Publikum wissen schon, dass sie beim nächsten Mal wieder mit dabei sind.

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