Friseurmeister sucht Azubis: Schulnoten eher Nebensache

Die besondere Strähnchentechnik Balayage beherrscht die Auszubildende Charline (r.) schon fast so gut wie die angehende Friseurmeisterin Cindy.
Die besondere Strähnchentechnik Balayage beherrscht die Auszubildende Charline (r.) schon fast so gut wie die angehende Friseurmeisterin Cindy.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Friseurmeister Bernd Hoffmann sucht zum Sommer zwei Auszubildende. Die Auswahlkriterien des Intercoiffeurs sind dabei eher eigenwillig.

Gladbeck..  Friseurin ist noch immer für viele Mädchen der Traumberuf. Kein Wunder also, dass sich Bernd Hoffmann über einen Mangel an Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle noch nie beklagen musste. 150 Bewerbungsunterlagen hat er in diesem Jahr schon gelesen – und 140 postwendend zurückgeschickt.

Anders als bei den meisten Firmenchefs spielen für Bernd Hoffmann bei dieser Entscheidung die Schulnoten eher am Rande eine Rolle. Das Hauptaugenmerk richtet der Friseurmeister und Betriebswirt auf andere Faktoren: Fettige Haare auf dem Passfoto zum Beispiel oder unsaubere Unterlagen stechen ihm sofort negativ ins Auge. Und ob die Bewerberin (eine Hand voll Jungs ist auch meistens dabei) drei Sprachen spricht, Excel oder Powerpoint beherrscht, interessiert ihn auch wenig. „Wenn sie aber zum Beispiel Persönlichkeit ausstrahlt, grüne Haare hat oder schreibt, sie finde Lady Gaga geil, dann werde ich aufmerksam.“

Solche Kandidatinnen haben dann gute Chancen, zum Vorstellungsgespräch und zum Probearbeiten eingeladen zu werden. Und da merkt der Chef dann schnell, „ob die jungen Leute nur einen Job suchen, oder ob sie ein Faible für Mode haben. Das ist ganz wichtig für unseren Beruf und speziell in diesem Salon.“ Selbstverständlich müssen die Nachwuchskräfte auch handwerkliches Geschick mitbringen und sich gut ausdrücken können. Und ganz wichtig: Sie müssen ins achtköpfige Team passen. Bernd Hoffmann: „Die Entscheidung, wer eingestellt wird, treffen wir alle gemeinsam.“

Bis jetzt haben sie immer eine gute Wahl getroffen und junge Menschen gefunden, „die unseren hohen Qualitätsansprüchen genügen“. Was sich vielleicht etwas überheblich anhört, hat einen guten Grund: Der Salon Hoffmann an der Lützenkampstraße in Rosenhügel darf sich als Intercoiffeur zu den 300 Premium-Friseuren in Deutschland zählen. Um einen Platz in der Vereinigung der Intercoiffeure kann man sich nicht bewerben, man wird berufen und muss eine zweijährige Probezeit erfolgreich überstehen. Unangemeldete, unabhängige Testkunden beurteilen anschließend regelmäßig in zehnseitigen Dossiers Qualität und Leistung. Für den Salon Hoffmann im vergangenen Jahr mit besonders erfreulichem Ergebnis: Er gehörte zu den Top-30-Intercoiffeuren. Kundinnen nehmen weite Wege – aus Frankfurt, Kaiserslautern, Herford – in Kauf, um sich bei Hoffmann verschönern zu lassen. Und vielleicht auch, weil das Hoffmann-Team – die Azubis eingeschlossen – das ausstrahlt, was dem Chef besonders wichtig ist: „Wir müssen nicht nur perfekt arbeiten, für jede Kundin und jedes Haarproblem eine individuelle Lösung finden, wir müssen auch ihr Herz berühren.“